Street-Art

Erinnerungen an Basels Graffiti-Legende "Dare"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 15. September 2018 um 16:43 Uhr

Hochkultur (fudder)

Sigi "Dare" von Koeding wäre heute 50 Jahre alt geworden. 2010 starb der Künstler, der im Weiler Kesselhaus sein Atelier hatte.

Streetart und Graffiti locken heute in Galerien und Museen, prägen Open-Air-Festivals und sind zunehmend Besuchermagnete im Städtetourismus. Der Ursprung dieser auch heute noch zum Teil illegalen Kunstform liegt jedoch in der Anonymität amerikanischer Metropolen, wo überwiegend männliche Heranwachsende auf Identitätssuche nachts ihre Reviere mit gesprayten Kurznamen und Botschaften an Häuserwänden und Zügen markiert haben.
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Als etwa Ende der 80er Jahre diese damals ungeheuerliche Kunstform nach Europa herüberschwappte, war der in Basel geborene Sigi von Koeding alias Dare, der heute, Samstag, 50 Jahre alt geworden wäre, ein zentraler Wegbereiter für den deutschsprachigen Raum.

Als Brückenbauer organisierte Dare mit dem Briten Bansky 2002 die ersten Streetart-Ausstellungen in Hamburg und London. Der Fotograf und Kunstfreund Gunter Sachs entdeckte das kreative und expressive Potenzial dieser jungen Wilden und veranlasste 2007 die seinerzeit erste größere private Graffiti-Auftragsarbeit: Dare gestaltete mit seinem Kollegen Toast das über 200 Quadratmeter große Sachs-Appartement in Schloss Velden am österreichischen Wörthersee.

Mit diesem Meilenstein wurden Graffiti als Kunstform im Wortsinne salonfähig. Einige Arbeiten wurden im Museum der Bildenden Künste in Leipzig ausgestellt. Dare konnte aber nicht nur XXL-Motive, sondern bemalte Blumentöpfe für den Zürcher Paradeplatz oder aber Ziffernblätter für das exklusive Uhrenlabel Pierre deRoche. Im Schweizer Fernsehen erklärte er danach die Hintergründe dieses neuen Kunst-Genres. Es ging ein Ruck durch die Graffiti-Community, viele unsichtbare Grenzen waren auf einmal weggesprengt. Dare wurde bis heute Vorbild für weite Teile der europäischen Sprayer-Szene.

Das Werk von Koedings verlagerte sich zunehmend auf Leinwände, die mit den immer wiederkehrenden Buchstaben seines Aliasnamens Rückschlüsse auf die Befindlichkeit des Künstlers zulassen. Es sind quasi "Selbstbefragungen, Kryptoselbstportraits", wie es Keith Haring-Experte Dieter Buchhart als Mitherausgeber der 2016 bei Publikat erschienenen Künstlermonographie Dare to be different zutreffend ausdrückt. 2010 starb der Künstler, der im Weiler Kesselhaus sein Atelier hatte und die Carhartt-Gallerie künstlerisch leitete, an den Folgen eines Gehirntumors.