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06. November 2010

Entwicklung braucht wenig Wachstum

UN-Bericht über die menschliche Entwicklung beschreibt erstmals Langzeittrends seit 1970.

GENF. Die Lebenschancen und -bedingungen für eine Mehrheit der heute rund sieben Milliarden Menschen auf der Erde haben sich in den vergangenen 40 Jahren deutlich verbessert. Diese Entwicklung erfolgte in den meisten Fällen unabhängig vom wirtschaftlichen Wachstum ihres Heimatlandes. Zu diesem Ergebnis kommt das Entwicklungsprogramm der UNO (UNDP) in seinem jetzt bekannt gewordenen "Bericht über die menschliche Entwicklung 2010" (Human Development Report/ HDR).

Der HDR wird seit 1990 jährlich veröffentlicht. Für die jüngste Ausgabe des Berichts analysierte das UNDP erstmals nicht nur die Veränderungen seit dem Vorjahr, sondern die Langzeitentwicklung für die Zeit seit 1970. Untersucht wurden die 135 Länder, aus denen vollständige Daten für die vergangenen 40 Jahre vorliegen und in denen 92 Prozent der Weltbevölkerung leben. Nach den Erkenntnissen des UNDP ist die Lebenserwartung in diesen 135 Ländern seit 1970 um durchschnittlich elf Jahre gestiegen – von 59 auf 70 Jahre. Die größten Zuwachsraten bei der Lebenserwartung gab es in den arabischen Staaten mit 18 Jahren, die geringsten mit acht Prozent in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Der Anteil der Kinder, die mindestens acht Jahre die Schule besuchen, stieg seit 1970 von 55 Prozent auf 70 Prozent. Und das Bruttosozialprodukt verdoppelte sich im besagten Zeitraum auf 10 000 US-Dollar pro Kopf der Weltbevölkerung.

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"Gesundheit, Bildung, demokratische Teilhabe und gerechte Verteilung sind auch bei geringem Wirtschaftswachstum möglich – und die Länder mit den größten Fortschritten bei der menschlichen Entwicklung sind oft diejenigen ohne rasantes Wirtschaftswachstum, aber mit gutem öffentlichem Gesundheits-, Sozial- und Bildungssystem", erklärte UNDP-Vertreterin Flavia Pansieri , eine der Autorinnen des Berichtes.

Das zeigt die Liste der zehn Staaten, die in den vergangenen 40 Jahren die meisten Entwicklungsfortschritte nach den Kriterien des HDI machten. Angeführt wird sie von Oman, das in dieser Zeit einen erheblichen Teil seiner Öleinnahmen für Bildung und Gesundheit ausgab. Es folgen China, Nepal, Indonesien, Saudi-Arabien, Laos, Tunesien, Südkorea, Algerien and Marokko. Davon verdankt lediglich China seinen Spitzenplatz ausschließlich dem rasanten Anstieg der Pro-Kopf-Einkommen.

2010 wurden drei neue Entwicklungskriterien definiert: Ungleichheit innerhalb einzelner Länder, geschlechtsspezifische Ungleichheit sowie multidimensionale Armut. Darunter fallen zum Beispiel auch Menschen, die über mehr als 1,25 US-Dollar pro Tag verfügen (die von der UNO definierte Armutsgrenze), aber keinen Zugang zu Bildung und Gesundheit haben. Einige Länder haben in den vergangenen 40 Jahren auch Rückschritte gemacht. So ist die Lebenserwartung in Russland, der Ukraine und Weißrussland sowie in den sechs afrikanischen Staaten Lesotho, Südafrika, Swaziland, Sambia, Zimbabwe und der Demokratischen Republik Kongo seit 1970 zurückgegangen.

Autor: Andreas Zumach