Mit Pauken und Trompeten in die Schlacht

Martina Faller

Von Martina Faller

Sa, 25. Oktober 2014

Bad Krozingen

Herbstkonzert des Sinfonischen Verbandsblasorchesters Markgräflerland: "Von Kämpfern, Kriegern und Helden".

BAD KROZINGEN-SCHLATT. Die Autos standen bis zum Schlatter Kreisel und die Quellenhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt. "Was ist denn in der Halle los", fragte ein durchfahrender Autofahrer verwundert durch die heruntergelassene Autoscheibe und nickte wissend, als er die Antwort vernahm: Herbstkonzert des Sinfonischen Verbandsblasorchesters Markgräflerland. Die beste Antwort aber gab das Orchester selbst mit einem wahrlich fulminanten Konzertabend, der dieses Mal "Von Kämpfern, Kriegern und Helden" handelte.

Und mit der symphonischen Dichtung "Spartacus" von Jan Van der Roost zog das VBO, im wahrsten Sinne des Wortes mit Pauken und Trompeten in die erste Schlacht. Einfühlsam und feinsinnig gelang es Dirigent Helmut Hubov die von Van der Roost als Hommage an den impressionistischen italienisch-klassizistischen Kompositionsstil entworfenen Klangbilder nach zu zeichnen, und ein ums andere Mal in den Köpfen der Zuhörer großes Klangkino mit imposanten Bildern von Gladiatorenkämpfen, Sklavenaufständen und Schlachtengetümmel anzuknipsen und mit flirrenden Holzbläsern, akzentuierten Blechbläsern und wirbelnden Perkussionisten eindrucksvoll die Atmosphäre der großen Monumentalfilme wie Ben Hur und Quo Vadis zu evozieren.

"Die Proben schlauchen ziemlich"

Zu Letzteren zählte zum ersten Mal auch Julius Gehri. Für seine Premiere beim Sinfonischen Verbandsblasorchester hat der junge Schlagzeuger des Musikvereins Wettelbrunn eigens einen schwarzen Anzug mit Fliege bekommen. Was die Kleiderordnung verlangt, trägt er mit Stolz, auch wenn der Anzug an den Schultern noch etwas groß ist. Doch so wie er noch in den Anzug hinwächst, wächst der 15-Jährige an den musikalischen Herausforderungen im VBO, das war im ersten Stück unübersehbar. Mit den Schlegeln in der Gesäßtasche sprang er von Einsatz zu Einsatz, von der Triangel zum Xylophon, vom Becken zur Peitsche und zurück zu den Pauken. "Das ist hier schon ein ganz anderes Niveau als im Verein", bekundete er nach dem Konzert. Wird doch das Programm in nur zwei Probewochenenden auf die Beine gestellt. Und die haben es in sich. "Die Proben schlauchen ziemlich, da war ich ganz schön platt hinterher. Sie machen aber auch unheimlich viel Spaß", sagte der junge Schlagzeuger und bringt damit auch die Philosophie des Verbandsorchesters auf den Punkt, die neben dem Erlebnis, gemeinsam auf hohem Niveau zu musizieren und dabei gelegentlich an seine musikalischen Grenzen zu stoßen, den Spaß am Musizieren in den Vordergrund stellt.

Und der bricht sich beim VBO Markgräflerland Bahn in einem nuancenreichen Spiel und überaus homogenen Orchesterklang. Auch beim zentralen Werk des Konzertabends ist das unüberhörbar, obwohl der Solist Daniel Robert Graf mit seinem Cello virtuos eine neue Klangfarbe ins Blasorchester einbringt. "Schon die Proben mit Professor Graf waren ein Erlebnis", plauderte Moderator Florian Faller aus dem Nähkästchen. "Hat Herr Graf doch nicht nur sein musikalisches, sondern auch sein pädagogisches Geschick an uns erprobt". Mit Erfolg, wie sich beim Konzert herausstellte. Denn so bewahrheitet sich dessen Befürchtung, das Blasorchester könne den Klang seines Cellos zudecken, nur da, wo es vom Komponisten Johann de Meijs vorgesehen ist, nämlich bei der Verhaftung Casanovas. In der gleichnamigen Komposition "Casanova" stellt das Cello den illustren Protagonisten dar, der in acht Szenen musikalisch porträtiert wird und dessen Lebensthemen, Liebe, Lust und Leidenschaft, aber auch Intrigen und Verrat in eine interessante, mitreißende und mitunter höchst moderne Musiksprache übersetzt werden. Da hält das Cello zarte Zwiesprache mit dem Altsaxophon, schwelgt in süßen Melodien, stimmt zusammen mit dem Fagott eine Wehklage an oder besingt leidenschaftlich-triumphal den Sieg der Liebe. Der mündet am Ende in stürmischen Beifall und nicht abreißende Bravo-Rufe.

Nach der Pause spielte das VBO befreit von der Last, das anspruchsvolle Hauptwerk gemeistert zu haben, auf und tauchte erneut ab in die Welt der Kämpfer, Krieger und Helden. Dieses Mal standen jedoch die Sternenkrieger aus der Star Wars Trilogie im Mittelpunkt standen. Imposant erklang im Arrangement von Donald Hunsberger der "Imperial March", hauchzart mit elegischen Flöten- und Oboenklängen die Melodie Thema von Prinzessin Leia und mit klangvollen Blechbläserklängen das Thema von Yoda, bevor das Orchester mit schwindelerregenden Läufen, treibenden Rhythmen und prachtvollen Tutti-Klängen dem großen Finale zustreben. Auch in die vehement eingeforderten Zugaben legten die Musiker unter der Leitung von Helmut Hubov noch einmal ihr ganzes Können und ihre ganze Lust am gemeinsamen Musizieren und rundeten mit der im besten Big Band-Sound vorgetragenen Filmmusik zu "The Incredible" und dem intonatorisch anspruchsvollen, gleichwohl klangrein präsentierten Stück "Time" aus dem Film "Inception" das Programm wunderbar ab. Und während seine neuen Orchesterkollegen längst schon im Foyer der Quellenhalle auf das gelungene Konzert anstießen, wurde Julius Gehri im Gespräch ganz hibbelig. Schließlich warteten auf der Bühne seine Perkussionsinstrumente noch darauf eingepackt und versorgt zu werden – bis zum nächsten Einsatz im VBO.

Info: Die nächste Probenphase des VBO findet im März und April statt. Die genauen Termine sind am 15.03., 28./29. 03. 2015 und am 18./19. April. Die Generalprobe wird dann am 25.04. und das Konzert am 26. 04. 2015 sein. Weitere Informationen unter http://www.markgraefler-musikverband.de