Es geht ums Erleben, nicht ums Essen

Theresa Steudel

Von Theresa Steudel

Do, 16. November 2017

Bad Säckingen

Rita Lüder von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie spricht bei Kinderuni Hochrhein über Pilze – und warum sie wichtig sind.

BAD SÄCKINGEN. Mehr als 150 Kinder haben am Mittwoch bei der Kinderuni Hochrhein Rita Lüders Vortrag über Pilze gehört. Lüders Mission: Kindern und Eltern die Wissenschaft der Pilze, also die Mykologie, näher zu bringen. Allerdings ging es nicht darum, welche Pilze essbar sind und welche nicht. Sondern darum, dass Pilze genauso wichtig sind wie Pflanzen.

Wenn Rita Lüder von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) über Pilze spricht, dann merkt man ihr die Faszination an. "Dass wir ohne Pflanzen auf der Erde einpacken können, das weiß jeder", sagt sie, "aber ohne Pilze genauso. Pilze bilden im Boden Netzwerke zu Bäumen, zu Insekten, zu allem. Und keiner weiß es eigentlich." Auch im Biologieunterricht komme das Thema Pilze viel zu kurz. "Man kann in Biobüchern das Thema Wald erklären, ohne von Pilzen zu reden. Das geht eigentlich gar nicht," so Rita Lüder, "im Prinzip sind wir im Bereich Pilze noch bei ,die Erde ist eine Scheibe’." Ralf Däubler, Mitorganisator der Kinderuni und Umweltbeauftragter in Bad Säckingen, pflichtet ihr bei. "Das fängt schon im Biologiestudium an. Da gehören die Pilze zum Bereich Botanik, dabei sollte das ein eigener Bereich sein, so komplex wie Pilze sind." Woran das liege? Mykologie sei eine sehr junge Wissenschaft, so Lüder. Entstanden ist sie erst im beginnenden 19. Jahrhundert. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts glaubte man hingegen noch, Pilze würden durch eine Art faulende Gärung entstehen. Aber auch heute bestehe noch immer eine gewisse Skepsis gegenüber Pilzen, welche häufig als Parasiten gelten, die Bäume befallen. "Dabei greifen selbst die Schädlinge nur bereits geschädigte Bäume an, die durch Menschen zu eng gepflanzt sind oder nicht richtig ernährt werden", erklärt Lüder. "Sie zeigen an, wenn etwas im System nicht stimmt", ergänzt Däubler.

Weil das in den Schulen nicht so gelehrt werde, hat Rita Lüder mit ihrem Mann die Ausbildung zum Pilz-Coach ins Leben gerufen: 60 Stunden Pilzkunde, bei denen es nicht ums Essen geht, sondern ums Erleben der Pilzwelt. Am Ende gehen die Ausgebildeten ehrenamtlich in Schulklassen, Volkshochschulen, Kindergärten. "Ich spreche dann nicht nur über die Pilze im Wald, sondern auch über Hefepilze, Schimmel, Fußpilz", erzählt Andrea Leithner, Pilzcoach aus Steinen. Essbar, oder nicht – das sei sowieso nur bei Erwachsenen ein Thema. "Für Kinder sind Pilze viel mehr als nur Essen, das Pilze suchen und finden, das ist ein unglaubliches Event", erzählt Franziska Maler vom Pilzverein Laufental-Thierstein aus der Schweiz mit Begeisterung. Mit ihrem Mann Claus Maler ist sie regelmäßig mit Kindern unterwegs, egal bei welchem Wetter. "Wir sagen dann immer, ihr seid so klein, ihr müsst uns helfen, die Pilze zu finden. Und dann sind die Feuer und Flamme und finden selbst kleinsten!"

In der Schweiz sei die Tradition des Pilzesammelns und Entdeckens ohnehin weiter verbreitet als in Deutschland. Pilzvereine gäbe es zahlreiche sowie Ausstellungen und Vorträge. Nur: Pilzvereine seien viel zu wissenschaftlich. Das wollte das Ehepaar Maler auflockern und auch Kinder und Jugendliche für Pilze begeistern. Ralf Däubler sieht in der Schweiz eine Inspiration für Deutschland. "Ideen haben wir, Ausstellungen, Exkursionen, Fotowettbewerbe. Aber es braucht so ein Netzwerk wie in der Schweiz." Der Vortrag an der Kinderuni soll der Anstoß für ein solches Netzwerk sein. Und bei einem ist sich Däubler sicher: Wer einmal als Kind im Wald auf Pilzsuche war, der vergisst das nie wieder.

Pilzbegeisterte können sich für Führungen und Färben mit Pilzen bei Susanne Butz melden (sbutz@gmx.de), interessierte Grundschulen und Kindergärten bei Andrea Leithner (andrea.leithner@gmx.net) oder beim Pilzverein Laufental-Thierstein unter

http://www.pilzverein.ch Weitere Infos unter

http://www.dgfm-ev.de oder http://www.pilzcoach.de