Feste Bezugspersonen sind wichtig

Dorothee Möller-Barbian

Von Dorothee Möller-Barbian

Sa, 07. September 2013

Bad Krozingen

Wie steht’s um die Kleinkindbetreuung? Hermann Kues, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, besucht die Kita in Biengen.

BAD KROZINGEN-BIENGEN. In Wahlkampfzeiten kann es vorkommen, dass die Kita eines Dorfes von einem hochrangigen Politiker aus der Regierungshauptstadt besucht wird. So geschehen am Mittwoch im städtischen Kindergarten von Biengen. Begleitet wurde Hermann Kues, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, vom Bundestagsabgeordneten Armin Schuster und dem Landtagsabgeordneten Patrick Rapp (beide CDU) sowie von Bürgermeister Ekkehart Meroth, Leodegar Wick, der Ortsvorsteher Edgar Fader vertrat und Florian Biggel (städtische Abteilung Jugend und Soziales).

Da seit dem 1. August alle Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder im Alter von einem bis zur Vollendung des dritten Jahres haben, wollte sich Kues auch in Bad Krozingen ein Bild von der Kleinkindbetreuung machen und zeigte sich nach einer Führung durch Kindergartenleiter Michael Wagner beeindruckt von der Vorzeigeeinrichtung. Mit ihren großzügigen Räumlichkeiten und offenen Bereichen wurde sie 2009 eingeweiht. Sie bietet 92 Plätze an, 22 davon für Kinder unter drei Jahren. In fünf der elf Bad Krozinger Kindergärten unterschiedlicher Träger werden Kleinkinder aufgenommen, allerdings nicht überall wie in Biengen schon mit einem Jahr. Mancherorts müssen sie eineinhalb oder zwei Jahre alt sein.

In einer Umfrage von 2011 gaben 39 Prozent der Eltern an, ihr Kind in die Frühbetreuung geben zu wollen. Die Bundesregierung strebt eine Betreuungsquote von 35 Prozent an. In der Bäderstadt hat man mit rund 100 Plätzen bisher 24 Prozent erreicht. Die Zahl wird sich in absehbarer Zeit durch die Schaffung neuer Kleinkindgruppen in den bestehenden Einrichtungen und insbesondere durch den Bau eines weiteren Kindergartens im neuen Wohngebiet Kurgarten erhöhen.

Während der Bürgermeister angesichts der von den Eltern zu tragenden Kosten (der Platz für ein Kleinkind, das von 7.30 bis 14 Uhr betreut wird, kostet inklusive Verpflegung monatlich 300 Euro) die Ansicht vertrat, die Betreuung müsste, da von vielen Eltern gar nicht bezahlbar, kostenlos sein, hielt Armin Schuster dieser Forderung den Einwand "zu anspruchsvoll" entgegen. Um dann auf die Summe von 5,4 Milliarden Euro zu verweisen, welche die Bundesregierung in den Rechtsanspruch auf frühkindliche Betreuung investiere. Aufgabe sei es, Müttern und Vätern die Chance zu geben, Kinder zu haben und beruflich erfolgreich zu sein. Meroth beklagte die niedrige Geburtenrate in Deutschland und plädierte für "eine vernünftige Einwanderung". Neben dem Problem der Bezahlbarkeit der Kitaplätze für die Eltern drücke der Schuh auch bei den Betreuungszeiten. Besonders was die Situation der Mitarbeiter in den Kliniken mit ihrem 24-Stundenbetrieb angehe.

Kindergartenleiter Michael Wagner zeigte die Schwierigkeiten bei der Flexibilisierung der Öffnungszeiten auf. Vorrang habe, was für die Kinder gut sei. Trotz der Beschäftigung vieler Teilzeitkräfte in den Kitas müsse besonders für Kleinkinder Kontinuität geschaffen werden. Nichts sei wichtiger für sie als feste Bezugspersonen. Michael Wagner machte mit Blick auf die angespannte Personalsituation zudem auf den hohen Aufwand bei der Erstellung der Dienstpläne aufmerksam. Außerdem möchte der Erzieher Kitas als Bildungseinrichtungen mit entsprechend ausgebildetem Personal eingestuft sehen.

Staatssekretär Kues forderte, auch Unternehmen sollten sich Gedanken über familienfreundliche Angebote machen und etwa Betriebskindergärten einrichten. Vor allem im ländlichen Raum schwierig zu findende Fachkräfte, so Patrick Rapp, richteten sich bei der Wahl eines Arbeitsplatzes nach Angeboten, die das Familienleben berücksichtigten.