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20. Januar 2010
Ein musikalischer Ausflug in die schöne heile Welt
Gastspiel der Operettenbühne Wien beim BZ-Theaterring im ausverkauften Gloria-Theater war nach dem Geschmack des Publikums
BAD SÄCKINGEN. "Die ganze Welt ist himmelblau", singen die Akteure in der Operette "Im Weißen Rössl". Eine himmelblaue Bilderbuch-Idylle tut sich auch auf der Bühne im Bad Säckinger Gloria-Theater auf. Vor ausverkauften Rängen entführte die Operettenbühne Wien das Publikum im BZ-Theaterring in die heile Welt des Salzkammerguts, wo sich vor einer Postkarten-Kulisse die Gäste zur Sommerfrische am Wolfgangsee tummeln.
In der Inszenierung von Heinz Hellberg ist die Operetten-Welt noch in Ordnung: Da trägt die Wirtin Josepha ein fesches Dirndl, sind die Stubenmädel zum Anbeißen süß, und Ihre Majestät Kaiser Franz Joseph kehrt huldvoll winkend im Gasthaus ein und sagt seinen Standardspruch auf: "Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut". Das könnte man auch über diese Produktion sagen, die so richtig was für Herz und Gemüt war und das bunte Urlaubs-Treiben und die Liebeleien mit viel Humor und Situationskomik auf die Bühne brachte. Wenn der liebeskranke Oberkellner Leopold seiner "Bepperl" partout ein "Busserl" abtrotzen will und neben Paprikahendl auch noch "Herz am Spieß" auf der Speisekarte steht, dann ist das genau nach dem Geschmack der vielen Operettenfreunde, die Ralph Benatzkys volkstümliches Singspiel heiß lieben und jede der populären Schlager und Walzerlieder von Benatzky oder Robert Stolz mitsummen und mitsingen können.
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Der verliebte Zahlkellner Leopold ist eine Paraderolle für Heinz Hellberg. Als echter Wiener bringt er in dieser Tenorbuffo-Partie seinen humorig-gemütlichen Wiener Schmäh ein, mit dem er das Publikum mühelos einwickelt, und macht auch a bisserl auf Hans Moser. Sein Leopold ist ein Gemütsmensch durch und durch, leutselig und verschmitzt, spaßig und launig plaudernd, aber auch mal wehmütig, wenn er sein Couplet singt und gefühlsselig bekennt: "Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden". Die Herzen im Dreivierteltakt, die lustigen Szenen, das postkartenbunte Bühnenbild mit Bergen und Kühen, bei dem es auch mal a bisserl kitschig werden darf, der Schwung der Foxtrott- und Walzermelodien lassen die Zuschauer für einen Abend alle Sorgen vergessen.
Dafür sorgen Hellberg und sein glänzend aufgelegtes Ensemble mit Chor und Ballett, das in heiterster Operettenmanier mit Witz, Komik und Sentiment singt, spielt und tanzt. Revuehaft schmissig waren die tänzerischen Szenen mit Ronald Hein als schönem Sigismund, der mit drei Models auftaucht und mit dem süß lispelnden Klärchen (Susanne Fugger) im nostalgischen Badekostüm baden geht. Ebenso bejubelt wie Hellberg selber wurde Stephan Paryla-Raky als Fabrikant Giesecke, der umwerfend komödiantisch mit frecher Berliner "Schnauze" den griesgrämigen Nörgler und Grantler von der Spree spielte. Immer für Lacher gut war auch Rita Hatzmann als putzmunterer frecher Piccolo. Sehr gut gefiel auch Heidi Brandstetter als resolute, patente und geschäftstüchtige Rössl-Wirtin Josepha im Dirndl, die sich dann noch von Leopolds Liebeswerben erweichen lässt. Der veritable Operettentenor Michael Kurz als galant-großstädtischer Anwalt Dr. Siedler und die Soubrette Venera te Best als entzückende Ottilie sorgen als zweites Liebespaar für geballtes Glück am Wolfgangsee. Dass sich auch das Orchester unter Dirigent Dorian Molhov in allerbester Spiellaune, rhythmisch flott und blitzsauber hervortat, machte das Operettenglück im Gloria perfekt – einfach himmelblau!
Autor: Roswitha Frey
