"Zeichen der Zeit erkennen"

Sabine Model

Von Sabine Model

Mo, 26. Mai 2014

Bad Krozingen

Erfolge und Herausforderungen: Mitgliederversammlung der Sozialstation Südlicher Breisgau.

BAD KROZINGEN. "Trotz schwieriger Rahmenbedingungen hat sich die Sozialstation Südlicher Breisgau gut entwickelt und kann zuversichtlich in die Zukunft blicken", fasste Staufens Bürgermeister Michael Benitz das Ergebnis der Mitgliederversammlung zusammen. Dennoch beteiligt sich Geschäftsführerin Waltraud Kannen engagiert an der Kampagne "Sozialstation hat Wert". Nach dem Autokorso 2013 war sie jüngst mit in Stuttgart, um Politikern mit Unterstützer-Unterschriften zu signalisieren, dass die flächendeckende ambulante Versorgung gefährdet ist.

Personalsituation
Im Fokus steht die Akquise und Sicherung von Fachkräften, führte Waltraud Kannen aus. Aktuell arbeite sie an einem Lebensarbeitszeit-Modell und an der familienbewussten beruflichen Einbindung von pflegenden Angehörigen. Um Kapazitäten zu gewinnen, ist mit der AOK ein Entbürokratisierungsmodell im Entstehen. Die Leerzeiten wurden weiter optimiert. "Wir haben getan, was wir konnten", beteuerte Kannen. "Aber wir sind ein Betrieb mit Tarifbindung." Für Personal wurden im vergangenen Jahr 18,6 Prozent mehr aufgewendet. Geringere Leistungssteigerungen bei den Krankenkassen und der Pflegeversicherung lassen die Schere jedoch immer weiter auseinandergehen. Im Wirtschaftsplan 2014 muss nochmals von tarifbedingten Personalkostenerhöhungen um 4,5 Prozent ausgegangen werden.

Finanzen
Die produktive Gesamtdeckung der Sozialstation sank von 116,8 in 2010 auf 105,4 Prozent in 2013. Auch wenn die Deckungsreserve geringer ausfalle, stelle sich die Liquidität mit 5,5 Monaten gut dar, so Kannen. Obwohl der Ertrag gesteigert wurde, ging der Überschuss 2013 von 178 000 Euro (2012) auf 160 000 Euro zurück. Im Wirtschaftsplan 2014 liegen die Erträge mit 2,7 Millionen Euro nahezu zwar gleich, unterm Strich bleiben aber im Ansatz nur 16 500 Euro übrig. Die Umstellung auf papierlose elektronische Abrechnung soll Kosten senken. Im Austausch mit fünf anderen Sozialstationen werden Sparpotenziale ausgelotet und Einzelverhandlungen mit den Pflegekassen gemeinsam vorbereitet. Die bisher geleaste Fahrzeug-Flotte wird bei auslaufenden Verträgen aufgekauft. Aktuell sponserte die Volksbank Breisgau Süd ein Fahrzeug für die Rufbereitschaft.

Einsätze
Pflegedienstleiterin Danijela Kondza sprach 2013 von einer hohen Auslastung der Sozialstation Südlicher Breisgau. In den meisten Bereichen war eine Steigerung zu verzeichnen. Es nahmen 1703 (2012: 1591) Menschen Pflege und hauswirtschaftliche Leistungen sowie abrechenbare Beratung und Betreuung in Anspruch. Rückläufig war die häusliche Betreuung, was auf die private Inanspruchnahme osteuropäischer Einsatzkräfte zurückgeführt wird. Zwei Drittel der Versorgten sind weiblich. Der Anteil der 70- bis 100-Jährigen nimmt deutlich zu, ebenso die kurz getakteten Hausbesuche. Mit über 100 qualifizierten Ehrenamtlichen wurden mehr als 100 regelmäßige Teilnehmer in Demenzgruppen betreut.
Probleme
Der erste Vorsitzende der Sozialstation, Dekan Gerhard Disch, zeigte sich betroffen darüber, dass der Mobile Soziale Dienst der Caritas ab Juni eingestellt wird. Das hinterlasse eine große Lücke für niederschwellige bezahlbare Unterstützungsanfragen im Vorfeld der Pflege, bedauerte er. Sozialstation, Kommunen und Kirchengemeinden müssten nun nach Lösungen suchen, um die Betroffenen aufzufangen. Erste Renovierungen stehen am Haus der Sozialstation an, das inzwischen 15 Jahre alt ist. Eine elektronische Schließanlage und besserer Blitzschutz sind ebenfalls geplant.

Anpassungen
Während die Mitgliedsbeiträge von einem Euro pro Kopf für kommunale und kirchliche Träger- und Fördermitglieder unverändert bleiben, wurden die seit 2009 stabilen Preise für Verhinderungspflege, Privatleistungen und Betreuungsleistungen erstmals erhöht. Fachkrafteinsätze steigen von 10,50 Euro auf 12,50 Euro je Viertelstunde, ergänzende Hilfen von 8,75 Euro auf zehn Euro. Freiwillige Mitarbeiter (drei Euro) und Fahrtkosten bleiben gleich. Wegen der 2015 bevorstehenden Zusammenlegungen von Kirchengemeinden zu Seelsorgeeinheiten wurde die Satzung geändert. Das eröffnet den bisherigen Pfarrgemeinden die Möglichkeit, zahlenmäßig wie bisher vertreten zu sein. Man müsse an den Menschen vor Ort dranbleiben, so die Begründung.

Projekte
Durch drei aktuelle Vorhaben wird das Spektrum der Sozialstation künftig erweitert. Im Entstehen ist die Tagespflege im Alten Spital in Staufen und die Einrichtung einer Wohngruppe für Menschen mit Demenz im Rundacker II in Staufen im Rahmen eines Mehrgenerationenprojektes. Zudem wird der Haus-Notruf mit Brandmeldern gekoppelt. Im nächsten Jahr feiert die Sozialstation Südlicher Breisgau 40-jähriges Bestehen. Den Jubiläumswunsch formulierte Waltraud Kannen: "Als Organisation wach bleiben und die Zeichen der Zeit erkennen." Deshalb will sie auch die Wert-Kampagne mit Kirche, Politik und Kassen fortsetzen, um würdevolle Pflege in Zukunft zu sichern.