Reizvolle Abweichungen

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Mi, 04. Oktober 2017

Ausstellungen

Untrennbar eins: Die Freiburger Stiftung für konkrete Kunst Roland Phleps zeigt Holzskulpturen von CW Loth.

Nichts zu machen. Man kriegt die Teile nicht auseinander. Achsen halten sie zusammen, verhindern, dass sie sich voneinander lösen, emanzipieren. Es ist ein wenig so, als wäre dem analytischen und das heißt zerlegenden Blick eine Zwangsjacke angelegt. Am Ende sind CW Loths Holzskulpuren untrennbar eins, auch wenn sie sich aus unterschiedlichen, gegeneinander beweglichen Teilen zusammensetzen. Wie er die Skulpturen so hinkriegt, ist eine Frage für sich.

Diese Unteilbarkeit haben die Skulpturen mit dem Individuum gemein, und es wäre wohl nicht ganz falsch, die teils komplexen Objekte, die CW Loth mit der Kettensäge aus einem einzigen Block holt, als Verwandte und Allegorien des Menschen zu deuten; mindestens als Metapher von Organischem. Die Titel mancher Arbeiten des Freiburgers widersprechen nicht: Corpus und Flügel, Blick und Auszeit – oder, eine ganze Serie: Kopf. Auch Bezeichnungen wie Batiment und Tor stellen die Skulpturen in den Kontext des Menschlichen. Man weiß, dass für Künstler wie Werner Pokorny das Haus eine Bildmetapher des Menschen selbst ist. Auch einige der Skulpturen, die jetzt mit Holzschnitten und Reliefs in der Halle der Stiftung für konkrete Kunst Roland Phleps in Freiburg zu sehen sind – ein sehenswerter Querschnitt der Arbeit der letzten Jahre –, tragen Überschriften wie Tor, Batiment oder Blick. Zwei neue Holzschnitte und eine Skulptur aus weiß gefärbtem Nussbaum muten wie stilisierte Darstellungen der menschlichen Gestalt an. Während manche Reliefs an menschliche Siedlungen aus der Vogelperspektive erinnern. Erstaunlich ist die Formenvielfalt der Skulpturen. CW Loth ist kein konkreter Künstler im eigentlichen Sinn, auch wenn die Bildsprache seiner Arbeiten geometrisch und, bei allen Anklängen ans Gegenständliche und Figürliche, abstrakt ist.

Reizvoll ist aber gerade die Abweichung von strenger Geometrie und Symmetrie – wie in dem stelenartigen "White geöffnet", das in den Schnittspuren der rauen Oberfläche zudem den Arbeitsprozess präsent hält. Von besonderem Reiz ist dann eben doch die innere Freiheit und Widerspenstigkeit der schönen Volumen der Teile einer Skulptur gegenüber dem Ganzen – bei aller unlöslichen Verbundenheit mit ihm. Ein wesentliches Element der Skulpturen aber ist neben der Sinnlichkeit der äußeren Form ihr Innenleben: der freigelegte Raum mit seinen Durchblicken und Durchbrüchen, wie er von den Teilen gemeinschaftlich gebildet und umschlossen wird.

Stiftung für konkrete Kunst Roland Phleps, Pochgasse 73, Freiburg. Bis 5. November, So 11-13.30 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung: 0761/54121