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01. Februar 2011 18:45 Uhr

Hilfloser 14-Jähriger

Behinderter Junge auf Irrfahrt durch Südbaden – Bahn will Geld für Ticket

Er hat das Down Syndrom, ist in fremder Umgebung hilflos: Ruben Zogalla geht bei einem Ausflug verloren und irrt mit dem Zug durch Südbaden. Als er kontrolliert wird, hat er kein Ticket. Der Schaffner lässt den behinderten Jungen weiterfahren – und der soll jetzt zahlen.

  1. Mit einem Regionalzug irrte ein 14 Jahre alter behinderter Junge durch Südbaden. Foto: Ingo Schneider

Den 5. Oktober 2010 wird Familie Zogalla nicht vergessen. Ihr 14-jähriger Sohn Ruben war mittags bei einem Schulausflug von Emmendingen aus in Freiburg verloren gegangen. Als die Klasse vom Zug in die Straßenbahn stiegt, wurde bemerkt, dass der Junge fehlte. Möglicherweise war er einfach sitzen geblieben. Ruben hat das Down-Syndrom, ist alleine in fremder Umgebung völlig hilflos.

Spätabends fand ihn eine Bahnpolizistin auf dem Freiburger Hauptbahnhof. Ende gut – alles gut? Keineswegs. Anfang November forderte die Deutsche Bahn eine Fahrpreisnacherhebung über 59,50 Euro. Ruben war am 5. Oktober in Weil kontrolliert worden. Und obwohl er mit Hilfe von Polizei und Medien gesucht wurde, hatte der Kontrolleur den Jungen alleine weiterfahren lassen.

Polizei sucht nach dem Jungen

Die Zogallas leben in Sasbach. Dass Ruben an jenem Dienstagmittag in Freiburg verloren gegangen war, erfuhr die Mutter am Nachmittag von der Polizei. Die Lehrerin hatte am Mittag am Servicepoint der Bahn gemeldet, dass Ruben fehlte. Vom Servicepoint aus wurde die Polizei alarmiert. Und dort fährt, so Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid, sofort der ganze Apparat hoch.

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Fast täglich laufen Vermisstenmeldungen auf: "Fast alle gehen gut aus, aber wir nehmen jede einzelne sehr ernst." So auch die Vermisstenmeldung im Oktober 2010. Sofort sei klargewesen, dass man in diesem Fall "sehr intensiv einsteigen" müsse, bestätigt Karl-Heinz Schmid, Ruben Zogalla wurde zur öffentlichen Fahndung ausgeschrieben.

Von Schaffner in Weil kontrolliert

Als wenig später seine Mutter auf dem Bahnhof verzweifelt Ausschau nach Ruben hielt und nach ihm rief, habe das Bahnpersonal verständnislos reagiert, erzählt sie: "Mit fünf Mitarbeitern habe ich dort gesprochen, freundlich war keiner. Überall wurde nach ihm gesucht, ausgerechnet die Bahn hat ihn offensichtlich abends im Zug gefunden und nicht zurückgebracht."

Nicht "die Bahn", sondern ein Kontrolleur der Bahn muss Ruben Zogalla an jenem Abend im Zug bei Weil am Rhein gefunden und seine Papiere überprüft haben. Nur im Behindertenausweis habe man Auskunft über Namen und Adresse seines Sohnes erhalten können, erklärt der Vater, Thomas Zogalla.

Vater schreibt an die Bahn

Auf seine fristgerechte Einlassung bei der Bahn am 8. November kam erst am 13. Januar ein weiteres Schreiben – ohne auf die Erwiderung des Vaters Bezug zu nehmen. Der hatte darauf hingewiesen, dass ein 100 Prozent schwerbehinderter junger Mensch, der sich verirrt habe, kaum einen gültigen Fahrausweis bei sich führen könne: "Wir bitten Sie von Ihren Zahlungsforderungen abzusehen. Ein geistig behinderter Mensch kann nicht verantwortlich gemacht werden für ein Fahren ohne gültigen Fahrschein."

Für eine Stellungnahme zum Verhalten des Kontrolleurs und auch zur Bearbeitung des gesamten Vorfalls wird derzeit bei der Deutschen Bahn recherchiert. Auf die Schnelle wolle man zu dieser Sache nichts sagen, heißt es in der Pressestelle.

Die Fristsetzung von Thomas Zogalla, der eine Antwort auf sein Schreiben zum 31. Januar erwartet hatte und der wissen wollte, wieso der mit einem H im Ausweis als hilflos ausgewiesene 14-Jährige nicht vom Kontrolleur geborgen wurde, hat die Bahn geflissentlich ignoriert. Vermutlich ist Ruben bis nach Basel mit der Regionalbahn gefahren – erzählen kann er es nicht. Für die Familie ist die Auseinandersetzung mit der Bahn schwer: "Der ganze Tag ist uns wieder so vor Augen."

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Autor: Julia Littmann