Mit Blick auf das Gestern, Heute und Morgen

Sabine Model

Von Sabine Model

Fr, 22. Mai 2015

Bad Krozingen

Die Sozialstation Südlicher Breisgau feiert in Bad Krozingen ihr 40-jähriges Bestehen / Feier mit Gästen aus Politik und Pflege, die nicht mit Lob sparten.

BAD KROZINGEN. Den 40. Geburtstag kann man nicht einfach so hinter sich bringen. Schon gar nicht als expandierendes ambulantes Pflege- und Beratungszentrum. Deshalb setzte die Sozialstation Südlicher Breisgau bei ihrer 40. Mitgliederversammlung auf das Credo "Wohlfühlen im Albaneum – mit uns". Die zahlreichen Jubiläumsgäste aus Politik und Pflege erlebten eine Jubelfeier mit Aperitif und Abstimmungen, Buffet und Bildern, Informationen und Improvisations-Theater sowie Dialogen zu Gestern, Heute und Morgen.

Sozialstation im Wandel
Als Pflegeroboter nahm Schauspieler Rainer Mannich am Eingang Wünsche und Sorgen zur Pflegevision 2055 entgegen. Dekan Gerhard Disch, seit 2008 Vorsitzender, erinnerte sich indes 40 Jahre zurück, als freie und Ordens-Krankenschwestern einzeln in den Gemeinden Dienst taten. Dann gründeten die Pfarrer eine gemeinsame Sozialstation und nahmen neben den kirchlichen, auch die politischen Gemeinden als Träger mit ins Boot. Was sich verändert hat, beantwortete Disch Moderator Rainer Mannich. Der Vorstand kontrolliere die Geschäftsführung und kooperiere mit ihr. Die Finanzen seien hervorragend aufgestellt. Der veränderte Umgangsstil tue allen gut. Das Personal könne durch Arbeitszeitkonten Auszeiten nehmen. Das 16 Jahre alte Gebäude werde 2015 zukunftsfähig renoviert. Die Kampagne "Sozialstation hat Wert" kämpfe für angemessene Bezahlung der Mitarbeiter. Im "Alten Spital" in Staufen lasse man mit künftig 17 Tagespflegeplätzen alte Traditionen aufleben.

Pflege heute und früher
Obwohl eigentlich in Mutterschaft, schilderte Pflegedienstleiterin Danijela Kondza die Lage. Um Beruf und Familie zu vereinbaren, wurden neue Arbeitszeitmodelle entwickelt. Die Nachfrage sei 2014 insgesamt, vor allem bei den Hausbesuchen, angestiegen. Allein die 85 Pflegeeinsätze täglich lasten die vier Teams gut aus. Bei vielen kurzen Einsätzen wäre oft mehr Zeit nötig. Neben Smartphones soll bald mit Tablets eine schnellere Information möglich sein. Schwester Amanda, die von 1975 bis 1999 den Pflegedienst leitete, wusste noch, wie sie mit Funkgeräten die Schwestern aus vier verschiedenen Orden, Dorfhelferinnen und Familienpflegerinnen zusammenführte. Sie professionalisierte die Pflege, verhandelte Preise, stärkte die Zusammenarbeit mit Hausärzten im Wundmanagement und mit Kliniken in der Brückenpflege. Der Wegfall von Großfamilien musste durch ehrenamtliche Nachbarschaftshilfen und Essen auf Rädern ersetzt werden. Alfred Lauber, der 1980 als Krankenpfleger und erster Mann in die Sozialstation kam, übernahm 1999 die Pflegedienstleitung. Die gesellschaftlichen Prozesse erforderten Angebote für alleinstehende Pflegebedürftige und Demenzkranke, blickte er zurück. Ehrenamtliche Helfer wurden geschult, um den Betreuungsbedarf abzudecken. Zunehmende Bürokratie setzt auf Sicherung von Qualität und Finanzen. Das kostet Zeit, die für Hilfe am Menschen fehlt.

Die Macher der ersten Stunde
Max-Carl Müller hob 1975 die Sozialstation aus der Taufe. Zusammen mit Karl-Friedrich Schweinlin und Wolfgang End führte er 15 Jahre die finanziellen Geschicke und bereitete den Neubau der Sozialstation vor. Die Stärkung der Krankenpflege konnte nur gemeinsam mit Kirchen, Kommunen und Kreis umgesetzt werden. Der demografische Wandel fordere auch heute viel Kraft, nahm Müller die Bürgermeister in die Pflicht. Geschäftsführerin Waltraud Kannen betonte den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und christlichem Auftrag, der täglich bewältigt werden müsse. Inzwischen seien 100 ehrenamtliche Demenzbetreuer unterwegs. Mit "Caritas 24" möchte man eine Antwort auf die 24-Stunden-Betreuung durch osteuropäische Kräfte geben. Das neue Tagespflegeangebot soll Angehörige entlasten und der Einsamkeit entgegenwirken. Die Immobilie für eine Wohngemeinschaft von Menschen mit Demenz sei ebenfalls gesichert. Während Waltraud Kannen betonte, dass man ohne das frühere Engagement heute nicht da wäre, wo man stehe, wurde ihr versichert, sie sei als gefeierte "Übermorgenmacherin" die richtige Frau am richtigen Platz.

Situation und Vision
2014 hat die Sozialstation aus allen Pflegeleistungen mehr erwirtschaftet. Obwohl Zuweisungen zurückgingen, ergab der Gesamtertrag 2,82 Millionen Euro. Der Personalaufwand war geringer, weil mit 2,6 Vollzeitkräften weniger gearbeitet wurde. In sechs Jahren wuchs der Personalaufwand um 24,4 Prozent, während die Kranken- und Pflegekassenleistungen nur 11,6 und 11,1 Prozent mehr Entgelt zahlen. Trotz gestiegener Sachkosten wies das Jahresergebnis 292 000 Euro (2013: 159 000 Euro) Plus aus. In die Rücklage flossen 220 000 Euro für Tagespflege, neue Autos und Renovierung. Im nächsten Jahr wird bei gleichbleibenden Preisen und Mitgliedsbeiträgen mit nur 11 000 Euro Ertrag gerechnet. Der Deckungsfaktor der Betriebsausgaben liegt bei 7,3 (2013: 5,5) Monaten. "Das ermutigt uns, echt loszulegen", so Kannen. Staufens Bürgermeister Michael Benitz dankte für die zuverlässig erfüllten Aufgaben, die sonst den Kommunen zufallen würden. Wie die Pflege der Zukunft aussehen könnte, projizierte das kreative Improvisations-Theater aus Freiburg mit Rainer Mannich, Annika Hartmann, Tamara Burk und Martin Glönkler (Musik) auf die Bühne. Ihrem Namen "L.U.S.T." für Lachen, Unterhaltung, Show und Theater machten sie alle Ehre. Mit Szenen zu den Pflegefunktionen einer Umhängetasche, über Pflege per GPS, Roboter und Powertablette bis hin zu einem Replay-Pflege-Theater fanden sie in reger Interaktion mit dem Publikum heitere Formen zu einem ernsten Thema.