Glücksfall

Bei Bauarbeiten tauchen Reste des Binzener Schlosses auf

Markus Maier

Von Markus Maier

Mi, 16. Mai 2018 um 16:17 Uhr

Binzen

Die Entdeckung kommt einer kleinen Sensation für das Dreispitzdorf gleich: Bei Bauarbeiten in der Schlossgasse sind Überreste vom Mauerwerk des einstigen Binzener Schlosses gefunden worden.

Der Fund trat bei Vorbereitungen für den Anbau an ein Wohnhaus in der Schlossgasse an der Ecke zur Trasse der Museumsbahn zu Tage. Diese Mitteilung machte jetzt Binzens Bürgermeister Andreas Schneucker in der jüngsten öffentlichen Gemeinderatssitzung vom Dienstagabend.

Als einen Glücksfall bezeichnet denn auch der beim Regierungspräsidium Freiburg zuständige Gebietsreferent des Denkmalschutzes für den Landkreis Lörrach, Andreas Haasis-Berner, den Fund gegenüber der Badischen Zeitung. Dass die gefundenen Mauerreste klar dem einstigen Hauptgebäude des Schlosses zugeordnet werden können, nach dessen genauem Standort seit langer Zeit gesucht wurde, sei sicher, sagte Haasis-Berner auf Anfrage der Badische Zeitung.

Ortstermin soll Klarheit schaffen

Zum weiteren Verfahren und zur Vorgehensweise im Zuge der Sicherung der archäologisch durchaus wichtigen Funde mochte der zuständige Fachmann der Freiburger Mittelinstanz für Mittelalterarchäologie und Archäologie der Neuzeit zum jetzigen Zeitpunkt indes keine näheren Angaben machen. Er verweist dabei auf einen Ortstermin am Montag, 4. Juni, bei dem die Funde vorgestellt und näher erläutert werden sollen.

Wer Interesse daran hat: Der Termin ist für 15 Uhr auf dem Baustellengelände angesetzt, auf dem derzeit im Übrigen nicht weiter gebaut wird. Der Termin sei bereits soweit abgestimmt, der Eigentümer habe ihn indes noch nicht bestätigt, so Schneucker, der darauf verweist, dass die ganze Angelegenheit von großem öffentlichen Interesse sei.

Bauarbeiten vorerst eingestellt

Dass die Bauarbeiten vorerst eingestellt sind, in deren Rahmen ein Anbau an ein bestehendes Wohnhaus in die Höhe gezogen werden soll, sagte Bürgermeister Andreas Schneucker am Donnerstagabend unter dem Tagesordnungspunkt "Bekanntgaben" auch gegenüber den Mitgliedern des Gemeinderates. Bei dem oben angegebenen Termin soll auch erörtert beziehungsweise aufgezeigt werden, wie es auf der Baustelle mit den historischen Funden weiter gehen wird.

Als Glücksfall bezeichnete es der Bürgermeister in der Ratsrunde, dass der Bauherr keine Unterkellerung des Gebäudes plant, was die Sicherung der Funde erleichtere. Weil der Bau indes nicht auf Dauer gestoppt werden könne, müsse man sich auf Seiten der Denkmalschützer überlegen, welche Sicherungsmaßnahmen für die uralten Gebäudereste unternommen werden können.

Schlossüberreste sollen erhalten bleiben

Dass die Schlossüberreste – wie auch immer – von ihrer Bedeutung her erhalten bleiben müssen, bestätige auch Haasis-Berner. Der erläuterte gegenüber der Badische Zeitung auch, wie man dem Fund unter der Grasnarbe letztlich auf die Spurt gekommen ist: Weil nämlich im Flächennutzungsplan ein Hinweis gegeben sei auf mögliche Funde in diesem Bereich, die für die Archäologie interessant sein könnten, habe man die Baustelle genauer unter die Lupe nehmen müssen.

Wie Historiker Hubert Bernnat in seiner aktuellen Binzener Geschichte der Gemeinde aufgearbeitet hat, lasse sich eine Burg 1405 urkundlich sicher nachweisen, deren Anfänge sich indes sogar im 12. oder 13. Jahrhundert vermuten ließen. Aus der Burg als Wehr- und Schutzbau wurde im Laufe der Zeit ein Schloss, als Sitz der weltlichen Verwaltung. Schon der Heimatforscher Hans Hügel hatte sich zeitlebens mit dem Binzener Schloss beschäftigt.