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31. März 2014 16:42 Uhr

Betriebsversammlung

Hochrhein-Eggberg-Klinik schließt – 74 Jobs gehen verloren

Lange schon schwelt die Krise – nun ist das Ende eines wichtigen Arbeitgebers am Hochrhein besiegelt: Am kommenden Montag gehen in der Hochrhein-Eggberg-Klinik die Lichter aus.

  1. Die Hochrhein-Eggberg-Klinik schließt ninnen einer Woche. Foto: Elisabeth Willers

Das wurde den 74 Mitarbeitern der auf Gefäßmedizin spezialisierten und sich seit Juli 2013 im Insolvenzverfahren befindlichen Klinik in der Betriebsversammlung am Montag mitgeteilt. Für das März-Gehalt und die ersten April-Tage reichen die Finanzen der Klinik noch. Insolvenzverwalter Uwe Kaiser wird jetzt die Anschlussversorgung der Patienten klären.

18 von ihnen werden noch bis Dienstag in der HEK liegen, hieß es auf der Betriebsversammlung. Für einen geordneten Übergang muss jetzt mit den Belegungsträgern der Klinik eine Vereinbarung geschlossen werden, um einen geordneten Übergang zu erreichen.

Kündigungsfristen können nicht eingehalten werden

Den Mitarbeitern der Hochrhein-Eggberg-Klinik mit ihren 115 Reha-Betten und rund 30 Akut-Betten wird jetzt gekündigt. Sie bekommen sofort Arbeitslosengeld, da finanzielle Mittel zur Zahlung von Auslauflöhnen während der Kündigungsfrist offenbar nicht vorhanden sind. Entsprechend können auch die Kündigungsfristen nicht eingehalten werden. Auch Volker Kull, Geschäftsführer des Rehaklinikums, das die HEK übernehmen wollte, stellte sich der Belegschaft in der Versammlung und erläuterte, was zum Scheitern der Übernahme führte. Eine Plan B, wie es jetzt weitergehen soll, hat Kull nicht.

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"Wir haben keinen zweiten Plan, den wir einfach aus der Schublade ziehen können." Volker Kull
"Wir müssen uns im Gesellschafterkreis erst neu orientieren, wir haben keinen zweiten Plan, den wir einfach aus der Schublade ziehen können", erklärt Kull. Am Mittwoch gebe es eine schon lange anberaumte Gesellschafterversammlung, auf deren Tagesordnung allerdings die Hochrhein-Eggberg-Klinik nicht stehe. Aber sicher werde man auch darüber reden, so Kull. Mann müsse sich jetzt komplett neu orientieren. Kull kündigte an, den Insolvenzverwalter bei der Patientenversorgung zu unterstützen, wo dies möglich sei.

Bürgermeister Alexander Guhl ist "sehr traurig, dass alle Bemühungen der Beteiligten nicht zum Durchbruch gelangt haben". Alle Seiten hätten sich sehr bemüht. Über Auswirkungen der Pleite auf das Kurwesen der Stadt könne er aber zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.

Warum hat die Übernahme nicht geklappt?

Ingo Busch, Gewerkschaftssekretär Verdi Südbaden, spricht von einer getrübten Stimmung in der Betriebsversammlung. Trotz der Erklärungen sei für ihn nicht nachvollziehbar, warum die Übernahme nicht geklappt habe. Volker Kull hatte gegenüber unserer Zeitung von in der Kürze der Zeit nicht minimierbaren Risiken gesprochen, die das Vorhaben scheitern ließ. Busch sieht den Hauptschuldigen für die Entwicklung im Geschäftsführer der Deutschen Krankenhaus Holding, Peter Paul Gardosch von Krosigk, die Träger der Hochrhein-Eggberg-Klinik ist.

Das Interesse des Spitals Bad Säckingen an der angiologischen Abteilung der HEK hingegen besteht weiterhin. Geschäftsführer Uwe Lorenz würde den Ärzten, Pflegekräften und Assistenzpersonal gerne noch im April Arbeitsverträge anbieten, sagt er auf Anfrage. Dabei handelt es sich um maximal sieben Personen, so Lorenz. Auch für ein spezielles Röntgengerät habe man im Januar schon ein Angebot abgegeben. Das sei spezialisiert für die Gefäßdarstellung in Armen und Beinen. Allerdings wisse man nicht, ob diese Pläne durch die neuesten Entwicklungen gefährdet sind. "Aber an uns soll es nicht liegen", sagt Lorenz. Klappt das Vorhaben, würde das Personal samt Gerätschaften ins Spital Bad Säckingen transferiert.

Wie es mit der Immobilie der HEK weitergeht, ist derzeit völlig offen. In dem Gebäude sind auch Praxen für Radiologie, Chirurgie sowie Herz- und Gefäßmedizin untergebracht. In deren Namen bedauert auch Dr. Lutz Sinn diese Entwicklung außerordentlich. "Wir sind sehr betroffen. Wir sind Mieter, unser selbständige ambulante medizinische Betrieb in den Praxen ist nicht eingeschränkt."

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Autor: Michael Krug