Nordirak

PKK rettet Jesiden aus dem Sindschar-Gebirge

Michael Wrase

Von Michael Wrase

Fr, 15. August 2014

Ausland

Die Flüchtlinge aus dem Sindschar-Gebirge im Nord-Irak wurden von Kurden in Sicherheit gebracht.

LIMASSOL/ERBIL. Nur noch tausend jesidische und christliche Flüchtlinge sollen sich nach Erkenntnissen der UN-Mission im Irak (Unami) im Sindschar-Gebirge aufhalten. Da ihre Lage nicht so bedrohlich ist wie angenommen, sei statt einer Bodenoffensive die Einrichtung einer Luftbrücke oder eines Rettungskorridors höchst wahrscheinlich, betonten US-Militärsprecher. Den meisten der Flüchtlinge sei es nach den Luftschlägen der USA gelungen, der Belagerung durch die Terrormilizen des Islamischen Staates (IS) zu entkommen.

Bereits vor den Luftschlägen hatten aus Syrien kommende Freischärler der Partei der Demokratischen Union (PYD) begonnen, einen Korridor zum Sindschar-Gebirge freizukämpfen. Bei der PYD handelt es sich um den syrischen Arm der türkisch-kurdischen PKK, die vom US-Außenministerium und der EU als Terrororganisation eingestuft wird. Dass die PKK auch lebensrettende Aufgaben erfüllt, können inzwischen mehr als 30 000 traumatisierte kurdische Jesiden bestätigen. Sie wurden in den letzten sieben Tagen von PYD-Freischärlern aus dem Sindschar-Gebirge ins syrische Kurdistan eskortiert. Von dort aus konnten sie in die nordirakischen Städte Dohuk und Zakho gebracht werden.

Auch bei der erfolgreichen Verteidigung von Erbil hat die PKK großen Anteil. Mehr als 400 türkische Freischärler, unter ihnen auch Frauen, waren am letzten Freitag in die Kurdenhauptstadt gekommen. Es handle sich um "lokale Selbstverteidigungsgruppen", betonten Sprecher der irakisch-kurdischen Autonomieregierung. Diese hatte wegen ihrer guten Beziehungen zu Ankara bislang ein höchst gespanntes Verhältnis zur PKK. In Zeiten der nationalen Bedrohung wurden jedoch die Kriegsbeile begraben: Auch die Türkei legte den PKK-Milizen offenbar keine Steine auf den Weg in den Nord-Irak, wo sie am letzten Wochenende die vom IS besetzte Stadt Makhour befreiten.

Dass der amerikanische Planungsstab, der in Erbil die Luftschläge gegen den Islamischen Staat koordinierte, über die Präsenz von offensiven PKK-Einheiten unterrichtet wurde, ist höchst unwahrscheinlich. Die PKK ist sich der Ironie, als von den USA als Terrorgruppe eingestufte Organisation die Anstrengungen der US-Luftwaffe unterstützt zu haben, durchaus bewusst. "In dieser besonderen Situation spielte das aber keine Rolle. Wir Kurden kämpfen alle für ein kurdisches Heimatland", sagte ein PKK-Kommandant.