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18. Februar 2011

"Behüt’ dich Gott!"

Ex-Schultes Adrian Schmidle plant Murger Westerweiterung und will zum OB aufsteigen, vermag damit aber nicht zu punkten / Keine Gnade vor dem Narrengericht.

  1. Der Murger Bürgermeister Adrian Schmidle wurde von der Narrenzunft seines Amtes enthoben und abgeführt. Foto: Felicitas Rohrer (froh)

  2. Der Murger Bürgermeister Adrian Schmidle wurde von der Narrenzunft seines Amtes enthoben und abgeführt. Foto: Felicitas Rohrer (froh)

  3. Der Murger Bürgermeister Adrian Schmidle wurde von der Narrenzunft seines Amtes enthoben und abgeführt. Foto: Felicitas Rohrer (froh)

MURG. Das hohe A, wie es die Originalkomposition von Victor Ernst Nessler setzt, ist selbst für Könner nur schwer zu spielen. Von daher gibt’s keinen Anlass zu meckern. Sonst war es geradezu meisterhaft, wie der Murger Schultes Adrian Schmidle zu seiner Entmachtung gestern, am ersten Faißen, im Gewand des nachbarstädtischen Trompeters das "Behüt’ dich Gott" blies. In einer feschen Bildschirmpräsentation propagierte "Adi" Murgs "Erweiterung West" – mit Bad Säckingen als designiertem Ortsteil "auf der selben Ebene wie Hänner zum Beispiel". Er, Schmidle, wäre dann wohl OB und würde etwas mehr verdienen als bisher, aber unterm Strich komme das allemal günstiger als zwei Bürgermeister.

"Auf ganzer Linie versagt."

Ankläger Johannes Dietrich

über Delinquent Schmidle
Das alles nutzte nichts. Nach der Verhaftung Schmidles im Rathaus blieb das Narrengericht unter dem Vorsitz von Präsident Armin I. ("So einen Größenwahn gab es vor 70 Jahren schon mal, das war kein Niederhöfler, sondern ein Österreicher") im Rheinischen Hof hart. Es folgte der Anklage von Zeremonienmeister Johannes Dietrich, der Schmidle vorwarf, "auf ganzer Linie versagt" zu haben. Zur Strafe muss der Delinquent am Fasnachtssamstag den Dämmerumzug zur Strabufa per Digitalkamera festhalten und hernach mit einer Bildstrecke im Amtsblatt dokumentieren.

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Ja, der Schmidle und Bad Säckingen – das ist so eine Sache. Dass das Oberhaupt von Murg statt des Neujahrsempfangs "seiner" Narren lieber den der Kurstädter besucht, kommt zunftmäßig schlecht an. Dass er "vom knallharten Sanierer zum Münsterplatzflanierer" mutiert sei, war einer der Anklagepunkte Dietrichs ("Verletzung der Anstandspflicht"). Ebenso wie "maximaler Dilettantismus in Tateinheit mit schwerer Planlosigkeit" bei der Einberufung von Ortschaftsratssitzungen nach Abschaffung der Ortsverwaltungen sowie "versuchte plumpe Blenderei" mit einem neuen Dienst-BMW.

Der dieserart Gescholtene versuchte nicht nur mit der Vision des neuen Wälder-Imperiums zu punkten, für das er schon die alte Holzbrücke ins Murger Ortsbild projiziert, ein Gemeindewappen mit den Münstertürmen ("em Berg si Hütte") kreiert und das Fröscheloch-Echo zur Stadtmusik erhoben hatte. Zudem gelobte er auf Dietrichs Vorhalt ("Förster, bleib bei deinen Leisten"), keinerlei Ambitionen auf einen Westwärtswechsel zu haben: "Murg liegt mir am Herze, do ka mer no öbbis bewege." Das verfing aber ebenso wenig wie sein Sparvorschlag, in Hänner ob der immer kürzer werdenden Ratssitzungen die Bestuhlung aus dem Sitzungssaal zu entfernen ("Die paar Minuten können sie auch stehen").

"Ich kann das Volk regieren,

ich weiß, wo’s langgeht."

Narrengötti und Dekan Peter Berg
Scharfrichter Armin Eschbach wertete die Einlassungen Schmidles als "hilflose Erklärungsversuche". Und so war der einst stolze Bürgermeister "nur noch der Junge mit dem Blechinstrument aus dem Fröscheloch", wie Dietrich es nannte, als er ihm – in Anspielung auf rechtschreibmangelhafte Murger Straßennamensschilder – immerhin noch den "Atrian-Schmietlä-Weg" widmete.

Großen Gefallen am Geschehen fand Narrengötti und Dekan Peter Berg ("Der Säckinger Narrenmarsch isch einfach schön"). Kaum hatte es 11 Uhr 13 geschlagen, die Zunft das Rathaus gestürmt und Schmilde den Chefsessel geräumt, thronte der Geistliche auch schon dortselbst, um gar selbstbewusst zu verkünden: "Wenn es Armin I. nicht bringt, wählt einen König. Ich kann das Volk regieren, ich weiß, wo’s langgeht."

Autor: Winfried Dietsche