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07. Mai 2010 16:23 Uhr

Risse in der Altstadt – Kreistagsfraktion zu Besuch

Freie Wähler bekunden Solidarität mit Staufen

Die Kreistagsfraktion der Freien Wähler informierte sich bei Bürgermeister Benitz über das Ausmaß der Gebäudeschäden nach den missglückten geothermischen Bohrungen in der Staufener Altstadt.

  1. Bürgermeister Benitz (rechts) erklärt den Kollegen der FW-Kreistagsfraktion das Schadensbild in der Staufener Altstadt. Foto: Markus Donner

  2. Die FW-Kreistagsfraktion im Staufener Rathaus. Foto: Markus Donner

  3. Fraktionschef Franz-Josef Winterhalter Foto: Markus Donner

  4. Risse, wohin das Auge reicht Foto: Markus Donner

  5. Auch die Brandmauer im Rathaus hat sich verschoben. Foto: Markus Donner

STAUFEN. Die Risskatastrophe hat den Nerv der Staufener Altstadt getroffen. Aber das Leben in der Stadt muss trotzdem irgendwie weitergehen. Wenn draußen der Eindruck entstünde, die Welt wäre hier auseinander gebrochen, dann setze kein Tourist mehr seinen Fuß in die Fauststadt. Bürgermeister Benitz möchte angesichts der Katastrophe keinen Imageschaden und übt sich diesbezüglich in Schadensbegrenzung. Heute hatte er seine Kreistagskollegen von den Freien Wählern zu Gast.

Noch immer gibt es Hebungen in Staufen. Lediglich deren Geschwindigkeit ist um rund 13 Prozent gedrosselt. Mit der Abdichtung der sieben Sonden hinter dem Rathaus und dem Abpumpen des Grundwassers habe sich das Problem längst nicht in Luft aufgelöst, wie zum Teil in der Öffentlichkeit geglaubt werde. Der quellfähige Block tief in der Erde drückt weiter seitlich in nordöstliche Richtung. Kaum ein Haus in der Altstadt, das keine Schäden aufweist.

Wie es nun weitergehen soll in Staufen, darauf hat auch Bürgermeister Benitz keine hinreichende Antwort. Ihm ist es aber wichtig, dass die Öffentlichkeit an der Staufener Katastrophe nicht ihr Interesse verliert. Gestern die Vulkanwolke über Island, heute die Ölpest im Golf von Mexiko – da rücke Staufen mit seinen Problemen ganz schnell aus den Schlagzeilen. Gleichgültigkeit wäre jetzt fatal für die Stadt. Deshalb ist Benitz dankbar, wenn er sich auf politischer Ebene Gehör verschaffe. "Die Politik muss weiter sensibilisiert werden, die Geschädigten verlieren sonst die Nerven," sagt der Bürgermeister. Günter Oettinger hat sich die Risse in Staufen angesehen. Der ist jetzt in Brüssel und sein Nachfolger, Stefan Mappus, habe offenbar wichtigeres zu tun und schicke erst einmal seinen Staatsminister nach Staufen. Vier Millionen Euro aus dem Doppelhaushalt des Landes sind nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Davon seien gerade mal 1,1 Millionen ausbezahlt worden, bei einem errechneten Gesamtschaden in der Altstadt zwischen 40 und 50 Millionen Euro. Die Stadt fühlt sich im Stich gelassen. "Wir stehen finanziell und arbeitstechnisch an der Wand," beklagt der Bürgermeister. Eine Schlichtungsstelle soll installiert werden, damit nicht erst langwierige Gerichtsentscheidungen abgewartet werden müssen. Doch die braucht Geld, um handlungsfähig zu sein. Mehrere Millionen auf einem Treuhandkonto – "drunter geht’s nicht". Um den zeitlichen Druck herauszunehmen, habe die Stadt den Verzicht auf die Verjährungseinrede erklärt. Dasselbe erwarte sie vom Land, von dem es bisher nur eine mündliche Zusage gebe. Benitz berichtet seinen Kreistagskollegen von der Stiftung zum Erhalt der denkmalgeschützten Altstadt. Die brauche nun ein Kuratorium von hochkarätigen Persönlichkeiten, "die der Stiftung bundesweit ein Gesicht geben". Wirtschaftsmanager Klaus Mangold aus Münstertal wolle sich für die Sache verwenden. Dass sei kein leichtes Unterfangen, denn die Spendenbereitschaft etwa für Haiti sei ungleich größer, weil dort auch Menschenopfer zu beklagen sind.

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Franz-Josef Winterhalter, FW-Kreistagsfraktionsvorsitzender und Bürgermeister von Oberried, muss nicht erst von der Not der Staufener überzeugt werden. Er bekundete nach der Besichtigung der Schäden in der Altstadt auch namens seiner Kollegen uneingeschränkte Solidarität, die er mit einem symbolischen Beitrag von 1000 Euro aus der Fraktionskasse zusätzlich unterstrich.

Autor: Markus Donner