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04. Februar 2016 00:00 Uhr

Jerusalem

Israel reißt palästinensische Häuser ab

Israelische Truppen sind im Westjordanland angerückt, um Behausungen und Ställe niederzureißen, die größtenteils mit Hilfsgeldern der EU und der UNO finanziert worden waren.

  1. Palästinensische Kinder suchen in ihren abgerissenen Häusern nach Spielsachen. Foto: AFP

JERUSALEM. Im Winter sind die Nächte im Nahen Osten bitterkalt und ohne Dach über dem Kopf nicht zum Aushalten. In dieser verzweifelten Lage sind seit Dienstag Dutzende Bauern- und Hirtenfamilien im südlichen Zipfel des Westjordanlandes. Am frühen Morgen waren israelische Truppen angerückt, um ihre Behausungen und Ställe niederzureißen, die größtenteils mit Hilfsgeldern der EU und der UNO finanziert worden waren.

40 Abrissbefehle hatten die Soldaten bei sich und mehr als die Hälfte bereits vollstreckt, als eine einstweilige Verfügung sie zwang, die Bulldozer anzuhalten. 135 Palästinenser aus den Dörfern Dschanba und Halawa, unter ihnen 60 Kinder, waren da schon obdachlos. In Brüssel hatte man gehofft, dass Israel aus Rücksicht auf europäische Bedenken das Hilfsprojekt nicht antasten werde. Israel indes verweist auf einen richterlich angeordneten Schlichtungsversuch, der geplatzt war. Einen Tag später erteilte die militärische Zivilverwaltung den Abrissbefehl. Sie vertritt die Position, dass besagte Unterkünfte illegal sind, da sie ohne Genehmigung gebaut wurden. Nur: Das trifft auf nahezu alle palästinensischen Bauten zu, die im C-Gebiet liegen. Dieses umfasst jene 60 Prozent des Westjordanlands, die der alleinigen Kontrolle Israels unterstehen, weil dort jüdische Siedler leben. Im aktuellen Fall geht es noch um mehr. Die israelischen Streitkräfte haben hier ein Areal von 3000 Hektar als militärisches Übungsgelände abgesteckt: die sogenannte "Firing Zone 918". Schon seit der Millenniumswende verfolgt die Armee das Ziel, ein Dutzend palästinensischer Weiler räumen zu lassen, weil sie in die Schusslinie geraten könnten. Einige Siedlerenklaven, auch ungenehmigte Außenposten, die ebenfalls auf dem Gelände liegen, müssen indes nicht weichen.

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Autor: Inge Günther