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20. Juni 2016

Orchesterverein Bad Säckingen

Musik für Refugees Integrated

Der Orchesterverein Bad Säckingen hat im Kursaal ein Benefiz-Konzert gegeben, um Flüchtlinge zu unterstützen.

  1. Der Orchesterverein Bad Säckingen gab unter Leitung von Klaus Kunzmann ein Benefizkonzert; eine der Solisten war Aloisia Dauer (Violine). Foto: Michael Gottstein

BAD SÄCKINGEN. Ein denkwürdiges Benefizkonzert mit vorwiegend romantischen Werken haben der Orchesterverein Bad Säckingen unter Leitung von Klaus Kunzmann und die drei Solisten Aloisia und Natalia Dauer sowie Rossini Bartolotti-Hayward am Samstagabend im voll besetzten Kursaal gegeben.

Wie die Orchestervereinsvorsitzende Ortrud Merkert verriet, war es die Idee der Cellistin Natalia Dauer, den Erlös aus dem Konzert dem Verein Refugees Integrated zu spenden. Sie dankte den Musikern und den zahlreichen Sponsoren.

Max Bruchs Vertonung des jüdischen Gebets "Kol Nidrei" ist ein Paradestück für Cellisten – gibt sie doch dem Solisten Gelegenheit, die an die menschliche Stimme erinnernden Qualitäten des Cellos zu entfalten. Der Orchesterverein erwies sich als subtiler Begleiter der Solistin, die ihre Partie mit warmem Klang spielte, weite Bögen spannte und die aus sonoren Tiefen aufsteigenden Themen mit großer Intensität aushorchte.

Ebenfalls kontemplativ ist die Komposition "Fratres" von Arvo Pärt. Hier war Filigranarbeit gefragt, denn das Werk begann im Pianissimo. Der Gitarrist Rossini Bartolotti-Hayward stimmte zarte Arpeggien an und spielte geschmackssicher mit den Lautstärkeabstufungen, bevor die Streicher mit leichten, sphärischen Klängen einsetzen. Die Komposition kam mit wenig thematischem Material aus, schlug aber durch Wiederholungen und Variationen die Zuhörer in den Bann und wirkte dabei stets transparent und niemals provokant oder dissonant.

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Der Höhepunkt war Max Bruchs Violinkonzert in g-moll. Romantischer Gefühlsüberschwang, gebändigt durch die klassische Form, und eine reiche, aber in den Grenzen der Tonalität verbleibende Harmonik machen dieses Konzert zu einem festen Bestandteil des Repertoires. Aloisia Dauer brillierte mit ihrem schlanken, beweglichen und warmen Violinton und ihrer ausgefeilten Technik. Die Akkordgriffe und Läufe gelangen ihr anstrengungslos, und man merkte, dass sie die virtuosen Figuren nie als Dekor auffasste, sondern stets mit Seele erfüllte. Wo ein expressiver Zugriff gefordert war, tat sie dies mit der nötigen Energie, vermied aber alle grellen Effekte, sondern wurde stets der klassizistisch-romantischen Ästhetik Max Bruchs gerecht. Die Piano-Stellen wirkten voll und tragend, und die sanglichen Passagen meisterte sie mit wunderschönem Timbre. Während sie den ersten Satz mit großer Ernsthaftigkeit wiedergab, zeigte sie im Finale Ausgelassenheit und Freude am heiteren Spiel. Für das Orchester war es nicht ganz einfach, in so großer Besetzung stets die perfekte klangliche Balance zu wahren – manchmal wirkten Bläser und Schlagzeug eine Spur zu dominant, und die Streicher waren im schnellen Forte durchaus gefordert, was aber dem guten Gesamteindruck keinerlei Abbruch tat.

Den Abschluss bildete Gabriel Faurés Orchestersuite "Masques et Bergamasques". Der Verein zeigte in der Ouvertüre tänzerische Leichtigkeit und eine dynamisch fein differenzierte Interpretation. Es folgten ein getragenes Menuett und eine burleske Gavotte mit spritzigen Dialogen. Mit einer ruhigen, klangschönen Pastorale ließ der Orchesterverein das gelungene Konzert ausklingen.

Autor: Michael Gottstein