Die letzte öffentliche Manifestion von Kirchgäßners Arbeiten

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Mi, 12. August 2009

Badenweiler

Die Mosaik-Altarwand des Merdinger Künstlers schmückt seit 50 Jahren St. Peter / Beobachtungen des Lichts und seiner Brechungen

BADENWEILER. Seit 50 Jahren schmückt Hubertus Kirchgäßners faszinierende Mosaik-Altarwand mit dem segnenden Christus die Pfarrkirche St. Peter. Anlässlich dieses Jubiläums fand ein Festgottesdienst mit anschließender Vernissage in der Marienkapelle und im Kunst-Palais statt. Der Künstler aus Merdingen ließ es sich trotz schwerer Krankheit nicht nehmen, bei der Einführung seiner Werke durch den Schriftsteller Christoph Meckel im Palais anwesend zu sein.

In seiner Predigt nahm Pfarrer Loks Bezug auf das Ereignis und betonte, viele Gäste kämen eigens in die Kirche, um das einzigartige Mosaikbild mit dem Christus zu betrachten, der die Gläubigen mit weit ausgestreckten Armen willkommen heißt. In der Marienkapelle sind vier großflächige Bilder Kirchgäßners zu sehen, deren Farben – Rot, Gelb, Grün und Blau – mit den Tageszeiten und ihrem unterschiedlichen Lichteinfall korrespondieren. Pastoralreferent Nepple nannte in diesem Zusammenhang ein Zitat des Künstlers: "Meine Bilder sind ganz direkt abgeleitet aus den Beobachtungen des Lichtes und seiner Brechungen."

Eine große Anzahl von Kunstfreunden fand sich im Großherzoglichen Palais ein, wo weitere 48 Exponate von Kirchgäßner ausgestellt sind. Der Leiter des Kunst-Palais-Team, Ulrich Schroeder, hieß dort auch den Künstler und seine Familie herzlich willkommen. "Diese Ausstellung ist die letzte öffentliche Manifestation meiner Arbeiten" – mit diesen Worten zitierte Christoph Meckel bei seiner Einführung den Künstler Hubertus Kirchgäßner.

Das künstlerische Lebenswerk Kirchgäßners, betonte Meckel, sei von zwei Themen bestimmt worden: Der Philosophie und seiner Dozentur auf der einen, der frühen Beschäftigung mit der Holzschnitzerei und der bildenden Kunst auf der anderen Seite. Seine Theorie habe stets seiner Arbeit entsprochen. In den Nachkriegsjahren sei er einer der wenigen Künstler gewesen, die utopische Perspektiven aufgriffen hätten. Ideologie, Religion und Kosmos prägten sein Werk. Diese Sichtweise habe es Kirchgäßner ermöglicht, mit seinen Arbeiten einen "enormen Raum zu öffnen". Seine Werke seien differenziert und filigran, die Farben dünn und durchlässig aufgetragen. Zum Vergleich nannte Meckel als Antipoden den Norsinger Maler Artur Stoll, dessen Gemälde durch kräftigen, reliefartigen Farbauftrag gekennzeichnet seien.

Kirchgäßners Hauptthema sei stets das Licht gewesen. Licht aber bedürfe einer Form, benötige Haltepunkte und Raster, die ihm Gegenständlichkeit verleihen. Seine "Lichtmalerei" sei konsequent, aber auch "problematisch". Der altmodische, der Romantik eigene Begriff "Künstlertum" treffe auf Hubertus Kirchgäßner zu. Geschäfte machen, sei ihm stets fremd gewesen. Seine Ziele, ästhetische und meditative Werke zu schaffen, habe er erreicht.

Die Vernissage wurde musikalisch umrahmt von Katharina Kirchgäßner (Querflöte) und David Wendeborn (Gitarre), die impressionistische Stücke vortrugen.

Die Ausstellung dauert bis 20. September. Öffnungszeiten im Kunst-Palais: Dienstag bis Samstag, 14 bis 18 Uhr, Sonntag, 10 bis 18 Uhr, in der Marienkapelle ganztägig.