Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

28. November 2016 20:46 Uhr

Barrikaden gegen Bänderer

Freiburger Mensa will das Essen von Resten verhindern

Was andere in der Mensa zurück aufs Band stellen, holen sie wieder runter und essen es auf – die Freiburger Bänderer sind mittlerweile deutschlandweit bekannt. Jetzt will die Mensaverwaltung die studentischen Resteverwerter stoppen.

  1. Carlotta Gabriel und Vera Sale freuen sich auf das gebänderte, vegetarische Mittagessen. Foto: Ingo Schneider

Über die Abstellbänder sollen noch vor Weihnachten Abdeckungen gebaut werden, um das sogenannte Bändern zu verhindern. "Als das Bändern aufkam, ließen wir es erst einmal laufen", sagt Renate Heyberger, stellvertretende Geschäftsführerin des Studierendenwerks Freiburg. "Doch als es ein größeres Phänomen wurde, mussten wir darüber diskutieren."

Das Bändern sei problematisch, da die Mensa für die Essensreste auf dem Band verantwortlich gemacht werden könne. "Die Essensreste sind hygienisch bedenklich. Wenn etwas passiert, haftet der Geschäftsführer." Deshalb hat der Verwaltungsrat entschieden, das Bändern einzustellen. Wieviel die Abdeckungen kosten sollen, ist noch unklar.

Trennwände gegen Bänderer

"Wir verwerten die Reste und die Mensa will das verbieten", sagt Bänderer Chris Hellerich. Eine Zählung des Studierendenwerkes im Frühsommer hat ergeben, dass nur ein Prozent der Teller, die in der Spülküche ankommen, noch voll sind – das schreibt Chris Hellerich den Bänderern zu (Hintergrund). Im Frühjahr hatte die Mensaverwaltung Trennwände aufgestellt, damit es für die Bänderer schwieriger wird, an das Band zu kommen.

Werbung


Die Studierenden pinnten daran Schilder, wie "Die Mauer muss weg!". Auch zahlreiche Medien berichteten. Die Trennwände waren etwas später wieder verschwunden. Bänderer Jonathan Frey sagt: "Kein Bänderer würde sich bei der Mensa beschweren, falls er tatsächlich vom Essen krank würde." Er schlägt vor, eine Art Bänderervertrag mit dem Studierendenwerk zu vereinbaren.

Ernst Tabori, Leiter des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg schätzt die Ansteckungsgefahr der Bänderer generell als gering ein, solange sie eine gesunde Abwehr haben und frisches Besteck benutzen. Rechtlich sei das Bändern kein Diebstahl, sagt Anwalt Norbert Müller. Es sei ungeklärt, wessen Eigentum die Essensreste sind, wenn sie auf dem Band stehen. "Das halbe Schnitzel, zum Beispiel, ist in diesem Moment herrenlos", so Müller.

Erst wenn ein Mitarbeiter der Mensa das Tablett in der Hand hält, ist es eindeutig im Besitz der Mensa. Renate Heyberger vom Studierendenwerk sagt: "Natürlich ist die Ansteckungsgefahr gering." Es sei aber dennoch möglich, dass etwas passiere. Sie räumt ein, dass es unterschiedliche juristische Sichtweisen gebe, doch im Zweifel müsse das Studierendenwerk die Verantwortung tragen. Eines kann und möchte das Studierendenwerk jedoch nicht einschränken: "Wenn Tabletts einfach so weitergegeben werden, liegt das nicht in unserem Verantwortungsbereich", so Heyberger.

"Es ist doch legitim, wenn Menschen die Wegwerfgesellschaft nicht unterstützen" Johannes Mielitz
"Einige Studierende geben ihre Reste direkt an uns", sagt Chris Hellerich. Nur sehr wenige Studierende würden den Bänderern das Essen nicht gönnen und es extra versalzen. Student Johannes Mielitz kann ein Verbot nicht verstehen: "Es ist doch legitim, wenn Menschen die Wegwerfgesellschaft nicht unterstützen." Auch Studentin Sophie Brandt sieht das Bändern als ein gutes Zeichen gegen die Essensverschwendung. Aus Sicht der Mensa könne sie aber nachvollziehen, dass das Bändern hinterfragt werde.

Die Bänderer haben vor, das Phänomen mit ihrer Facebookseite "Die Bänderia" deutschlandweit zu verbreiten. Sie schätzen, dass schon lange vereinzelte Studierende in der Freiburger Mensa die Reste vom Band holen. Eine Gruppe von rund 40 Bänderern sei es aber erst seit rund einem Jahr. Die Studentin Carlotta Gabriel weiß nicht mehr genau, wann sie das erste Mal gebändert hat. "Ich weiß nur noch, dass es so viel Apfelstrudel gab, dass wir das gar nicht alles essen konnten."

Gebändertes Essen wird oft geteilt

Unter den Bänderern sind viele Vegetarier, doch vom Band holen einige auch Fleisch: "Es wäre eine noch größere Sünde, wenn das gestorbene Tier dann noch weggeschmissen würde", sagt Chris Hellerich. Auch die Gemeinschaft sei wichtig. Das gebänderte Essen wird oft geteilt. So müssen sie sich nicht einmal entscheiden, ob sie heute die Blätterteigtaschen, das Truthahnsteak oder doch lieber die Pommes Frites essen möchten.

Mehr zum Thema:

Autor: Elisa Miebach