Kunst

"Daylength of a room": Die Kunsthalle Basel zeigt Werke von Tania Pérez Córdova

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Fr, 02. November 2018

Basel

"Daylength of a room" : Die Kunsthalle Basel zeigt Werke von Tania Pérez Córdova.

Wenn das ein Bild ist – es bröckelt. Und dieser Brotlaib an der Wand scheint auch nicht für die Ewigkeit gebacken. Tania Pérez Córdova zeigt in der Kunsthalle Basel Objekte, die sich langsam auflösen und verschwinden. Eine Pflanze leidet an Pilzbefall, der so genannten Schrotschusskrankheit. Nomen est omen, die Blätter sehen aus, als hätte einer mit der Schrotflinte geschossen. Die Löcher wachsen, am Ende ist das Grünzeug weg. Oder: Hoch an der Wand hängt ein Mundrelief aus Bimsstein. Bei jeder neuen Präsentation verändert sich seine Form. Es wird was weggenommen, Zähne werden sichtbar, die Lippen lösen sich auf: grinsend.

Wieder andere Objekte hat die Mexikanerin eingeschmolzen, um aus dem geschmolzenen Material einen (doch nur fast) identischen Abguss herzustellen. Wir sehen gewissermaßen Kopien ihrer selbst. Würde der Vorgang öfter wiederholt, müsste der Gegenstand allmählich verschwinden, denn bei der Prozedur ist ein geringer Verlust unvermeidlich.

Prozesse, die mit Verlust oder Veränderung einhergehen, sind Córdovas Thema. Verschwinden oder Neubildung, Original und Imitat. Von den als Modeschmuck auf einem Markt in Mexico-City gekauften und an einer Metallstange hängenden Halsketten soll – laut Aussage der Verkäuferin – eine aus Gold sein, auch wenn sie sich nicht sichtbar von den anderen unterscheidet. Zeichnet sich Skulptur für gewöhnlich durch beständige Sichselbstgleichheit aus, so interessiert sich Córdova für ihre Nichtidentität, Veränderbarkeit. Wichtig ist der Faktor Zeit. Zeit als Skulpteurin: die unerbittlichste, die sich denken lässt. In bedrohlicher Nähe zu Córdovas Heimatstadt existieren – tickende Zeitbomben – Vulkane.



Termine: Kunsthalle Basel, Steinenberg 7.
Bis 6. Jan., Di, Mi, Fr 11–18 Uhr,
Do 11–20.30 Uhr, Sa, So 11–17 Uhr