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07. Oktober 2017

Friedensnobelpreis für Ican

Überblick über die Organisation und ihre Ziele

Vor zehn Jahren wurde Ican von Aktivisten gegründet / Atommächte haben sich der Organisation nicht angeschlossen.

Die frisch gekürten Friedensnobelpreisträger von Ican rufen zur völligen nuklearen Abrüstung auf. Hier ein Überblick über die Organisation und ihre Ziele.

Wer steckt hinter Ican?
Die erst zehn Jahre alte Dachorganisation ist ein Bündnis aus derzeit 450 Friedensgruppen und 122 Ländern, das sich weltweit für atomare Abrüstung und die gänzliche Atomwaffenabschaffung einsetzt. Prominente Ican-Unterstützer sind der Dalai Lama, der Ex-Generalsekretär der UNO Ban Ki-moon sowie die Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und Jody Williams. Icans Hauptquartier liegt in Genf. Die Mitarbeiter dort sind vor allem jüngere Aktivisten. Die charismatische Vorsitzende ist die erst 34-jährige Schwedin Beatrice Fihn. Erst im Jahr 2007 wurde die Organisation von Zehntausenden von Graswurzel-Aktivisten und kleineren Zusammenschlüssen gegen Atomwaffen in Australien gegründet. Ihr Hauptanliegen ist es, Länder dazu zu bringen, einen bindenden UN-Antiatomwaffenvertrag zu unterzeichnen.

Was besagt der
Atomwaffenverbotsvertrag?

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Der im Juli in New York von den ersten Staaten unterzeichnete Vertrag verbietet es allen Unterzeichnern, Atomwaffen zu entwickeln, zu besitzen, zu stationieren oder zu finanzieren. 122 Staaten haben ihn ausgehandelt, 53 davon haben bereits unterzeichnet. Darunter ist aber keine einzige Atommacht.
Warum haben die Atommächte

die Verhandlungen boykottiert?

Sie stehen weiter zum Prinzip der nuklearen Abschreckung: Danach soll der Besitz von Atomwaffen davor schützen, selbst mit Massenvernichtungswaffen angegriffen zu werden. Die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich können sich darauf berufen, dass es schon einen internationalen Vertrag über atomare Abrüstung gibt, den sogenannten Atomwaffensperrvertrag von 1968. Er soll die Ausbreitung von Atomwaffen verhindern und beinhaltet eine Verpflichtung zur Abrüstung – aber kein Verbot.


Was ist mit den

anderen Atommächten?

Die Atommächte Indien und Pakistan gehören nicht zu den Vertragsparteien des Atomwaffensperrvertrags. Auch Israel und Nordkorea sind nicht dabei. Israel hat den Besitz von Atomwaffen nie zugegeben, aber auch nicht dementiert. Wie weit Nordkorea bei der Entwicklung von Atomwaffen ist, ist unklar.

Kann der Friedensnobelpreis

die Nordkorea-Krise beeinflussen?

Nordkorea ist das einzige Land, das die Jury konkret in ihrer Preisbegründung nennt. Bisher hat sich der Staatschef des ostasiatischen Landes, Kim Jong-Un, von außen aber durch nichts unter Druck setzen und von seinen Raketentests abhalten lassen. US-Präsident Donald Trump hat erst vor wenigen Tagen direkte Gespräche mit dem "Raketenmann" abgelehnt.

Ist der Preis ein

Seitenhieb gegen Trump?

"Wir treten mit diesem Preis niemandem ans Bein", betont die Nobeljury. Trotzdem kann man die Entscheidung als Signal an Trump werten. In der nächsten Woche wird er entscheiden, wie es mit dem Atom-Abkommen mit dem Iran weitergehen soll. Wenn er den Ausstieg der USA einleiten sollte, könnte das zu einem neuen atomaren Wettrüsten führen, befürchten viele Politiker und Experten.

Gab es einen Friedensnobelpreis für eine nukleare Abrüstungsinitiative?
Ja. Der frühere US-Präsident Barack Obama formulierte 2009 in einer der wichtigsten Reden seiner Amtszeit in Prag die Vision einer nuklearwaffenfreien Welt und bekam dafür den Friedensnobelpreis.

Was ist aus seiner Vision geworden?

Nicht viel. Fast alle Analysten sind enttäuscht über fehlende Fortschritte. Die Zahl der nuklearen Sprengköpfe weltweit ist zwar seit dem Beginn von Obamas Amtszeit 2009 von 23 300 auf heute rund 14 935 gesunken – zu Zeiten des Kalten Krieges waren es noch 70 000. Gleichzeitig investieren aber die USA und die anderen Atommächte in die Modernisierung ihrer Arsenale. Experten gehen davon aus, dass die USA in den nächsten 30 Jahren bis zu eine Billion US-Dollar (834 Milliarden Euro) in die Modernisierung ihrer Atomwaffen stecken werden.

Autor: André Anwar dpa