Sauber, attraktiv und lebenswert

Martina Faller

Von Martina Faller

Fr, 27. Juni 2014

Bad Krozingen

Bürgerwerkstatt Innenstadtentwicklung stellt ihre Ideen vor.

BAD KROZINGEN. Im März fiel der Startschuss zur großen Bürgerwerkstatt Innenstadtentwicklung. Seither wurde in sechs Arbeitsgruppen diskutiert und Ideen und Konzepte darüber entwickelt, wie das Zentrum der Kurstadt künftig aussehen soll. Bei einer Präsentation in der Quellenhalle Schlatt wurden erste Zwischenergebnisse vorgestellt. "Sie haben viele kreative und mutige Ideen vorgetragen", fasste Moderator Alfred Ruther-Mehlis zusammen, "aber keine Luftschlösser gebaut".

"Völlig frei und visionär" sollten die Bürger in den Arbeitsgruppen ihre Ideen entwickeln dürfen, betonte Bürgermeister Volker Kieber. Unbeeinflusst auch von Verkehrsgutachten und Bürgerbefragung, die – um eine möglichst "breite Grundlage" zu haben – parallel von der Verwaltung auf den Weg gebracht wurden. Manch eine Arbeitsgruppe hat sich, wie es Susanne D’Agostini-Wurow formulierte, die Aufforderung "mal ordentlich zu spinnen" beim Wort genommen. Insgesamt fielen die Ergebnisse aus Sicht von Alfred Ruther-Mehlis vom Institut für Stadt- und Regionalentwicklung an der Hochschule Nürtingen, der mit seinem Team den Prozess begleitet, aber "recht geerdet und orientiert am Machbaren" aus.

Dass das Verkehrskonzept Dreh- und Angelpunkt der Innenstadtentwicklung darstellt und dafür ganz Bad Krozingen in den Blick genommen werden muss, das ist den Mitgliedern der Arbeitsgruppen indes genauso schnell klar geworden wie die Tatsache, dass, wie Andreas Mayer aus der Arbeitsgruppe "Verkehr, Straßen und Plätze" ausführte, dass "Verkehr und Bebauung nicht getrennt betrachtet werden können". Ohnehin gab es in den Arbeitsgruppen viel Konsens darüber, wie sich die Bürger ihre Innenstadt wünschen, nämlich sicher, sauber, attraktiv und mit Aufenthaltsqualität, lebenswert für alle Generationen, freundlich, mit ausreichend Grünflächen und südländischem Flair. Erzielt werden könnte das durch ein weiteres Magnetgeschäft in der Innenstadt, mehr Freiflächen für die Gastronomie, ein gutes Marktkonzept, Spiel- und Erlebnisplätze.

Neue Nutzung für die alte Bibliothek

In seiner Vision vom künftigen Zentrum imaginierte Rüdiger Michel zudem eine Erschließung des Neumagenufers im Bereich der Buchhandlung Pfister mit zweistufigen Holzdecks für Kinder und Jugendliche. Gedanken zu der Frage, wie man eine attraktive Sichtachse zwischen Lamm- und Kirchplatz schaffen könnte, hatte sich die Arbeitsgruppe "Nutzung und Kultur" gemacht. "Stellen Sie sich vor, man könnte da durchgehen", forderte Susanne D’Agostini-Wurow die Bürger in der zur Hälfte gefüllten Quellenhalle mit Blick auf die Häuserzeile an der alten B 3 zwischen Graben und Joseph-Vomstein-Straße auf. Die historische Substanz in diesem Bereich soll aber womöglich "erhalten bleiben und mit Neuem verknüpft" werden. Das gilt auch für die alte Bibliothek, die eine neue Nutzung bekommen soll. Schwebt den einen dort ein interkultureller Treffpunkt für die Vereine vor, sehen andere hier eher eine Tourist-Information und Café- oder Bistrobetrieb. Primär wünscht sich die Arbeitsgruppe von Susanne D‘Agostini-Wurow ein bunteres Zentrum mit bunten Hausfassaden, "vielleicht im Stil von Hundertwasser" und Skulpturen als Pflanzkübel.

Als äußerst unbefriedigend wird in den Arbeitsgruppen auch die derzeitige Situation im unsanierten Bereich der Basler Straße wahrgenommen. Auf die Frage nach dem "Wohin mit dem Verkehr?", konnte aber keine der Arbeitsgruppe eine Patentlösung bieten. Die Vorschläge reichten von einer Fußgängerzone über eine Shared-Space-Lösung, bis hin zu einer Sperrung im Bereich zwischen Graben und Joseph-Vomstein-Straße, einer Spielstraße und einer Einbahnstraße als Ringlösung. Übereinstimmung herrschte indes darüber, dass man die Sorgen und Ängste der Gewerbetreibenden, ihre Kundschaft im Fall einer Fußgängerzone zu verlieren, ernst nehmen müsse. "Wir wünschen uns ein ganzheitliches, komplettes Verkehrskonzept für den ganzen Ort", brachte es Roland Teufel, Sprecher der einer der Arbeitsgruppen, auf den Punkt. Er befürwortet die Einbahnstraßenlösung und schlägt vor, die Ampelanlage am Kreisgymnasium zur abknickenden Vorfahrtstraße zurückzubauen und so den Verkehr um das Zentrum herumzuleiten. Zahlreiche Vorschläge gab es auch zur Parkplatzsituation. Hier wurden Tiefgaragen unter der Grünfläche neben dem Hieber-Markt ebenso diskutiert wie eine Vergrößerung des Parkplatzes am Schloss und ein besseres Park-Leit-System. "Für alles, was heute hier diskutiert wurde, ist ein ganzheitliches Verkehrskonzept die Voraussetzung", resümierte Dagobert Kessel aus dem Plenum. Mit dem Verkehrsgutachten hat die Stadt dafür eine wichtige Grundlage gelegt. An 31 Zählpunkten wurde der Verkehr im Stadtgebiet erfasst und die Autofahrer wurden befragt. Wenn die Ergebnisse vorliegen, soll ein Verkehrsmodell ermitteln, wie sich der Verkehrsfluss verlagert, wenn beispielsweise nur Einbahnstraßenverkehr oder gar kein Durchgangsverkehr mehr möglich ist. "In die Verkehrsthematik müssen wir noch tiefer einsteigen und gegebenenfalls ein ergänzendes Gutachten einholen", betonte abschließend Bürgermeister Kieber. Ohnehin will sich der Bürgermeister auch mit der gesamten Innenstadtentwicklung nicht hetzen: "Wir brauchen noch etwas Zeit, um etwas Gutes hinzukriegen." Alfred Ruther-Mehlis hält es auch für denkbar, ein Stufenmodell und damit phasenweise Konzepte zu erproben. "Es kann und muss nicht alles auf einmal fertig sein."