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14. Januar 2014 00:00 Uhr

Südschwarzwald

Belchen: Absturz und Tod eines Dreijährigen werfen Fragen auf

Tod am Belchen: Nachdem ein Junge am Sonntag in den Tod gestürzt ist, sind noch viele Fragen offen. Die Bergwacht gibt Details von der Rettung preis – und erklärt, wie man im Schwarzwald sicher wandert.

  1. Der Vater konnte mit Hilfe des Schweizer Rettungshubschrauber "Rega 2" geborgen werden. Foto: dpa

  2. Bei dem Sohn konnten die Retter nur noch den Tod feststellen. Foto: dpa

  3. Blick auf die Belchen-Nordwand. Hier soll der Junge in den Tod gestürzt sein. Foto: Manfred Lange

  4. Die Rettungshubschrauber im Einsatz auf dem Belchen. Foto: Andreas Steiger/Bergwacht

Eine generelle Warnung für den Belchen möchte die Bergwacht Schwarzwald nicht aussprechen. Zu unklar ist noch, wie genau es zu dem Absturz auf dem 1414 Meter hohen Berg kommen konnte, der am Sonntag einen Dreijährigen das Leben gekostet hat. "Wir wissen nicht, was genau passiert ist. Daher können wir keine konkreten Vorschläge machen, wie man so einen Unfall in Zukunft verhindern kann", sagt David Vaulont, Pressesprecher der Bergwacht.

Klar ist: Der Junge stürzte in Nähe des Gipfels an der Nordseite beim Spielen ab. Das Polizeipräsidium Freiburg weiß inzwischen: Der Dreijährige hat nicht auf dem Wanderpfad herumgetollt, sondern auf der Wiese daneben. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Steilhang. Den muss der Junge nach Informationen der Polizei hinabgestürzt sein. "Vom Wanderweg selbst geht keine Gefahr aus", erklärt Laura Riske, Pressesprecherin der Polizei. Mehr will sie derzeit nicht sagen. Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen zum Unglücksfall aufgenommen, um den konkreten Ablauf zu klären.

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Am Sonntagmittag war der Junge am Belchen abgestürzt und zu Tode gekommen. Mit seinen Eltern und Großeltern aus dem Kreis Breisgau-Hochschwarzwald hatte er einen Ausflug unternommen. In ersten Meldungen war davon die Rede, der Dreijährige sei 700 Meter tief gefallen. Dabei handelt es sich jedoch um die Strecke, die der Junge bei seinem Sturz zurückgelegt hat, nicht die Höhenmeter. Seinen toten Körper hat die Bergwacht etwa 300 Höhenmeter unterhalb der Absturzstelle geborgen.

Der Vater ist außer Lebensgefahr

Der Vater war bei dem Versuch, seinen Sohn zu retten, ebenfalls abgestürzt. Den 36-Jährigen konnte die Bergwacht nach einer aufwändigen Suche retten. Ein Luftretter der Bergwacht Schwarzwald barg den Schwerverletzten, indem er sich über eine Seilwinde vom Schweizer Rettungshubschrauber"Rega 2" abseilte. Anschließend flog man den Schwerverletzten in die Freiburger Uniklinik. Nach Informationen der Polizei befindet sich der Vater außer Lebensgefahr. Bis auf Weiteres muss er aber im Krankenhaus bleiben.

An der Rettung waren knapp 30 Bergretter der umliegenden Ortsgruppen der Bergwacht Schönau, Münstertal und Wieden im Einsatz. Der Einsatzleiter hatte sie per Piepser alarmiert, als er die Ausmaße der Rettungsaktion übersehen konnte. Zunächst war unklar, wo sich die Abgestürzten befanden. Mithilfe zweier Rettungshubschrauber, einem aus Freiburg und einem aus der Schweiz, fand man sie.

Der Basler Helikopter "Rega 2" ist der einzige in der Region mit einer Seilwinde. Bei aufwändigen Bergrettungen kann man darüber Helfer abseilen. "Wir hatten Glück, dass Basel den Hubschrauber nicht selbst gebraucht hat", sagt Vaulont. Die Zusammenarbeit mit den Schweizer funktioniere zwar gut. Die Bergwacht Schwarzwald wünsche sich aber schon seit Langem, dass es auch im Land Baden-Württemberg einen Hubschrauber mit Seilwinde gibt. "Wenn einmal gleichzeitig Rettungen bei uns und in der Schweiz notwendig sind, stehen wir ohne da", so Vaulont.

Die Stelle, an der Vater und Sohn in die Tiefe gestürzt waren, hatte Mirko Friedrich, Landesleiter Bergrettung der Bergwacht Schwarzwald, am Sonntag als stark vereist beschrieben. Die Einsatzkräfte hätten dort nur mit Steigeisen sicher arbeiten können.

Gefahren des Schwarzwalds dürfen nicht unterschätzt werden

Vor besonders gefährlichen Stellen im Schwarzwald möchte die Bergwacht nun nicht warnen. Das führe nur dazu, dass Wanderer an anderen Orten unvorsichtiger sind und sich fälschlicherweise in Sicherheit wiegten. "Der Schwarzwald wird häufig unterschätzt. Auch hier gibt es durchaus alpines Gelände und die entsprechenden Gefahren", sagt David Vaulont. Allgemein rät der Sprecher der Bergwacht, sich in den Bergen vorsichtig und vorausschauend zu bewegen.

Dazu gehöre, auf besondere Gegebenheiten wie etwa Schnee, Eis und Glätte achtzugeben. Und im Zweifelsfall auch mal umzudrehen. Eine gute Ausrüstung umfasst laut Vaulont "gutes Schuhwerk, ein aufgeladenes Handy, Kleidung für einen Wetterumschwung und für den Notfall eine Rettungsdecke und Verbandszeug". Falls ein Mitwanderer abstürze oder sich verletze, gelte Folgendes: "Bloß nicht durch waghalsige Rettungsaktionen das eigene Leben in Gefahr bringen. Lieber die 112 anrufen und auf professionelle Hilfe warten."

Zum Unglücksfall am Belchen hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Mögliche Zeugen, die sich am 12. Januar nahe der Unglücksstelle aufgehalten haben, werden gebeten, sich mit der Kriminalpolizei (0761-8824884) in Verbindung zu setzen.

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Autor: Charlotte Janz