Greifarme kommentieren die Kölner Silvesternacht

Antje Lechleiter

Von Antje Lechleiter

Di, 17. April 2018

Ausstellungen

In der Reihe "Künstler laden Künstler ein" stellen Elisabeth Bereznicki und Frank Piasta im Freiburger E-Werk neue Arbeiten vor.

Seit 15 Jahren existiert im Freiburger E-Werk die Ausstellungsreihe "Künstler laden Künstler ein". Ein bewährtes Format, das aktuell an zwei Beispielen zeigt, wo sich die Ansätze von Künstler-Kuratoren und Kunsthistorikern unterscheiden. Eine These der Kunstredakteurin Claudia Wahjudi lautet, dass Künstler-Kuratoren stärker auf die Wirkung der Kunst selbst als auf theoretische Erklärungsmodelle vertrauen würden. Ihre Ausstellungen seien daher eigenwilliger, experimenteller und vor allem selbsterklärend.

Zumindest Letzteres trifft auf die von Elisabeth Bereznicki für die Galerie 1 ausgewählten Werke des Stuttgarter Künstlers Klaus Illi zum Thema "Köln Silvesternacht/Metoo" zu. "Frauen sollen zu Fremden eine Armlänge Abstand halten" – dieser hilflose Satz der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist unvergesslich und wird von den Greifarmen der kinetischen Objekte Illis wortlos kommentiert. Die Botschaft seiner großen Wandinstallation bedarf ebenfalls keines Beipackzettels: Unter ohrenbetäubendem Lärm recken sich die bunten Beutel von 20 Staubsaugern auf Knopfdruck langsam nach oben.

Was die Galerie 2 und damit die Pfeilerhalle angeht, stimmen Künstler-Kuratoren und Kunsthistoriker in einem Punkt überein: Wer nicht auf die räumlichen Verhältnisse reagiert, der hat schon verloren. "Orten" lautet daher der Titel der von Frank Piasta konzipierten Ausstellung, in der sechs Künstler die Besonderheiten der Katakombe aufspüren und erkunden. Eine Raumvermessung findet durch die transparenten Klebebänder des Schweizers Daniel Göttin statt, die den Raum zwischen zwei Pfeilern durch einen zarten Schleier markieren. Im Hinblick auf ihre fein strukturierten nuancierten Arbeiten spricht Elisabeth Sonneck gern von einer "reduzierten Vielfarbigkeit". Angesichts des künstlichen Lichts der Pfeilerhalle entschied sie sich allerdings für eine kräftige Farbigkeit. Leuchtend orange Papierbahnen rollen über den grauen Boden und schieben sich an den weißen Säulen empor.

So als wollten sie die farbigen Acrylglasobjekte von Bettina Bürkle erreichen. In verschiedenen Höhen tauchen diese an Wand und Pfeilern auf und setzen dem kühlen Ausstellungsraum eine Architektur der Farbe entgegen. Mit unbuntem Schwarz arbeitet Kirstin Arndt. Ihre unregelmäßigen Vierecke aus Stahl präsentieren sich in zwei Aggregatzuständen: Sie segeln in spielerischer Leichtigkeit über die weiße Wand und hängen als zusammengezogenes Kraftzeichen von der Decke herab. Ein furioses Finale erhält die Ausstellung mit der Licht-Video-Installation "Tagwerk" von Christoph Dahlhausen. Indem sie einlädt, länger als üblich zu bleiben, löst sie eine weitere These von Claudia Wahjudi über das Wesen von Künstler-Kuratoren-Ausstellungen ein.

E-Werk, Eschholzstr. 77, Freiburg. Bis 6. Mai, Do/Fr 17- 20, Sa 14-20, So 14-18 Uhr.