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24. Oktober 2008 13:56 Uhr

Konzertzur Ausstellung "Exodus" in Badenweiler

Berührung im Innersten

300 Egli-Figuren bildeten die Kulisse zum gut besuchten Konzert der Sängerin Agnes Erkens in der Evangelischen Paulus-Kirche in Badenweiler im Rahmen der Veranstaltungsreihe zur Ausstellung "Exodus". 

  1. Agnes Erkens mit einer musikalischen Reise zu der die Exodus-Ausstellung in der evangelischen Pauluskirche. Foto: Martina Faller

BADENWEILER. Und vom ersten Ton an schien es, als verleihe die Sängerin mit den Liedern aus ihrem Programm "chai, ani ohevet otcha"  diesen Figuren eine Stimme. Denn während die Figuren in eindrücklichen, aber stummen Bildern biblische Geschichte nacherzählen und in 18 Stationen die lange Reise des Volkes Israel aus der Unfreiheit in Ägypten ins gelobte Land schildern, begeben sich Agnes Erkens und ihre Musiker, Steve Nobles und Alessandro Palmitessa, mit Gesängen und Klängen auf eben diese Reise. Anschließend spannt sich der musikalische Bogen, eindrücklich moderiert von der Schauspieler Vreneli Busmann, mit dem Hohelied des Salomo weiter über die Zeit des Tempelbaus und der Blütezeit des israelitischen Volkes hin zum Goldenen Zeitalter, als die jüdische Musik und Poesie in der Verschmelzung mit der spanisch-orientalischen Einflüssen einen neuen Höhepunkt erlebte.  

Die raumfüllende und doch anrührende Stimme der Mezzosopranistin, deren Timbre wie für den Stil der jüdischen Lieder gemacht ist, schlägt das Publikum dabei sogleich in ihren Bann und bringt zusammen mit dem Pianisten Steve Nobles und dem Klarinettisten Alessandro Palmitessa die Luft in der Pauluskirche zum Schwingen. Virtuos verstehen es die Musiker ihren Instrumenten verschiedene Klangfarben zu entlocken, sich mal dem ruhigen und innigen Duktus eines Psalmes unterzuordnen, mal bewegt, nach Klezmer-Art ergreifend zu schluchzen oder fröhlich und kraftvoll aufzuspielen.

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Den Zugang zur jüdischen und christlichen Musik hat sich die Sängerin in Studien der Geisteswissenschaften und Weltreligionen erschlossen. In Israel, den USA, Spanien,  Portugal und den arabischen Ländern rund um das Mittelmeer sammelte sie überliefertes jüdisches, biblisch-hebräisches und sephardisches Liedgut und baute daraus einen einzigartigen Fundus auf, der zu einer musikalischen Reise zu den gemeinsamen Wurzeln des Judentums, Christentums und des Islam wurde.

Dieses gemeinsame Erbe neu zu beleben und zu vermitteln, ist die Intention ihrer Arbeit. Und mit ihrem klaren, ausdrucksstarken Gesang gelingt es ihr tatsächlichdas Publikum in der Pauluskirche so im Innersten zu berühren, dass es ihm schwerfällt, sich an das Gebot, erst nach Ende des Programmteils zu applaudieren, zu halten. Eine Enttäuschung gab es allerdings: Die CD zum Programm war schon ausverkauft.

Autor: Martina Faller