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06. Dezember 2010
Kunsthalle Basel: Irritierende Mischungen aus Zeitgeistigem
Die Kunsthalle Basel macht aus ihrem Beitrag zur "Regionale 11" eine Plattform für junge Kunst.
Ein Mann und eine Frau laufen hintereinander her. Beide tragen Pferdemasken und bewegen sich grotesk wie Marionetten. Im Video "Hee Haw" von Heike Aumüller sind die zwei Personen in einem seltsamen Bewegungsmuster zu sehen: Einer führt, der andere folgt. Durch die simultanen Abläufe wird nie ganz klar, wer nun die führende Rolle übernimmt – ein narratives Video, das beim Betrachter Geschichten freisetzt. Die Pferdemenschen in dieser Videoarbeit sind nur ein Beispiel für die rätselhaft verschlüsselten, nicht leicht zu erschließenden Beiträge von 30 Künstlern in der "Regionale 11"-Ausstellung in der Kunsthalle Basel.
Unter den beteiligten jüngeren Künstlern sind viele Studierende und Meisterschüler renommierter Kunstakademien, was diese Schau auch zu einer Plattform für junge, aktuelle Kunstäußerungen macht. Der Titel "The Village Cry" bezieht sich auf eine Zeitschrift gleichen Namens, die Ende der 1970er Jahre in Basel herausgegeben wurde: Das Heft bündelte verschiedenste Fotografien und Illustrationen aus den Bereichen Film, Mode, Architektur, Kunst, Musik. Die Schau in der Kunsthalle reflektiert nun einerseits dieses damalige Zeitgeist-und Kunst-Magazin "The Village Cry". Die Ausgaben wurden reproduziert und sind auf Bahnen gedruckt in einem umlaufenden Band an den Wänden der Ausstellungsräume zu sehen, gleich einem schwarz-weißen surrealen Strip aus lauter einzelnen Fotosequenzen, Fotostrecken, Aufnahmen und Abbildungen teils von Stars wie Klaus Kinski. Diese Drucke ziehen sich gleichsam wie ein roter Faden durch die sehr vielgestaltige Schau. Im zweiten Part der Ausstellung greifen die Gegenwartskünstler teilweise Themen und Inhaltliches dieser Zeitschrift auf, die ein Stück Zeit- und Kulturgeschichte widerspiegelt.
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Leicht wird es dem Betrachter nicht gemacht, immer Querbezüge herzustellen und Vernetzungen zu entdecken in der Vielfalt der Installationen, Videoarbeiten, Objekte, Fotografien und Zeichnungen. Das große Kunst-Rätsel beginnt bei Thomas Geigers "Denkmaschine", einer Pappbox mit drehbaren Pappscheiben, aus denen sich Wortkombinationen ergeben. Die durch die Worte ausgelösten Situationen und Einfälle dokumentiert der Künstler fotografisch, grafisch oder filmisch. Tobias Kaspar führt den Betrachter auf eine andere Fährte: Er präsentiert zwei Fotografien von Menschen in Bewegung in Form der Buchstaben N und G, die Stationen und Versatzstücke der Werkreihe "Jogging" sind.
In manchen Arbeiten lassen sich gut Berührungspunkte zu "The Village Cry" ausmachen, etwa in den großformatigen Schwarz-Weiß-Reprints von Aline Zeltner. Die stark vergrößerten Männerporträts bekommen etwas Surreales durch die speziellen Brillen, die die Modelle tragen: Es sind optische Apparaturen, die das Sehfeld von Schützen präzisieren sollen. Die Männergesichter erhalten durch die Brillen, die sich vor die Augen schieben, eine im doppelten Sinn andere "Optik".
Im skulpturalen Bereich ragen Andreas Arndts Objekte "Rocky" heraus: mit Klebeband umwickelte Steine, die Formen von Köpfen oder Felsen ergeben. Diese mit Streifen "gebändigten" und verschnürten, zu skulpturalen Gebilden gezähmten Steine sind auch ein Symbol für das Domestizieren wilder Natur. Aus verschiedenartigen Teilen und Materialien besteht die installative Arbeit von Salome Ghazanfari: ein Video, Regale mit Betonobjekten und Grafiken sowie Stilettos aus Ton ergeben ein Gesamtbild aus lauter bruchstückhaften Momenten und Elementen. Eine begehbare Installation hat Reto Pulfer geschaffen: einen zeltähnlichen Stoffraum mit Bemalungen. "Das Türkise Zustandsgrab" nennt der Künstler dieses mit fließenden Wasserfarben ausgemalte Stoffzelt, das man betreten kann und in dem man sich beschützt und befremdet zugleich fühlt.
– Bis 2. Januar, Dienstag, Mittwoch, Freitag 11-18, Donnerstag 11-20.30 Uhr, Samstag und Sonntag 11-17 Uhr.
Autor: Roswitha Frey
