Basel

Grenzüberschreitender Radweg kommt voran

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Mi, 24. Juli 2013

Basel

Der grenzüberschreitende Radweg Basel – Huningue – Weil am Rhein musste schon viele Hürden nehmen.

HUNINGUE. Der durchgehende Fuß- und Radweg von Basel nach Huningue kommt seiner Öffnung wieder ein kleines Stück näher. Diese Woche findet der offizielle Gebietstausch statt, bei dem die Basler Novartis den hierzu benötigten Rheinuferstreifen an das Oberelsässer Departement du Haut-Rhin übergibt. Im Gegenzug erhält der Pharmakonzern das Endstück der Avenue de Bâle, die heute als Sackgasse am Novartis-Campus endet. Bis Ende 2015 soll der neue grenzenlose Weg bis zur Dreiländerbrücke nach Weil am Rhein fertig sein.

Beginnend bei der Basler Dreirosenbrücke, vorbei am Novartis-Areal, dann jenseits der Landesgrenze das Hüninger Industriegebiet streifend, soll der Weg dereinst eine neue Dreilandverbindung des Langsamverkehrs werden. Der jetzt umgesetzte Gebietstausch mit Frankreich, sei aber eine rein administrative Angelegenheit, sagt Richard Horn, Bauamtsleiter von Huningue, und änderte nichts an der Terminierung: "Der Baubeginn hängt nicht von diesem Tausch ab." Die Planungen lägen vor, und mit der Vorbereitung des Grundes habe Novartis im Zuge des Abrisses seiner alten Industriekläranlage "Steih" und der Sanierung des noch vom Vorbesitzer mit dem Insektengift Lindan verseuchten Untergrundes den Radwegbauern bereits in die Hand gearbeitet.

Entsprechend vorbereitet wird der Uferstreifen übergeben, weshalb sich Novartis seinerseits am Radweg beteiligt. Rund vier Millionen Euro soll der insgesamt rund 1,8 Kilometer lange Weg auf französischer Seite kosten und rund 28 Millionen Franken (aktuell etwa 22,5 Millionen Euro) auf Schweizer Seite. Zwar fällt hier nur ein knappes Viertel der Wegstrecke an. Wegen den hier deutlich aufwändigeren Terrassierungen und der Anlage einer Uferpromenade dennoch aber auch die deutlich höheren Kosten. In Frankreich sind die notwendigen Vereinbarungen zwar noch nicht unterzeichnet, mit dem Conseil Général, der Kommunalverband "Communité de Communes de Trois Frontières" und der Stadt Huningue stehen die Finanzierer aber schon fest.

In Basel musste da nicht lange gefeilscht werden, die Kosten trägt der Kanton. Auch hier lief indes nicht alles rund. "Im Prinzip hätten wir unseren Tel des Weges jetzt schon gebaut", erklärt Rodolfo Lardi, Tiefbau-Projektleiter beim Basler Bau- und Verkehrsdepartement. Bereits 2010 war mit dem Rückbau des alten Hafens St. Johann begonnen worden, der Hauptvoraussetzung für den Weg in der Schweiz. Speziell für den Radweg hatte es Ausschreibungen gegeben, vergeben worden waren sie allerdings, weil der Weg nicht seitlich erreichbar ist, nicht an mehrere, sondern jeweils nur an einen Baustofflieferanten und an einen Tiefbauunternehmer. "Die hätten ja sonst immer aneinander vorbei gemusst", erklärt Lardi. Die unterlegenen Mitbieter haben jetzt trotzdem den Klageweg beschritten, was das Projekt bis zum Gerichtsentscheid verzögert. Ein Urteil erwartet Lardi bis zum Ende der Basler Sommerferien.

Probleme und Verzögerungen an allen Ecken und Enden

An Problemen und Verzögerungen hatte es bisher nirgends gemangelt. Bis sich Ende 2008 Novartis für seinen Campus die alte Hüninger Straße einverleibt hatte, gefolgt von einer Sperrung für den öffentlichen Durchgangsverkehr, konnten Radfahrer noch einigermaßen ufernah fahren. Mit der damaligen Straßenübereignung seitens der Stadt Basel an den Pharmariesen waren aber bereits Planungen für eine neue und durchlässige Ufergestaltung verbunden gewesen. Bereits 2006 hatte es auch schon einen ersten Gebietstausch am Basler Hafen St. Johann gegeben, der nun seinerseits in Novartis-Besitz überging. Auch hier war der für die spätere Verbindung vorgesehene Uferstreifen bereits ausgenommen. Die nächste Verzögerung ergab sich dann aus der notwendig gewordenen ufernahen Großbaustelle bei der "Steih"-Sanierung.

Schweres Geschütz hatten 2010 auch die französischen Behörden aufgefahren. Die Präfektur in Mulhouse erklärte den Rheinuferweg als durch die in Huningue arbeitende Industrie und vor allem die deutsche BASF für gefährdet. Aufgrund der hier produzierten und lagernden Stoffe seien die "Seveso"-Richtlinien anzuwenden, hatte der Präfekt erklärt und für den Fahrradweg zunächst keine Genehmigung erteilt. In Huningue reagierten die Stadtverantwortlichen seinerzeit konsterniert und wiesen darauf hin, dass für Radwegbenutzer rein theoretisch auch die Gefahr des Ertrinkens bestehe. Nach längeren Verhandlungen und dem Einlenken des Unternehmens, das Versorgungsleitungen und Tanks unterirdisch verlegen ließ, bekam das Projekt am Ende doch noch grünes Licht. Unerwartet kooperativ erwiesen sich die Behörden dagegen beim Zoll. Auf einen Grenzposten soll am Radweg verzichtet werden.