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18. August 2014 12:42 Uhr

Ettenheim

Belebungsversuch: Dorfladen kehrt zurück ins Dorf

Vier Frauen aus Wallburg erfüllen sich einen Traum: Im ehemaligen Archivraum des Rathauses haben sie einen Dorfladen eröffnet. Ein Café soll folgen – und zum Treffpunkt des Ortes werden.

  1. Auch das Auge kauft mit. Foto: Erika Sieberts

  2. Das Quartett, das in Wallburg dem Dorfladen zur Renaissance verhilft (von links): Gundula Schreiner, Gudrun Rieger, Jutta Schächner und Isolde Stark. Foto: Erika Sieberts

Die Kundschaft kommt selbst nach einem heftigen Regenguss, der die Baustelle in der Oberdorfstraße zu einem braunen Bach verwandelt hat. Vor dem Dorfladen am Rathaus wird beim ersten Sonnenstrahl der Sonnenschirm aufgespannt und der einzige Tisch mit vier Klappstühlen aufgestellt. "Mehr haben wir nicht", sagen die vier Frauen, die sich kurz vor Ladenöffnung, am Freitag, um 14.30 Uhr getroffen haben. Seit ein paar Wochen gibt es in Wallburg wieder einen Dorfladen. Geführt wird er ehrenamtlich. Er soll sich zum Treffpunkt des Ortes entwickeln.

Jutta Schächner, Isolde Stark, Gudrun Rieger und Gundula Schreiner stehen in ihrem Geschäftsraum, und es passt kaum jemand dazu. "Es sind gefühlte sechs Quadratmeter", sagt Jutta Schächner und Isolde Stark lacht: "Wir können also immer sagen, unser Laden war voll." Es dauert keine fünf Minuten, da erscheint das Gesicht des ersten Kunden vor der offenen Tür: Wolfgang Marko gibt, auf seinem Mountainbike sitzend, eine kurze Bestellung auf: "Legt mir ein Brot und zehn Eier zurück. Um vier bin ich zurück und hole die Sachen ab."

Der Laden soll das Dorf beleben

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Der frischgebackene Kuchen wird angeschnitten, Kaffee ausgeschenkt, und die nächsten Kunden nehmen draußen Platz, nachdem sie ihren Einkauf erledigt haben. Heute gibt es frischgebackenes Brot, Hefezopf, im Kühlschrank stehen frisch zubereitete Aufstriche mit Tomaten oder Lachs sowie frisch gemachter Eierlikör. In den Weinkisten lagern Eier, Kartoffeln, "eine gewisse Grundausstattung", sagt Gundula Schreiner, die heute Dienst hat.

Die vier Frauen, unterstützt von zwei Männern, Lothar Wild und Herbert Pfeifer, die sich teilweise auch um den Laden kümmern, schieben ehrenamtlich Dienst, um das Dorfleben und den Absatz der selbst erzeugten Waren zu beleben. "Wir haben im Ortschaftsrat mitbekommen, dass die Gemeinde diskutierte, was mit dem Archivraum geschehen soll", sagt Isolde Stark. Da hatten wir diese Idee. Sie sei selbst Mitglied des Ortschaftsrats, ebenso Gudrun Rieger, die in Abstimmung mit den Kolleginnen und Kollegen die Idee formten, einen kleinen Laden zu eröffnen. Und so wird seit Juni jeden Freitag von halb drei bis 18 Uhr die Tür aufgeschlossen, der Schirm aufgespannt, und es kommen immer mehr, die die Sache unterstützen.

Ingrid Seifert kauft heute Kartoffeln und einiges mehr. "Ich habe seit der Eröffnung des Ladens erst ein Mal gefehlt", sagt sie und hat sichtlich Spaß, sich über die Produkte zu unterhalten. Denn neben den verderblichen Sachen ist ein alter Bauernschrank hübsch dekoriert mit Gläsern aller Art, darin Honig, Marmelade, Kuchen, Gewürzmischung, Öle, Brotaufstriche, Schnäpse, Liköre, Sirup, Apfelsaft, Vanillezucker, Meringe. "Alles selbstgemacht", beteuern die Damen.

Dorfcafé soll sich zum Dorftreff mausern

Auch das Brot entstammt nicht einer Backmischung, sondern sei selbst zusammengestellt, mit Sauerteig und Körnern. Je nach Saison werden im Laden auch Beeren und Früchte angeboten.

Das Angebot richtet sich weniger an die Grundversorgung der Dorfbewohner, sondern danach, eigene Produkte zu verkaufen. "Wir wollen das Geld im Dorf lassen", sagt Ingrid Seifert. Die diensthabende Verkäuferin freut sich über die unterstützenden Worte und die treue Kundschaft.

Wie es weitergehen soll? "Ein größeres Angebot können wir wohl nicht anbieten", sagt Jutta Schächner. "Dazu ist der Laden zu klein." Wenn die Sitzplätze draußen nicht reichen, steht noch die Bank vor dem Rathaus zur Verfügung. "Mehr als die Klappstühle und den einen Schirm können wir hier nicht verstauen."

Der Winter wird eine Herausforderung

Die Enge wirkt aber auch charmant: Über einen alten Sandsteinboden wölbt sich weiß gekalktes Gemäuer. Vorne eine Tür, ein Fenster, nach hinten raus ein Kippfenster, Stromanschluss, kein Ofen. "Mal sehen, wie wir über den Winter kommen", sagen die Frauen. "Das wird die große Herausforderung."

"Wir verlangen zunächst einmal keine Miete für den Raum", sagt Ortsvorsteher Manfred Schöpf auf Anfrage. Erst müsse man abwarten, wie sich der Laden entwickelt, der von einer Person als Kleingewerbe angemeldet ist. Schön wäre es, ein Café als Dorftreff aufzubauen. Dann könne man sich auch über ein größeres Raumangebot unterhalten. Zunächst sei wichtig, dass möglichst viele Bürger das Projekt unterstützen.

Info: Dorfladen Wallburg, Oberdorfstraße 6, geöffnet Freitag, 14.30 bis 18 Uhr.

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Autor: Erika Sieberts