Infoveranstaltung zur Rheintalbahn verläuft harmonisch

Nikola Vogt

Von Nikola Vogt

Do, 12. Mai 2016

Bad Krozingen

Infoveranstaltung zur Rheintalbahn in Bad Krozingen verläuft harmonisch / Landwirte wollen sich schneller in Planung einbringen.

BAD KROZINGEN. "Früher haben wir uns heftig gestritten, heute sind wir gut aufeinander zugekommen." Mit diesen Worten fasste ein Bürger am Dienstagabend in Schlatt das Verhältnis zwischen Bahn und Anwohnern zusammen. Und so verlief die Infoveranstaltung zum Ausbau der Rheintalbahn im Abschnitt Bad Krozingen entsprechend harmonisch und ohne große Reibungen. Die Bürger erhielten einen detaillierten Einblick in die Pläne der Bahn und Zeit für Fragen und Kritik.

Die gut besuchte, aber nicht voll besetzte Veranstaltung in der Quellenhalle war Teil der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung am Ausbau der Rheintalbahn in Bad Krozingen. Hier sollten Bürger noch einmal die Chance für Fragen, Anregungen und Kritik erhalten. Die Bahn ließ sich dabei nicht lumpen: Fünf Experten saßen auf dem Podium, präsentierten Grafiken und eine Animation davon, wie die Güterzüge einmal den Südlichen Breisgau durchqueren sollen. An einem Infostand konnten die Bürger mit Kopfhörern den Lärmschutz der Bahn testen, gegenüber stand nebst Broschüren ein großer Briefkasten für schriftliche Anregungen parat.

SCHALLSCHUTZ
Die vier Kilometer lange Strecke der Rheintalbahn, um die es an diesem Abend ging, beginnt im Norden an der Grenze zwischen Schallstadt und Bad Krozingen und endet im Süden auf Höhe Schlatts. Sie verläuft durchgängig in Tieflage und unterquert Straßen, Wege und Wasserläufe. "Die Strecke wird somit kaum zu sehen und auch kaum zu hören sein", versprach Projektabschnittsleiter Nils Johannsen. Planer Martin Kastner erläuterte, dass die Bahn zusätzlich zur Tieflage schallabsorbierende Trogwände erhalten wird. "Durch die Tieflage werden die Grenzwerte für den Schallschutz bereits unmittelbar neben der Strecke eingehalten", sagte er. Die Werte lägen – auch nachts – weit unter den gesetzlichen Vorgaben.

BAUVARIANTEN
Schaut man sich den vier Kilometer langen Streckenabschnitt im Querschnitt an, so fallen drei unterschiedliche Bauvarianten ins Auge. Im nördlichen Bereich gibt es die Troglage. Hier wird die etwa elf Meter breite Trasse rechtwinklig einbetoniert (Bild oben rechts). Dies sei notwendig, weil man sich im Bereich des Grundwassers bewege. Eine Seite des Troges wird mit der schallabsorbierenden Wand ausgekleidet. Die zweite Bauvariante findet sich unterhalb der zwei eingeplanten Landschaftsbrücken. Diese überführen zum einen Neumagen und Möhlin sowie L 120 und an anderer Stelle Raus- und Bachgraben und zwei Wirtschaftswege. Im Querschnitt sieht der Streckenverlauf an diesen Punkten wie ein Tunnel aus. Die dritte Bauvariante befindet sich im südlichen Bereich bei Schlatt und Feldkirch. Dort liegt die Trasse nicht mehr im Grundwasserbereich, weshalb ein Betontrog nicht mehr von Nöten ist. Stattdessen gibt es eine Steilböschung (linkes Bild). Auf dem gesamten Abschnitt wird sich alle eintausend Meter ein Notausgang befinden. Ein Wirtschaftsweg flankiert die Trasse genauso wie Absturzsicherungen am oberen Rand.

VERKEHR UND QUERUNGEN
Ein weiteres Thema der Infoveranstaltung waren die Bauarbeiten an der Trasse und der damit einhergehende Lkw-Verkehr. Wie Planer Kastner erläuterte, wird dafür grundsätzlich das öffentliche Straßennetz genutzt werden. Ortsdurchfahrten sollen aufgrund des Lärmschutzes vermieden werden. Viele Lastwagen werden sich wohl auf der L 120 und der Kreisstraße Richtung A 5 bewegen. Genauere Planungen zum Baustellenverkehr werde es aber erst geben können, wenn feststehe, wohin genau die ausgehobenen Erdmassen verfrachtet werden sollen. Ein Thema, das offensichtlich viele Landwirte im Publikum umtreibt, war die Frage, wie die Trasse überquert werden kann. Hierfür wird es laut Bahn-Präsentation auf den vier Kilometern insgesamt sechs Möglichkeiten geben (siehe blaue Pfeile in der Grafik). Der größte Abstand zwischen zwei Querungsmöglichkeiten befindet sich zwischen den zwei geplanten Landschaftsbrücken und beträgt gut einen Kilometer. Weiterhin queren nicht nur Flüsse, Straßen und Wege die Trasse, sondern auch Beregnungsnetze. Die landschaftlichen Belange sollen laut Bahn parallel zum Planfeststellungsverfahren abgestimmt werden. Ein Punkt, auf den in der anschließenden Diskussion noch genauer eingegangen wurde.

DISKUSSION
Viele Bürger nutzen die Gelegenheit, um sich bei der Bahn für das transparente Vorgehen zu bedanken. "Sie verwirklichen nun das, was die Menschen in Südbaden brauchen", lobte ein Zuhörer. Er schob die Frage hinterher, ob die bei den Bauarbeiten ausgehobenen Erdmassen an der Trasse abgelagert würden. Kastner erklärte, dass man dafür "erheblichen Raumbedarf auf landwirtschaftlichen Flächen an der Trasse" benötigen werde. Teile der Erdmassen werde man wiederverwerten können, andere könnten veräußert, wieder andere müssten entsorgt werden. Das alles müsse noch genau untersucht werden. Ein weiterer Bürger hakte nach, um wie viel Erdmasse es sich denn genau handle. "Es werden Millionen Kubikmeter zu transportieren sein", so Kastner.

Landwirte und Vertreter des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) interessierten sich vor allem für die Gewährleistung der Bewässerung ihrer Flächen während der Bauarbeiten und die Wiederherstellung des Feldwegenetzes. "Wenn an einem Verkehrsweg gerade gebaut werden wird, werden die benachbarten Wege frei sein", versicherte Kastner. Die L 120 werde ohne Sperrzeit provisorisch verlegt. Die Grundstückseigentümer insistierten, dass schnellstmöglich ein Arbeitskreis Landwirtschaft eingerichtet werden müsse, um all diese Themen abstimmen zu können. Gleiches fordert die Bürgerinitiative MUT in einer Stellungnahme. Darin fordert sie auch, dass die Flurneuordnung vor Baubeginn klar sein müsse, "um die effiziente Bewirtschaftung kleinteiliger Strukturen im Streubesitz sicherzustellen". Ein Mitglied des Abwasserzweckverbandes Staufener Bucht bat ebenfalls darum, den Verband frühzeitig in die Planung einzubinden. "Durch eine unserer Leitungen dort fließt das Abwasser von 22 500 Menschen", betonte er die Wichtigkeit der Absprache. "Das gehen wir gemeinschaftlich an", versicherte Johannsen.

Bürgermeister Volker Kieber sprach das Thema Hochwasserschutz an. Er erinnerte, dass Biengen und Hausen im HQ-100-Bereich liegen und erkundigte sich, ob bereits Baumaßnahmen an den Gewässern eingeplant seien und feststehe, wer die Kosten hierfür übernehme. "Dazu können wir noch keine Wasserstandsmeldung abgeben", entgegnete Johannsen – auch, weil die Finanzierungsfrage noch offen sei. Kieber bat weiterhin darum, bereits bestehende sowie geplante Radwege über die Trasse zu führen.

MUT-Vorsitzender Roland Diehl sagte, mit der heutigen Planung "kann man leben". Auf die Probleme mit der Landwirtschaft müsse allerdings eingegangen werden. Sein Stellvertreter Gerhard Kaiser bedankte sich bei der Bahn. "Das sind die Vorstellungen unserer Region", sagte er. "In zehn Jahren müssen wir überprüfen, was sie uns heute erzählt haben."