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28. März 2017

Eine außergewöhnliche Matinee

Die Bad Säckinger Cellistin Natalia Dauer ist im Rahmen der Ausstellung "Zeichnung: heute" in der Villa Berberich aufgetreten.

  1. Die junge Cellistin Natalia Dauer aus Bad Säckingen beeindruckte bei ihrer Matinee in der Villa Berberich mit sehr intensivem und ausdrucksstarkem Spiel. Foto: Roswitha Frey

BAD SÄCKINGEN. Zart wie ein Frühlingswind, geheimnisvoll wie ein Flüstern, tiefgründig wie Gedanken, die aus dem Dunkel ans Licht drängen: So poetisch und eindringlich waren die Celloklänge, mit denen Natalia Dauer die Zuhörer am Sonntag in der Bad Säckinger Villa Berberich in Bann zog.

Ein ambitioniertes Programm mit vorwiegend zeitgenössischen, selten gehörten Stücken führte die junge Bad Säckinger Cellistin im Rahmen der Kunstvereins-Ausstellung "Zeichnung: heute" auf. Natalia Dauer eröffnete ihr Solo-Recital mit zwei Stücken von Domenico Gabrielli aus dem italienischen Barock, strukturklar gespielt in der Linienführung, dynamisch und präzise im Bogenstrich.

Zu einem intensiven Hörerlebnis wurden vier Stücke aus den Präludien der russischen Komponistin Sofia Gubaidulina. Vor und während des Spiels trug die Cellistin ausgewählte Gedichte vor, die wunderbar zum Klangcharakter und der Stimmung der Stücke passten. Darunter das Gedicht "Stimmen im Kopf" von Janine Albrecht. Die Stimmen, die im Kopf lauern, von fern und nah kommen, Verwirrung stiften, in Rätseln sprechen, glaubte man in den Celloklängen zu hören: Fragmente, kurz angerissene Sequenzen drangen ans Ohr, Klänge, die erst leise, dann immer lauter, drängender werden und wieder verebben. Natalia Dauer horchte die Stücke klangsensibel aus und führte vor, was durch spezielle Bogen- und Spieltechniken an flirrenden Klangwirkungen aus dem Cello herauszuholen sind.

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Nuancenreich klang das Stück zu den Gedichtzeilen: "Ein Hauch, ein Traum, zerbrechlich, schwebend, greifbar kaum". Ein andermal strich Natalia Dauer ihr Instrument in gestischer Vehemenz, kräftig und sehr intensiv, ließ es sonor und dunkel klingen, erzeugte durch heftige Bogenschläge interessante Cello-Effekte, ein Zittern, Vibrieren, Nachhallen des Klangs.

Filigran gezupfte Pizzicato-Passagen verleiteten im neunten Präludium zum genauen Hinhören. Dazu sprach Natalia Dauer lyrische Zeilen vom Flüstern der Steine, von der Stille des Windes, der Wolken, der Blumen, deren Geheimnis sie am Cello nachlauschte. Die 20-Jährige, die an der Musikhochschule Basel studiert, beeindruckte auch in einem Prelude des katalanischen Komponisten Enric Casals mit weit ausschwingendem Klang und enormer Emotionalität und Intensität ihres Spiels.

Eine Miniatur aus sieben Haikus

Zu einer Miniatur aus den Sieben Haikus des Gegenwarts-Komponisten Joseph Maria Guix rezitierte Natalia Dauer verschiedene Kurzgedichte sowie ein eigenes Haiku: Dreizeiler, in denen Naturbeobachtungen, jahreszeitliche Bezüge und sinnliche Augenblicks-Wahrnehmungen mitschwingen. Diese poesievollen Worte vom Bienensummen, vom Blütenglanz, von schlafenden Blumenseelen, dem Bergfrühlingsruf und dem Gesang der Amsel verwoben sich mit dem lyrischen, gefühlvollen Cellospiel. So eröffnete Natalia Dauer neue Klangräume für die Zuhörer. Mit Jacques Offenbachs "Les Larmes de Jacqueline", einem elegischen, von warmen, dunklen Farben, Melancholie und Ausdruckstiefe erfüllten Cellogesang, beschloss die Künstlerin diese Matinee, die im Zusammenklang von Cellomusik und Lyrik einen außerordentlichen Zauber auf die Zuhörer ausübte. Kunstvereins-Vorsitzender Frank van Veen sprach dem Publikum aus der Seele: "Es war ganz außergewöhnlich".

Autor: Roswitha Frey