Sölden

Ausstellung zeigt James-Bond-Sammlung – auf 3048 Metern

Steve Przybilla

Von Steve Przybilla

Fr, 18. Januar 2019 um 09:15 Uhr

Panorama

Schüsse, Explosionen, goldene Pistolen: Im Österreichischen Sölden kommen nicht nur Wintersportfans auf ihre Kosten, sondern auch Liebhaber der Agentenfilme.

Ein enger, düsterer Gang, leise Musik, ganz hinten eine Videowand. Kalt ist es in diesem Gemäuer, jeder Schritt hallt auf dem harten Betonboden. James Bond hätte an einem solchen Ort seine Walther PPK längst gezogen. Unnötig in diesem Fall, denn die einzige Gefahr, die Besuchern hier droht, ist zu dünne Luft. "007 Elements", die neueste Ausstellung zum James-Bond-Franchise, befindet sich im österreichischen Wintersportort Sölden in einer Höhe von 3048 Metern.

Wer es nicht weiß, entsteigt dem Skilift auf dem Gaislachkogl und saust an dem markanten Gebäude vorbei. Bond-Fans aber kennen die Szenerie genau. Hier oben wurden einige der spektakulärsten Szenen des jüngsten Bond-Films "Spectre" gedreht. Daniel Craig alias 007 liefert sich eine Verfolgungsjagd durch die Alpen – er im Flugzeug, seine Kontrahenten in aufgemotzten Geländeautos. Selbstredend, dass die Verkehrsmittel am Ende Schrott sind und nicht nur viel Schnee, sondern auch jede Menge Schrot durch die vereiste Landschaft fliegt.

Für Liebhaber der Agenten-Sause ist Sölden daher ein besonderer Ort, und das wissen auch die Einheimischen. Im Juli 2018 eröffneten sie die Ausstellung "007 Elements". Der Bond’sche Pilgertempel wurde mitten in den Berg gesprengt. Um den Permafrostboden nicht zu schädigen, ist er nicht beheizt, weshalb Besucher selbst im Sommer eine dicke Jacke benötigen. Wer sich wie ein Spion fühlen will, darf nicht zimperlich sein. Neun Räume gibt es bei "007 Elements". Sie sollen an Orte erinnern, die typischerweise in den Kinofilmen vorkommen: das Versteck des Bösewichts, die Bastelkammer von "Q", der Besprechungsraum beim Geheimdienst. Letzterer erinnert an eine Szene aus "Der Mann mit dem Goldenen Colt".

Besucher erhalten eine eigene Agenten-ID

In einem Spiegelkabinett laufen verschiedene Videoclips. Stakkatoartig erscheinen mehrere Bond-Darsteller auf dem Bildschirm: Sean Connery, Roger Moore, Pierce Brosnan. Die Ausschnitte wechseln im Sekundentakt; es knallt und klirrt pausenlos, genau wie in den neueren Filmen mit Daniel Craig. Es folgen technische Spielereien, bei denen die Besucher ihre Hand scannen und eine eigene "Agenten-ID" erhalten. An Bildschirmen sieht man, wie die Kino-Produktionen digital nachbearbeitet wurden. Auch einige Exponate hängen an den Wänden: der "goldene Colt" aus dem gleichnamigen Film, eine Omega-Uhr, ein Skistock, aus dem Pistolenkugeln fliegen. Die Beschreibungen sind allesamt auf Englisch. Wer eine deutsche Erklärung möchte, muss sich an einen Mitarbeiter wenden.

Tatsächlich hat "007 Elements" nicht den Anspruch, ein Museum zu sein.

"Wir nennen es eine cinematische Installation", sagt Jakob Falkner, der Chef der Einrichtung. "Aber eigentlich gibt es dafür keinen Begriff." Man habe etwas Modernes, Authentisches umsetzen wollen, ergänzt der 62-Jährige. "Mir war von Anfang an klar, dass es nicht reichen würde, ein paar Bilder vom Dreh aufzuhängen. Wir wollten etwas ganz Spezielles machen, noch dazu mit einer bond-stylischen Architektur." Falkner, der auch Chef der Söldener Bergbahnen ist, hat den Deal mit der Produktionsfirma eingefädelt. "Wir haben lange verhandelt", räumt er ein, Details des Vertrags verrät er nicht. Auch zu den Baukosten schweigt er. Nur so viel: Zwischen zehn und 20 Millionen Euro habe man investiert. Die Exponate seien Leihgaben, die man bei Bedarf austauschen könne. Bisher sei die Resonanz ausgesprochen gut, betont Falkner: Von Juli bis Dezember 2018 hätten über 20 000 Besucher die Ausstellung besucht, viele aus dem Ausland.

Ein Sammelsurium mit gelungenem Ambiente

Keine Frage, das Ambiente ist gelungen. Mit ein wenig Fantasie erinnern die dunklen Räume tatsächlich an den Lauf einer Pistole oder an einen "ballistischen Gang", wie er in den Werbebroschüren angepriesen wird. Sogar das demolierte Flugzeug, mit dem Bond in "Spectre" durch die Landschaft pflügt, hängt im Original von der Decke. Trotzdem ist "007 Elements" vor allem ein Sammelsurium an Show-Effekten. Alles ist auf kurze Clips und schnelle Eindrücke ausgelegt. Tiefergehende Analysen fehlen komplett.

Dabei gäbe es viel zu sagen, gerade an einem solch symbolischen Ort. Schon immer zog es Bond in die Alpen. 1969 jagte er den Bösewicht Blofeld im Berner Oberland ("Im Geheimdienst Ihrer Majestät"). Es folgten Ausflüge nach St. Moritz (1977), Cortina (1981), Chamonix (1999) und schließlich nach Sölden. Die Spionage-Streifen waren und sind immer auch ein Spiegel ihrer Zeit. Jahrzehntelang kam das Böse vor allem aus dem Ostblock; Bond verführte eine junge Frau nach der anderen und Homosexualität galt in dieser Männerwelt als Tabu.

Viel hat sich seither geändert, und es wäre interessant gewesen, auch über solche Dinge etwas zu erfahren. Oder über die Dreharbeiten vor Ort. Zumal der Besuch in Sölden nicht ganz billig ist. Den James-Bond-Experten Joachim Frenk wundert die Preisgestaltung indessen nicht. "Bond war schon immer ein Edelkonsument", sagt er. Als Anglistik-Professor an der Universität des Saarlandes beschäftigt sich Frenk schon lange mit der Kulturgeschichte, die man aus den Filmen herauslesen kann. Die Mischung aus Action, Sex und Konsum sei es, die Fans fasziniere. Die Attraktion in Sölden füge sich da gut ein: "Bond war schon immer ein Produkt. Die spektakuläre Location, die Hochglanz-Oberfläche, auf der die Filme präsentiert werden – für mich klingt das nach einem schlüssigen Konzept."

Nach einer Stunde ist der Besuch im "007 Elements" beendet.

Martina Doselova, eine Urlauberin aus Tschechien, hat mit ihrem Mann und den beiden Töchtern die Ausstellung durchlaufen. Die 39-Jährige strahlt: "Alles war so interessant und modern, vor allem die interaktiven Elemente." Am besten hat ihr das Flugzeug gefallen. "Da fühlt man sich fast wie ein Agent." Draußen vor der Tür geht die Mission weiter. Wer es schafft, ein Stück die Piste herunterzulaufen, ohne von einem Skifahrer umgenietet zu werden, wird mit einem weiteren Exponat belohnt. Mitten im Schnee steht einer der Land Rover, die in "Spectre" durch den Schnee gebrettert sind. Ganz so schnell wie die Filmhelden kann man den Berg aber doch nicht verlassen: Die Abfahrt mit der Seilbahn dauert 30 Minuten.
Die Ausstellung "007 Elements" ist täglich von 9 Uhr bis 15.30 Uhr geöffnet. Da nur eine begrenzte Anzahl von Personen hineinpasst, gibt es spezielle Zugangszeiten: 9 Uhr, 11 und 13 Uhr (Mindestalter 12 Jahre). Tickets und Infos: http://www.007elements.com