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14. Juni 2012

Ein Roman, entstanden aus Briefen

Helga Eberle lässt mit ihrem historisch-biographischen Roman ein Stück Bad Krozinger Geschichte lebendig werden.

  1. Mit ihrem zweiten Buch, einem historisch-biographischen Roman mit dem Titel "Feuerblumen in Arkansas", lässt Helga Eberle ein Kapitel Krozinger Geschichte wieder aufleben. Foto: Martina Faller

  2. Das Café und die Konditorei Dirr gibt es längst nicht mehr. Das Rezeptbuch von Julius Dirr aus dem Jahr 1882 indes ist noch erhalten und im Besitz der Buchautorin Helga Eberle. Foto: Martina Faller

BAD KROZINGEN. "Er hat die schönsten und besten Festtagstorten kreiert", heißt es in Helga Eberles historisch-biographischem Roman über Julius Dirr. Älteren Bad Krozingern ist das Café und die Konditorei Dirr sicherlich noch ein Begriff. Es stand in der damaligen Hauptstraße, Ecke Grabenstraße. Das Rezeptbuch ist zusammen mit einer Schachtel alter Briefe in den Besitz von Helga Eberle übergegangen, die daraus ein lesenswertes Buch gemacht hat. In ihm lässt sie die Familie Dirr und damit ein Stück Bad Krozinger Geschichte wieder lebendig werden.

Der Karton mit Briefen von Julius Dirrs Mutter Katharina waren schon für den Sperrmüll bereitgestellt, als sie Helga Eberle in die Hände fielen. Klothilde, eine der Dirr-Töchter, war ihre Schwiegermutter, der sie auch nach dem Scheitern der Ehe mit deren Sohn verbunden blieb. Als nach Klothildes Tod das Haus in der Grabenstraße verkauft und abgerissen werden soll, durfte Helga Eberle sich einige Erinnerungsstücke aussuchen, darunter das Rezeptbuch von Julius Dirr sowie einen Schrank und die Briefe von Katharina Biechele, seiner Mutter. Über 30 Jahre lang lagen die Briefe unberührt bei Helga Eberle.

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"Das Schreiben war mir

schon immer eine Lust."

Helga Eberle
"Ich wollte sie für meine Kinder aufheben und sicherstellen, dass sie nicht verloren gehen", berichtet die 78-jährige Autorin. Dann kam es doch anders. "Das Schreiben war mir schon immer eine Lust", erzählt sie. Schon als Kind habe sie Gedichte geschrieben, später auch journalistische Berichte über die Bosnien-Hilfe, für die sie sich ehrenamtlich engagierte. Erst mit dem Seniorenstudium an der Pädagogischen Hochschule und dem Besuch von Seminaren zu den Themen Journalistik und biographisches Schreiben wagt sie sich an größere Texte. 2009 erscheint ihr erstes Buch "Zwischen zwei Welten", ebenfalls ein historisch-biographische Erzählung, gleichzeitig beginnt sie ein Zusatzstudium zur Schreibberaterin. "Das war ganz schön anstrengend und zeitintensiv", erinnert sich die Seniorenstudentin. Als sie jedoch das Zusatzzertifikat in den Händen hielt, war die Zeit und die Lust zu schreiben wieder da. "Ich wollte was Neues machen und da fielen mir die Briefe der Katharina wieder ein", schildert Helga Eberle.

Katharina Biechele, Mutter von Julius und verwitwete Dirr, hatte in zweiter Ehe den großherzoglichen Notar Ludwig Biechele geheiratet und war so nach Endingen gekommen. Von dort aus schrieb sie Briefe an ihren Sohn Julius nach Krozingen, der die Tochter des Rössle-Wirts und junge Witwe des Zuckerbäckers Mutterer geheiratet und mit ihr die Konditorei und das Café Dirr gegründet hat. "Zu meinem Glück habe ich in der Schule noch Sütterlin-Schrift gelernt", meint Helga Eberle, "so konnte ich die Briefe entziffern".

Über die Absenderin der Briefe kam Helga Eberle zur Recherche nach Endingen und stieß hier auf die Geschichte der Anna Schnidenwind, geborene Trutt, die im Jahr 1751 in Endingen als Hexe (als eine der letzten Frauen in Deutschland) zum Tode verurteilt und verbrannt wurde. Mit ihrer Geschichte und den tiefen Eindruck, den sie bei der jungen Katharina hinterlässt, beginnt ihr Buch. "Ich wollte etwas von mir reinbringen", räumt Helga Eberle ein. Und das ist in erster Linie die Frage, "Wie können Menschen nur so sein?", dass sie wie im Fall der Anna Schnidenwind eine Unschuldige auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

"Hört das denn nie auf?", fragt Helga Eberle. Deshalb lässt sie Katharina Biechele als alte Frau auf den Galgenberg steigen und dort wo, vor über 250 Jahren Anna Schnidenwind im Feuer starb, mit den Worten "Anna, ich habe dir versprochen, du darfst nicht vergessen werden", Feuerblumen verstreuen. Der im Volksmund als Feuerblume bezeichnete Klatschmohn tritt noch an mancher Stelle des Buches in Erscheinung. Wild wuchert er auf Katharinas Grab und ob er auch in Arkansas blüht, wohin Katharinas Bruder ausgewandert ist, fragt schon der Titel.

Das größte Interesse der Autorin gilt jedoch den starken Frauen der Familie. Und derer gibt es nicht wenige. Neben Katharina, die schon 22-jährig zur Witwe wird und in ihrer zweiten Ehe mit dem Notar Biechele drei Kinder früh verliert, gibt es die Kräuterfrau Ela und die drei Dirr-Töchter Elisabeth, Paula und Klothilde. Alle drei arbeiten von Jugend an im Café mit. Klothilde heiratet mit Karl-Friedrich Eberle einen angesehenen Freiburger Heilpraktiker, Elisabeth übernimmt zusammen mit ihrem Mann, dem Patissier Johann Schmitt, Café und Konditorei, während Paula am Freiburger Musik-Konservatorium Klavier studiert.

Unter mysteriösen Umständen kommt Paula im Alter von 39 Jahren durch einen Sturz aus dem Fenster ums Leben. "Über den Tod von Paula war nichts herauszubekommen", berichtet Helga Eberle, "es gab weder Polizeiprotokolle noch Einträge auf der Sterbeurkunde, nichts." Etwas Reißerisches erfinden oder über Paulas Tod hinzu fabulieren wollte sie jedoch nicht. "Das konnte ich Paula nicht antun". Ohnedies ist in ihrem Buch "alles authentisch". Nur die Figur der Kräuterfrau Ela hat Helga Eberle erfunden. "Die habe ich gebraucht." Ansonsten aber, so die Autorin, sei das Buch in den Briefen gleichsam schon da gewesen und musste nur noch aufgeschrieben werden.

ZUR PERSON

Helga Eberle wurde 1934 in Freiburg geboren. Sie arbeite 24 Jahre als Verwaltungsangestellte an der Uniklinik Freiburg und hat als alleinerziehende Mutter für drei Kinder gesorgt. 1978 bezog sie mit ihren Kindern ein Eigenheim im Ortsteil Hausen. Seit 2007 besucht sie an der PH Freiburg im Seniorenstudium Seminare zu den Themen Journalistik und Biografisches Schreiben. 2009 erwarb sie im Zusatzstudium ein Zertifikat als Schreibberaterin. Ihr erstes Buch "Leben zwischen zwei Welten" erschien 2009 im Novum Verlag, weiter Kurzgeschichte hat sie im Internet bei e-stories veröffentlicht. Derzeit leitet sie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Seniorenstudium eine Arbeitsgemeinschaft zum Thema Ken Follett und schreibt an ihrem dritten Buch. Das Buch "Feuerblumen in Arkansas?" ist im Redi-Roma-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. ISBN: 978-3-86870-438-9  

Autor: mfa

Autor: Martina Faller