"Die Waldbäume leiden"

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Do, 30. August 2018

Schliengen

Anhaltende Trockenheit setzt auch Wäldern um Schliengen und Bad Bellingen zu / Noch kein Borkenkäferbefall / Waldbrandgefahr.

BAD BELLINGEN / SCHLIENGEN. Nicht nur am Rhein verfärben sich bereits jetzt, im August, die Laubbäume oder werfen sogar ihre Blätter ab. An den Waldrändern aber auch an trockenen Standorten im Hertinger Wald, bei Liel oder Richtung Blauen ist der Herbst schon da – und das im Sommer.

"Die Waldbäume leiden unter der anhaltenden Trockenheit und Hitze. Die Reaktion auf den Trockenstress sind teilweise frühzeitiger Blattabfall und somit auch frühzeitiges Einstellen des Wachstums. Dies ist an der geringeren Jahresringbreite abzulesen", teilen Försterin Heike Wiegand und Förster Patrick Tröndle auf Anfrage der Badischen Zeitung mit. Das Forstrevier Schliengen wird von dem Försterehepaar gemeinsam geleitet. Heike Wiegand ist für den Gemeindewald Bad Bellingen, wozu auch der Hertinger Wald gehört, sowie für den Privatwald in Schliengen und Bad Bellingen zuständig. Patrick Tröndle ist für den Gemeindewald Schliengen verantwortlich.

Die Buche ist die Hauptbaumart in den Bellinger und Schliengener Wäldern. Diese Bäume werfen an den sehr trockenen Standorten auch schon die Blätter ab. Stämme, die von der Sonne stark beschienen werden, "erleiden Sonnenbrand an der Rinde und werden absterben", so Tröndlin. Denn ist die Rinde verletzt, können schädliche Organismen eindringen, und der Baum stirbt mit der Zeit ab. Diese beschädigten Bäume müssen also frühzeitig aus dem Bestand entnommen werden. Hinzu kommt, dass die Buche derzeit viele Bucheckern produziert. Die Förster nennen dies Fruktifikation. Und auch dies stresst den Baum. Eichen wiederum kommen mit Hitze besser zurecht. Sie entwickeln lange Pfahlwurzeln und sind so dafür prädestiniert, sich auch in Jahren, in denen es wenig regnet, aus tieferen Wasserschichten zu versorgen.

Ein weiterer Tiefwurzler ist die Weißtanne. Weißtannen stehen im Bürgler Wald. Der Nachteil, den Eichen und Weißtannen haben, ist "das Wasserdefizit, das noch aus dem Jahr 2017 resultiert", bemerkt Tröndle. Die Fichte wiederum ist ein Baum, der viel Wasser braucht und die Hitze schlecht verträgt. Ist der Baum durch Wassermangel geschwächt, wird er anfällig für den Borkenkäfer.

Noch gibt es keinen Borkenkäferbefall in den von Tröndle und Wiegand betreuten Wäldern, was auch daran liegt, dass – anders als etwa nach einem großen Sturmschaden – wenig Holz im Wald liegt, in dem sich der Käfer vermehren könnte. "Sauberes Wirtschaften der Forstleute, die im Wald gute, aber derzeit auch schwere Arbeit leisten, gerade wenn sie an sonnigen Hängen arbeiten müssen, und ein zügiger Holzverkauf durch die Holzverkaufsstelle Kandern haben sich hier bewährt", teilt Tröndle mit. Trotzdem beobachten die Förster die Situation. Vom Käfer und anderen Schädlingen befallene Bäume müssen kurzfristig entnommen werden. Deshalb werden die Wälder ständig kontrolliert.

Richtig übel erwischt hat es die Jungpflanzungen mit Traubeneichen, die 2017 und 2018 gesetzt wurden. Diese jungen Bäume sind zu einem hohen Anteil vertrocknet, denn eine Bewässerungssituation im Wald ist schwierig. Auch wenn es sich traurig anhöre, es sei wirtschaftlicher, diese nachzupflanzen, sagt Tröndle. Im Hertinger Wald gibt es ebenfalls eine Eichenkultur, die Trockenschäden zeigt. Sie kann aber "ausgebessert" werden.

Die geringen Niederschlagsmengen der vergangenen Wochen aufgrund vereinzelter Gewitter nutzen den Bäumen derzeit nicht viel. Doch sie reduzieren immerhin die ebenfalls beträchtliche Waldbrandgefahr, weil die oberen Deckschichten des Waldbodens durchnässt werden. "Die Waldbrandgefahr ist natürlich insgesamt groß. Feuer im Wald ist sowieso nur an offiziellen Feuerstellen erlaubt", erklärt Tröndle. An diesen offiziellen Feuerstellen sei jeder, der ein Feuer entfacht, auch verantwortlich dafür, "es im Griff zu behalten und zuverlässig zu löschen, bevor er die Stelle wieder verlässt", führt er aus. Momentan seien die Erholungssuchenden aber sehr einsichtig und verzichten auf das offene Grillfeuer im Wald.