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19. Dezember 2011

Heimkehrende US-Soldaten

Der Krieg ist vorbei – jetzt droht der Absturz

Die Heimkehrer aus dem Irak werden in den USA als Helden verehrt, trotzdem wartet auf viele von ihnen die Arbeitslosigkeit.

  1. Stürmische Begrüßung für einen Heimkehrer Foto: dpa

"Daddy, Daddy" ruft Kayden und fliegt ihrem Vater in die Arme. Und dann sind sie alle drei eng umschlungen, der Oberstabsgefreite Tim Hoskins, Ehefrau Nicole und die kleine Tochter. Tränen fließen, Plakate sagen: "Welcome Home – We missed you" – Willkommen daheim, wir haben Dich vermisst. Szenen wie diese in Havre de Grace (Maryland) waren in den vergangenen Monaten häufig in den US-Medien zu sehen. Präsident Barack Obama hat sein Versprechen eingelöst: Weihnachten sind alle US-Soldaten aus dem Irak zu Hause.

Vielleicht häufen sich unter dem heimischen Christbaum die Geschenke für den Heimkehrer. Vielleicht aber reicht das Geld nicht einmal für ein Festessen. Dann heißt es auf dem Stützpunkt Schlange stehen, um gratis eine Tüte mit Lebensmitteln und einen Gutschein für einen Truthahn zu ergattern – wie es Hunderte Militärfamilien in Fort Belvoir und Fort Meade nahe Washington vor dem Thanksgiving-Fest Ende November machten. Vielleicht heißt es auch schon bald Klinkenputzen, auf der Suche nach einem Job – mit der Aussicht, lange auf einen warten zu müssen.

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Amerika liebt und verehrt seine Soldaten, sie sind in den Augen der Nation Helden. "Ihr Wille hat sich als stärker erwiesen als der Terror jener, die versucht haben, ihn zu brechen", pries Obama kürzlich die Irak-Heimkehrer. Auch die Republikaner stimmen da ausnahmsweise zu. Aber das heißt nicht, dass die US-Militärfamilien auf Rosen gebettet würden.

Die Heimkehrer erwartet eine US-Wirtschaft, die nur müde vor sich hin dümpelt. Die Arbeitslosigkeit ist mit derzeit 8,6 Prozent immer noch sehr hoch. Veteranen, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 im US-Militär waren, sind besonders hart betroffen. Unter ihnen liegt die Arbeitslosenquote bei zwölf Prozent, unter den männlichen Veteranen zwischen 20 bis 24 Jahren ist gar jeder Dritte ohne Job, wie die USA Today unlängst vorrechnete.

Ein Hauptproblem sei, dass viele zivile Arbeitgeber den Wert der Fähigkeiten und militärischen Erfahrungen der Exsoldaten nicht verstünden, beklagte Tom Tarantino von der Organisation Iraq and Afghanistan Veterans of America (IAVA) dieses Jahr in einer Kongressanhörung. Und wer einen Job finde, der erhalte dafür oft weniger Geld als ein vergleichbarer Nichtveteran. Viele Arbeitgeber fürchten zudem, dass Veteranen unter posttraumatischem Stress-Syndrom oder Depressionen leiden. Laut IAVA zeigen Studien, dass zwischen 20 und 35 Prozent der in Afghanistan oder im Irak eingesetzten Soldaten unter diesen "unsichtbaren Wunden" leiden könnten. Das drückt sich oft in verstärktem Alkoholkonsum und der hohen Selbstmordquote aus: 59 Prozent der befragten IAVA-Mtglieder kennen laut Tarantino einen Veteranen, der Suizid begangen hat. Auch der Anteil der Veteranen unter Amerikas erwachsenen Obdachlosen ist mit rund 30 Prozent laut Schätzungen der US-Veteranenbehörde überproportional hoch.

Dabei geben sich Regierung und Kongress Mühe, Soldaten und Veteranen nicht im Regen stehen zu lassen. So beschlossen Demokraten und Republikaner kürzlich in seltener Einmütigkeit Steueranreize für Firmen, die Exsoldaten einstellen. Aber die Probleme dürften im Zuge des eingeleiteten Afghanistan-Abzuges eher noch größer werden. Das Weiße Haus schätzt, dass eine Million derzeitige Soldaten in den nächsten fünf Jahren ins Zivilleben eintreten werden.

Autor: Gabriele Chwallek (dpa)