Ein Festival fürs Alemannische

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Mo, 15. Mai 2017

Bad Bellingen

Die Mundarttage haben an drei verschiedenen Veranstaltungsorten drei Mal Erfolg – Höhepunkt im Schlosspark.

BAD BELLINGEN. Drei Veranstaltungsorte, drei Mal ein Erfolg. Den Schlosspark auf Alemannisch rocken – aber dabei die leisen Töne nicht vergessen: Die Idee, die Sonntagsprogrammpunkte der diesjährigen Mundarttage im Schlosspark abzuhalten, erwies sich als goldrichtig. Zum Auftakt am Samstag hatte die Bade- und Kurverwaltung – und hier verantwortlich Dennis Schneider aus dem Bereich Marketing, unterstützt von Siegfried Jürgens – in den Schlosskeller und nachfolgend zur Theateraufführung ins Kurhaus eingeladen.

Im Schlosskeller, vor dem übrigens ein großes Foto an die verstorbene Mundarttage-Initiatorin Cornelia Ebinger-Zöld erinnerte, machten Ulrike Derndinger aus Kürzell und Heinz Siebold aus dem kleinen Wiesental den Auftakt. Ulrike Derndinger, Redakteurin bei der Badischen Zeitung, brachte in kleine Geschichten verpackte Beobachtungen aus dem eigenen Umfeld ins Spiel. Natürlich in Mundart. Alle waren sie spannend, sowohl die Geschichte vom Kennenlernen ihrer Eltern, als auch rührend – der Verkauf des eigenen Elternhauses -– oder kritisch, wie die vom Flüchtlingshasser mit der "Herzlich willkommen" Tafel am Türeingang. Journalist Heinz Siebold besang nicht nur mit dem bekannten Lied "Asals Schimmel" Kindheitserinnerungen, sondern zudem Beobachtungen zum allgemeinen Strukturwandel. An dessen Ende steht – vielleicht – dann als Höhepunkt im Dorfleben nur noch die "Holzversteigerig".

Mit der Sprache zu spielen ist Stefan Pflaums Metier. Er schaut besonders der Schwarzwaldwerbung kritisch "uffs Mul". Von Alemannisch dort keine Spur. Da wimmelt es vor Anglizismen, ob beim Weiler Laguna "Eventbad" oder dem Badeparadies Schwarzwald beim "Splash Power Opening". Wie man nach Pflaum eine nachhaltige Streitkultur unter alemannischen Nachbarn entwickelt, sorgte für große Heiterkeit.

Rund 200 Mundart- und Theaterfans lockte es abends ins Kurhaus. Dort führte die Bamlacher Theatergruppe ihr letztjähriges sehr erfolgreiches Weihnachtstheaterstück "Wunder, Zoff und Zunder" mit erfrischend lustiger hanebüchener Handlung und viel Wortwitz auf.

Mundart-Gesang, ob rockig oder im Country-Stil, ob als Ballade oder volkstümlich gesungen kommt bei trockenem warmen Wetter als Freiluft-Veranstaltung im Schlossgarten bestens an. Über 100 Mundartfans sangen oder klatschten mit. Der neue alemannische Rock-Ohrwurm von Pocket Rock aus Rheinweiler dürfte nach der "Fleischkäsballade" und " Merci" nun "Adrenalin" werden – von Bandmitglied Thomas Schmid geschrieben und komponiert und gleich zweifach mit "Zugabe" Rufen gefordert. Die Knastbrüeder hatten ein Heimspiel: Wie Lebensmittel und Sachartikel in Hieber-Läden im "Hieberlied" ein Eigenleben à la "nachts im Supermarkt" entwickeln oder Erinnerungen an haarsträubende Motorradtouren wach werden, das ist bester Humor in Liedform. Der "Ausverkauf" des Wiesentals verbunden mit dem Bauboom und Profitmaximierung ist das kritische Song-Thema der Schopfheimer. Der "elsässische Jacques Brel", Robert Frank Jacobi, begleitet von Akkordeonistin Anita Pirman, erinnerte an das allmähliche Verschwinden des Elsässischen: und verführte die Zuhörer mit leisen Tönen und einem hintersinnigen elsässischen Humor in schönster Chansonnier- Manier.

Weitere Impressionen in einem Online-Album auf http://www.badische-zeitung.de/fotos. In der Dienstagsausgabe erscheint ein weiterer Bericht.