Feuerwerk aus Klängen und Rhythmen

Martina Faller

Von Martina Faller

Do, 21. April 2016

Bad Krozingen

Tolles Freundschaftskonzert des Sinfonischen Verbandsblasorchesters Markgräflerland mit der Brass Band Imperial Lenzburg.

BAD KROZINGEN-HAUSEN. Blasmusik hat viele Facetten. Das wurde beim Freundschaftskonzert des Sinfonischen Verbandsblasorchesters Markgräflerland (VBO) mit der Brass Band Imperial Lenzburg in der Möhlinhalle in Hausen deutlich: Hier der an Nuancen reiche Klang eines sinfonischen Blasorchesters, dort der kraftvoll-satte, homogene Blechbläsersound. In Sachen Virtuosität aber stehen sich das Blasorchester und die Brass Band in nichts nach.

Das Publikum ließ sich bereitwillig von beiden Ensembles begeistern. In ihrer Zielsetzung sind sich die Brass Band Imperial Lenzburg aus der Schweiz und das VBO einig: Beide wurden aus der Intention heraus gegründet, ambitionierten Amateurmusikern die Möglichkeit zu geben, anspruchsvolle Literatur zu spielen und unter professioneller Leitung auf hohem Niveau zu musizieren.

Dass das VBO diesem Anspruch genauso gerecht wird, wie sein eigenes Orchester, davon konnte sich Rafael Camartin im Dirigentenworkshop in der BDB-Musikakademie in Staufen, für den das VBO als Lehrgangsorchester fungiert, schon mehrfach überzeugen. Doch während sinfonische Blasmusik in hiesigen Gefilden längst weit verbreitet ist und immer mehr Musikvereine Kompositionen dieses Genres in ihr Repertoire aufnehmen, ist die Brass Band in Deutschland nur wenig bekannt.

So mancher Konzertbesucher hätte wohl eher in den hinteren Reihen einen Platz genommen, hätte er gewusst, welche Lautstärke und welchen Klang eine Brass Band entwickeln kann. Und der Klang ist in der Tat besonders. Werden doch die Stimmen, die im sinfonischen Blasorchester von Holzbläsern gespielt werden, von Flügelhornisten und Kornettisten intoniert, die mit geradezu sportlichem Ehrgeiz an ihre Aufgabe herangehen: Da fliegen in schier unglaublicher Geschwindigkeit Finger über die Ventile, werden Lippentriller und Töne produziert, die sich in immer höhere Sphären schrauben, zeigen virtuose Register und exzellente Solisten ihr beeindruckendes Können.

Und so spielten die 35 jungen Musiker unter der Leitung von Rafael Camartin das Publikum schon mit dem ersten Stück, einem atemberaubenden Feuerwerk aus Klängen und Rhythmen, förmlich an die Wand. Dass sie nicht nur laut, hoch und schnell können, sondern auch mythisch-geheimnisvolle Klänge im Repertoire haben und mit blitzsauberer Intonation gekonnt anrührend-stimmungsvolle Melodien in Szene setzen können, stellten die Musiker aus der Schweiz mit Morten Lauridsens "Magnum Misterium" und der Bearbeitung des rätoromanischen Liedes "La sera sper il lag" eindrücklich unter Beweis. Mit ihrem letzten Stück, "Fanfare and Funk" von Oliver Waespi, zog die Brass Band Imperial Lenzburg noch einmal alle Register und vereinigte virtuos festliche Fanfarenklänge mit bluesigen Passagen und fetzigen Grooves in James-Brown-Manier.

Erst nach zwei vehement geforderten Zugaben, darunter der brillante und schmissige Englische Brass-Band-Marsch "The Cross of Honour", machten sie die Bühne für die Freunde vom VBO frei. Vor dem Hintergrund der schmetternden Flügelhörner und wummernden Bässe des Marsches hätte der Kontrast zum ersten Stück des VBO nicht größer sein können. Bewusst hatte Helmut Hubov mit der "Overture for Woodwinds" von Philip Sparke ein Werk an den Anfang gestellt, das die Klangvielfalt des Holzbläserorchesters zur Geltung bringt: Nach einem kraftvollen Unisono-Auftakt stellt es die unterschiedlichen Register des Holzbläserorchesters gleichsam vor. In schnellen Figuren und perlenden Läufen werden mal die Flöten und Klarinetten, dann in einer legato Melodie und choralartigen Passagen die Saxophone hervorgehoben, um in einem bezaubernd klagenden Solo die Oboe zu exponieren. Zu einem großen Spaß für Publikum und Musiker wurde die "Grand Serenade for an Awful Lot of Winds and Percussion" von Peter Schickele. Das parodistische Werk, das die Musiker augenzwinkernd aber gekonnt in Szene setzten, brachte vom Vogelgezwitscher über sich raufende Schlagzeuger bis zum Katzenjammer-Walzer zahllose witzige Einfälle auf die Bühne, bevor mit dem Red Cape Tango von Michael Daugherty der musikalische Ernst wieder auf der Bühne Einzug hielt.

Den fulminanten Schlusspunkt markierte die Candide Suite von Leonard Bernstein. In fünf knackigen Sätzen breitet sie eine enorm vielfältige und ideenreiche Musik aus mit Anklänge an Tangos, Mazurkas, Walzer und schmissige Gassenhauer.