Menschen in die Gesellschaft holen

Victor Adolf

Von Victor Adolf

Do, 03. Mai 2018

Bad Krozingen

Bürgerwanderung in Bad Krozingen zur Pflege psychisch Erkrankter.

BAD KROZINGEN. Mehr Akzeptanz, weniger Ängste: Unter dem Motto "Bad Krozingen macht sich auf den Weg – Für mehr Inklusion und Toleranz" stand am vergangenen Freitag die Bad Krozinger Bürgerwanderung. Angeführt von Bürgermeister Volker Kieber besuchten die rund 25 Teilnehmer, die aus Bürgern, politischen Vertretern und Mitgliedern des Arbeitskreises Pflege und psychische Erkrankung bestanden, mehrere Einrichtungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dabei erhielten sie Einblicke in die alltägliche Arbeit der Pfleger.

Ziel der Wanderung, die von der Stadt Bad Krozingen und dem Arbeitskreis Pflege und psychische Erkrankung veranstaltet wurde, war es laut Bürgermeister Kieber, "mehr Akzeptanz für Menschen mit nichtalltäglichen Krankheitsbildern" zu schaffen. Zudem bestünden bei vielen "Berührungsängste gegenüber Menschen, die sich etwas anders verhalten". Auch deshalb wolle man im Rahmen der Veranstaltung "mit Betroffenen in den Kliniken ins Gespräch kommen", erklärte er zum Start des Rundgangs auf dem Rathausplatz.

Bei der ersten Station, dem Median-Haus St. Georg in der Hofstraße, wo man sich um Menschen mit chronisch psychischen Krankheiten kümmert, erfuhren die Teilnehmer durch einen kurzen Vortrag mehr über Krankheitsbilder der Betroffenen und Aufgabenfelder des Personals. Anschließend blieb Zeit für Gespräche mit Verantwortlichen und Pflegern.

Bei der zweiten Einrichtung, dem Gemeindepsychiatrischen Zentrum in der Belchenstraße, wurden die Wanderer von Dietmar Ritzenthaler, Vorstand des Caritasverbands für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, mit einer Neuigkeit begrüßt: Im Oktober könne man endlich mit dem barrierefreien Neubau einer Tagesstätte am Bad Krozinger Alamannenfeld beginnen. Dieser scheint auf den ersten Blick auch nötig, denn die engen Treppen beim jetzigen Objekt erschweren gerade mobil eingeschränkten Menschen den Zugang zur Tagesstätte, in der psychisch Erkrankte Unterstützung bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben oder ihrer Wochengestaltung bekommen, auf erhebliche Weise. Zudem sollen im Neubau einige Beratungsbüros entstehen, auch ein Autismustherapiezentrum sei in Planung.

Der Reha-Laden in der Basler Straße bildete den nächsten Anlaufpunkt der Wanderung. In dem kleinen Geschäft können unter anderem Spielwaren aus Holz erworben werden, die zum Großteil in Werkstätten gefertigt wurden, in denen Menschen mit psychischen Erkrankungen arbeiten. Bekanntestes Produkt der Reha-Werkstätten dürfte das "Freiburger Bächleboot" sein, welches sowohl als Kinderspielzeug, aber auch als Touristensouvenir hoch im Kurs steht.

Bei der Sozialstation Südlicher Breisgau und dem Pflegestützpunkt in der Nähe des Bahnhofs erfuhren die Teilnehmer, dass man sich dort etwa um die Pflege von alten und kranken Menschen sowie um die Betreuung von demenzkranken Patienten kümmert. Nachdem es sich die Wandergruppe in der Gartenanlage auf Bierbänken gemütlich gemacht hatte, war es für die Anwesenden an der Zeit, selbst aktiv zu werden und einen themenbezogenen Fragebogen auszufüllen. Dieser befasste sich mit den inhaltlichen Schwerpunkten der beiden Einrichtungen. Nach der gemeinsamen Auswertung der Fragen erläuterten einige Mitarbeiter der Sozialstation ihre tägliche Arbeit näher. Dazu hatten sie sich einige Rollenspiele überlegt, die – auf Alemannisch vorgetragen – zu so manchem Lacher bei ihren Besuchern führten und.

Gut gelaunt ging es dann in die nur wenige Meter entfernte psychiatrische Tagesklinik, die seit Januar 2017 im Betrieb und eine von vier Tageskliniken des Zentrums für Psychiatrie in Emmendingen ist. Menschen mit psychischen Erkrankungen ab 18 Jahren werden hier von 8 bis 16.30 Uhr betreut, müssen jedoch die Fähigkeit besitzen, selbständig an- und abzureisen. Daher können zum Beispiel intensiv pflegebedürftige oder suchterkrankte Patienten nicht in der psychiatrischen Tagesklinik behandelt werden. Auch hier konnten sich die Interessierten bei einer Führung durch das Haus einen eigenen Eindruck von den Verhältnissen vor Ort machen.

Kieber sieht die Arbeit der Einrichtungen auf gutem Weg

Bei schönstem Frühlingswetter fiel den Teilnehmern die letzte, aber längste Etappe durch den Kurpark zum Pflegeheim Sinnighofen leicht. Daniel Saile, verantwortliche Pflegekraft der Einrichtung, informierte die Anwesenden über die Wohnverhältnisse im Haus, in dem psychisch erkrankte Menschen leben, die eine dauerhafte Betreuung benötigen. Zuletzt war in der Gemeinderatssitzung in Bad Krozingen die Rede davon gewesen, dass die Einrichtung Ende des Jahres schließen würde. Dabei war jedoch von einem falschen Kenntnisstand ausgegangen worden. Tatsächlich läuft der Vertrag mit dem Pflegeheim-Betreiber Aczepta Haus Sinnighofen nicht Ende 2018 aus.

Bürgermeister Kieber zeigte sich im Anschluss an den umfangreichen Rundgang "sehr zufrieden mit der zahlreichen Teilnahme". Er war, durch die "tiefen Einblicke in die Einrichtungen, überaus angetan von der vielfältigen Arbeit" und unterstrich, wie froh er darüber sei, dass das Netzwerk zwischen den Einrichtungen so gut funktioniere.