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20. Mai 2017

Haft für Bauunternehmer

43-jähriger Freiburger, der in großem Stil betrogen hat, muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Der Freiburger Bauunternehmer, der Geschäftspartner und Baugruppen in großem Stil betrogen hat, ist vom Amtsgericht zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Auch am dritten Verhandlungstag konnte das Schöffengericht die Schadenshöhe nicht klären. Es geht wohl um mehr als zwei Millionen Euro.

"Wie bestraft man einen nicht vorbestraften, kooperativen und geständigen Familienvater?", fragte Richter Andreas Leipold, als er das Urteil verkündete. Der 43-jährige Bauunternehmer, dessen Familie ebenfalls im Saal saß, hatte am ersten Verhandlungstag ein Geständnis abgelegt und offenbar Insolvenzverwalter und Polizei bei der Aufklärung geholfen. Doch Leipold erkannte auch eine "hohe kriminelle Energie" in dem Unternehmer. Der habe sich erst, als nichts mehr zu verschleiern war, selbst angezeigt. "Er hatte hinreichend Möglichkeiten, früher die Reißleine zu ziehen", so Leipold.

Der Geschäftsführer mehrerer Unternehmen, die sich vor allem um die Betreuung von Baugruppen kümmerten, wurde für Untreue in 17 Fällen, Betrug in zwei Fällen sowie Urkundenfälschung verurteilt. So hatte er Geld der Baugruppen umgeschichtet, um finanzielle Löcher zu stopfen; ein Geschäftspartner hatte in Projekte investiert, die es entweder nicht gab oder die bereits finanziert waren. Verteidiger Christoph Kuhlmann sprach in seinem Plädoyer von einer "groben Fahrlässigkeit und Sorglosigkeit" der Geschädigten. "Eine geschickte Täuschung sieht anders aus", so Kuhlmann.

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"Zig Variationen"

zur Höhe des Schadens

Dieser Argumentation folgte der Richter nicht. "Von grober Fahrlässigkeit zu sprechen, finde ich nicht in Ordnung", so Leipold. Für eine Täuschung brauche es immer jemanden, der die Lüge glaubt. Der 43-Jährige habe langjähriges Vertrauen ausgenutzt und über seinen Verhältnissen gelebt. Mit Privatentnahmen kaufte er eine Ferienwohnung und Autos oder reiste nach Australien. Den Schaden, den er angerichtet habe, werde er nicht mehr komplett begleichen können. Keine Freiheitsstrafe auszusprechen, würde in der Öffentlichkeit auf wenig Verständnis stoßen, so Leipold, der sich weitgehend Staatsanwalt Ralf Langenbach anschloss. Der hatte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren gefordert und konnte keine geminderte Schuldfähigkeit des Mannes sehen. Denn zuvor hatte ein medizinischer Sachverständiger ausgesagt, der zwar "depressive Episoden" feststellte, aber keine Hinweise auf manisches Verhalten.

Die Höhe des Schadens konnte auch mithilfe des Insolvenzverwalters nicht geklärt werden. Vor allem ging es um die Projekte "New Wave" in St. Georgen und "Am Radacker" in Haslach, die fertiggestellt wurden. Letzteres lobte Richter Leipold als "super Projekt, das einen Überschuss gebracht hätte, wenn Sie nicht Geld zweckentfremdet hätten". Nun aber gebe es "zig Variationen" zur Höhe des Schadens, so der Richter. Allein eine Baugruppe habe einen Schaden im hohen sechsstelligen Bereich, so Staatsanwalt Langenbach, ein Geschäftspartner sei um mehr als eine Million Euro geschädigt.

Der 43-Jährige arbeitet derzeit als Bauunternehmer in Freiburg. "Die Strafe ist schlimm für Sie", stellte Leipold fest. Da keine Fluchtgefahr bestehe, hob der Richter den Haftbefehl auf. Ob der Unternehmer Berufung beim Landgericht einlegt, sei noch nicht entschieden, sagte Verteidiger Kuhlmann, der eine Bewährungsstrafe gefordert hatte.

Autor: Sina Gesell