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29. November 2010

300 Demonstranten gegen Atdorf

BI-Chef Stöcklin ist zuversichtlich: Noch ist nichts entschieden / Landtagskandidaten von Grünen, FDP und Linken unter den Rednern.

  1. 300 Demonstranten gegen Atdorf in Bad Säckingen, unter ihnen SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter (rechts oben). Foto: michael Gottstein

  2. 300 Demonstranten gegen Atdorf in Bad Säckingen. Foto: michael Gottstein

  3. Foto: Michael Gottstein

  4. Foto: Michael Gottstein

  5. Foto: Michael Gottstein

BAD SÄCKINGEN. Rund 300 Bürger sind der Einladung der "Bürgerinitiative Atdorf"" gefolgt und haben am Samstagvormittag in der Bad Säckinger Innenstadt friedlich gegen das geplante Pumpspeicherkraftwerk demonstriert. Die Redner kritisierten, dass das Projekt nicht der Speicherung von Energie aus erneuerbaren Quellen, sondern der Veredelung von Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken diene. Sie verwahrten sich auch gegen den Vorwurf der Fortschrittsfeindlichkeit.

Der BI-Vorsitzende Klaus Stöcklin erklärte mit Blick auf das abgeschlossene Raumordnungsverfahren, dass selbiges "nicht neutral" sei, und die Landtagskandidatin Ruth Cremer-Ricken (Grüne) verwies darauf, dass die Bohrtiefe bei der Ersatzwassererkundung überschritten wurde und im Sondierstollen mehr als die zulässigen 50 Sekundenliter Wasser angefallen waren. "Und das Landratsamt hat dem Ist-Zustand immer hinterhergenehmigt", so Cremer-Ricken. Klaus Stöcklin machte den Demonstranten Mut: "Noch ist nichts entschieden."

Jürgen Pritzel erklärte, die Landregierung, das Regierungspräsidium und die Schluchseewerk AG "haben es nicht geschafft, uns von der Notwendigkeit zu überzeugen", denn: "Es geht darum, die Grundlastkraftwerke weiterlaufen zu lassen." Jürgen Margraf betonte: "Wir sind keine technikfeindlichen Hinterwäldler, Naturträumer oder Spinner, denn wir zeigen klare Alternativen auf." Die BI unterstütze den Ausbau erneuerbarer Energien, den Ausbau der Stromnetze und die Stromproduktion vor Ort. Diese Dezentralisierung sei ein weit besserer Weg als die Zentralisierung durch vier große Energiekonzerne.

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Der Fachmann für Erdbebensicherheit, Gerd Wenzens, bezweifelte, ob die geologischen Bedingungen den Bau des 120 Meter hohen Staudamms zulassen: "Viele Fachleute sagen, dass das Projekt daran scheitern wird." Christina Binder meinte, das Projekt könne den Tourismus, den Charakter Bad Säckingens als Kurort und damit etliche Arbeitsplätze gefährden. Auch die Heilquellen und das Quellwasser auf dem Hotzenwald seien bedroht. Sie appellierte an die Bürgermeister, "das wertvolle Schutzgut Natur nicht zu verschleudern." Auch Inge Böttinger vom BUND und Pfarrer Reinhold Grüning kritisierten das Projekt.

Der Landtagskandidat Jörg-Uwe Sanio (Die Linke) bezeichnete die Energie aus dem Pumpspeicherkraftwerk als "schmutzige Energie, die nur den Erhalt der Technik von gestern" fördere. Der Landtagskandidat Klaus Denzinger (FDP) versicherte den Demonstranten: "Ich war von Anfang an auf Ihrer Seite und ich werde mit Ihnen für die Verhinderung des Projektes kämpfen." Ruth Cremer-Ricken erklärte, dass durch das Projekt die Röthekopfvariante der A 98 verhindert werde, so dass nur die Bergseevariante bleibe. Bad Säckingen werde durch die Autobahn eingeschlossen, was rechtlich nicht zulässig sei.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter kritisierte die Verlängerung der Atomlaufzeiten. In der Region gebe es drei Atomkraftwerke und künftig vielleicht auch ein Endlager nahe der Grenze. "Es reicht", meinte sie, und äußerte ihr Unverständnis darüber, dass "Windräder nach Ansicht der Landesregierung nicht in die Landschaft passen sollen, aber ein Pumpspeicherkraftwerk schon."

Autor: Michael Gottstein