Ausstellungen

"Licht und Bewegung" in Riegeler Kunsthalle besticht durch optische Effekte

Herbert F. Hurka

Von Herbert F. Hurka

Mi, 22. November 2017

Ausstellungen

Mit dem offenen Bekenntnis zum Effekt: Die Ausstellung "Licht und Bewegung" in der Kunsthalle Messmer in Riegel.

Alles Schein: Unter dieses Leitmotiv ließe sich die Ausstellung "Licht und Bewegung" in der Kunsthalle Messmer in Riegel stellen. Vereint sind dabei die wichtigsten Vertreter der Op-Art mit namhaften Lichtkünstlerinnen und Lichtkünstlern. Was die teils grundverschiedenen Exponate der Malerei, Graphik, Objekt- und Lichtkunst verbindet, ist das offene Bekenntnis zum Effekt. In traditionellen Kunstauffassungen als unseriöses Zugeständnis an den Publikumsgeschmack diffamiert, sind Effekte für die Op-Art elementar, was bereits die Lamellenbilder des 1923 in Venezuela geborenen Carlos Cruz Diez belegen. Mit einem kompakten Überblick über dessen beeindruckendes Werk eröffnet die Ausstellung mit einem Protagonisten des Genres, während sie mit den wildbunten Rastern des zweiten Hauptvertreters, Victor Vasarély (1906–1997), schließt.

Bis dahin aber tut sich ein Erlebnispark auf, der – und das ganz im positiven Sinn – vergessen lässt, dass man es mit Kunst zu tun hat, so unterhaltsam nämlich lässt sich dieser an optischen Attraktionen überreiche Parcours an. Die vom Titel angekündigte "Bewegung" löst realiter nur Siegfried Kreitner mit seinen mechanischen Lichtskulpturen ein, denn der Reiz der meisten Exponate verdankt sich der Suggestion von Bewegung durch optische Täuschungen und andere irreführende Sinneseindrücke. Anhand seiner raffinierten Schaukästen aus sich überlagernden Linienstrukturen, bekannt auch als Moiré-Effekt, demonstrierte Ludwig Wilding (1927–2010), dass das Sehen von vornherein eine anfechtbare Angelegenheit ist. Je nach Betrachterposition weiten sich Flächen zu Räumen, und eben noch unbewegliche Graphiken beginnen wie Zahnräder zu rotieren, sobald man sich vor den Objektkästen bewegt.

Mit ihren einfallsreichen Experimenten in der unbestimmbaren Zone zwischen 2D und 3D attackieren die gezeigten Op-Art-Künstler die Grundbedingungen des stereoskopischen Sehens. Die Verwirrungen resultieren vor allem aus geometrischen Bildkonstruktionen mit technisch perfektionierten Linien- und Rasterstrukturen. Indem sie das Differenzierungsvermögen des Auges überfordern, bringen solche Manöver das Genre in die Nähe wissenschaftlicher Versuchsanordnungen, die die Neurophysiologie des Auges austesten.

Dass Licht und Farbe eins sind, machen spezielle Lichtquellen bewusst, indem sie die Farbe von ihren materiellen Trägern befreien. Diese Riegeler Ausstellung könnte durchaus als ein Argument dafür dienen, dass die Lichtkunst nicht nur eine logische, sondern durch den Einsatz technischer Mittel auch zeitgemäße Fortsetzung der Op-Art sei. Bei Schwarzlicht etwa fluoreszieren die magischen Lichtobjekte von Regine Schumann. Gleichzeitig vermitteln die wandfüllenden Installationen der 1961 geborenen Künstlerin eine Vorstellung von den ätherischen Qualitäten der Farbe. In einen elektronischen Schauraum für kleine Sensationen entführt Hans Kotters "Triple Tube". Der von allen Seiten einsehbare Plexiglaswürfel verrätselt den Raum zu einem optischen Hirnverzwirner aus Röhren, Spiegeln und den gepunkteten Farbspielen unendlich scheinender LED-Ketten. Zumindest eins der Lichtobjekte ist auf interaktiv geschaltet, damit die Besucher selbst Farbwechsel initiieren können.

Ob Vasarélys Affinität zur Mode der swinging sixties oder Hans Kotters Adaptionen des nächtlichen Reklame-Glamours – indem Op-Art und Lichtkunst sich rückhaltlos dem Effekt verschreiben, touchieren sie notwendig die Grenzen zur Dekoration und zum Design. Gerade daraus aber gewinnen sie ihre Intensität und ihre Präsenz.

Kunsthalle Messmer, Riegel, Großherzog-Leopold-Platz 1. Bis 28. Januar 2018, Di bis So 10–17 Uhr.