Sozialstation zieht positive Bilanz

Sabine Model

Von Sabine Model

Sa, 07. Mai 2016

Bad Krozingen

Bestnote für die Pflege und schwarze Zahlen im Jahresabschluss.

SÜDLICHER BREISGAU. Mit ihren 41 Betriebsjahren befindet sich die Sozialstation Südlicher Breisgau auf einem guten Weg. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hatte der Pflege die Note 1,0 gegeben. "Besser geht’s nicht", freute sich der Vorstandsvorsitzende Dekan Gerhard Disch bei der Mitgl

iederversammlung. Als attraktiver Arbeitgeber verfügt die Sozialstation über ausreichend Fachkräfte. Die wirtschaftliche Lage stellt sich positiv dar. Die Preise für die Kunden und die Mitgliedsbeiträge bleiben 2016 stabil.

Politisch sein
Eine energetische Sanierung und einen neuen Anstrich hat das Gebäude der Sozialstation vergangenes Jahr nach 17 Jahren erhalten. Im Juni kommenden Jahres möchte die Sozialstation 17 Tagespflegeplätze im Alten Spital in Staufen anbieten. Die Kampagne für eine faire Finanzierung der Sozialstationen läuft auf Landes- und Bundesebene weiter. "Wir kommen nicht darum herum, politisch zu sein", betonte Geschäftsführerin Waltraud Kannen. Auf Einzelverhandlungen sei sie vorbereitet. Die Lebensarbeitszeitkonten erfreuten sich guter Resonanz, förderten die Motivation der Mitarbeiter und die Attraktivität des Arbeitsplatzes. Die ambulante Pflege sei gegenüber der stationären deutlich aufgewertet worden. "Wir merken, dass wir getrommelt haben", so Kannen.

Umstellung auf fünf Pflegestufen
Der Südliche Breisgau weist die älteste Einwohnerschaft im Landkreis auf. Im Einzugsbereich der Sozialstation sind in Staufen rund 27 Prozent der Menschen über 65 Jahre, in Bad Krozingen 25 Prozent. Eschbach ist mit 13 Prozent die jüngste Gemeinde. Eine Herausforderung ist das zweite Pflegestärkungsgesetz, das im Januar 2017 in Kraft tritt. Die Umstellung auf fünf Pflegegrade und die stärkere Berücksichtigung der eingeschränkten Alltagskompetenz bei Demenzerkrankten ist Kannen zufolge ein Fortschritt, bedeutet aber auch, dass anders beraten, dokumentiert und abgerechnet werden muss. Das erfordere eine Umstellung der Computersysteme. Neu wird sein, dass der Entlastungsbetrag für Pflegestufe 1 bei häuslicher Pflege, in der Tagespflege oder im Pflegeheim einsetzbar ist.

Neue Aktivierungsbetreuung
Täglich stehen die Mitarbeiter-Teams vor dem Spagat, im permanenten Spannungsfeld von Körper und Seele eine menschenwürdige zugewandte Pflege und Wirtschaftlichkeit hinzubekommen. Dabei werden sie von hundert geschulten bürgerschaftlich Engagierten unterstützt. Neu im Programm ist die Aktivierungsbetreuung. Pflegedienstleiterin Danijela Kondza berichtete von 1920 Menschen, die vergangenes Jahr Pflege und hauswirtschaftliche sowie andere abrechenbare Leistungen in Anspruch nahmen. Insgesamt waren das 123 792 Einsätze. Leichte Zuwächse gab es in der Behandlungspflege mit 100 824 Einsätzen. Die Betreuungszeiten erstrecken sich von ein paar Tagen bis zu mehreren Jahren. Durch die Palliativversorgung waren 148 Sterbende zu begleiten – ein Dienst, der nicht abzurechnen ist. Mit 62,4 Prozent waren mehr Frauen als Männer zu versorgen, häufig in Single-Haushalten ohne Unterstützung. Wie verwirrend die Verordnungs- und Genehmigungsverfahren sein können, wie wichtig Beratung und Hilfe ist, das verdeutlichten Mitarbeiter bei der Versammlung in einem Sketch.

Jahresbilanz in Zahlen
Beim Jahresabschluss stellte Waltraud Kannen dem Ertrag von 2,91 Millionen Euro einem Aufwand von 2,77 Millionen Euro gegenüber. Mit 143 000 Euro fiel der Jahresüberschuss um 149 000 Euro geringer aus als 2014. Minderungen gab es bei der Verhinderungspflege und bei den Erträgen aus dem Kloster St. Trudpert, dessen Schwestern die Versorgung weitgehend selbst übernehmen. Gestiegen ist der Personalaufwand um 179 000 Euro auf 2,25 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich um 2,4 auf 39,65. Die Rückstellung durch Mehrarbeit wurde nochmals verringert. Die Sachkosten waren niedriger, die Instandhaltung etwas höher als im Jahr zuvor. Dadurch stiegen die Abschreibungen. Der Liquiditätsfaktor liegt bei 7,4 Monaten. Bei der Festlegung des Mitgliedsbeitrags der Gemeinden blieb es bei einem Euro pro Einwohner. Die Gebührenordnung blieb ebenfalls unverändert. Der Wirtschaftsplan für das laufende Jahr rechnet mit einem höheren Personal- und Sachaufwand, mit weniger Abschreibungen und so mit einem Jahresergebnis von 40 000 Euro. "Organisch wachsen" ist das Ziel.

Vorstand wiedergewählt
Der Vorstand kandidierte bis auf Pfarrer Georg Eisele erneut und wurde für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Eisele, der aus dem Bereich der Sozialstation weggezogen ist, wurde mit Geschenken verabschiedet. Er sei nicht immer bequem, aber stets hilfreich gewesen, so Kannen. Für die geleistete Arbeit bekamen auch die anderen Vorstandsmitglieder Wein und Buch. Im Namen der Mitgliedsgemeinden dankte Bad Krozingens Bürgermeister Volker Kieber der Sozialstation für die wertvolle Arbeit. Den Auftrag der Kommunen sah er darin, Inklusion für alle Menschen in allen Lebenslagen zu gewährleisten. Demenzgruppen und Tagesbetreuung seien dabei wichtige Faktoren.