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20. Februar 2015

Bildende Kunst trifft auf Pädagogik

Schüler fragen: "Was kann ich Sinnvolles aus der Ausstellung mitnehmen?" / Begegnungen und Workshops im Georg-Scholz-Haus.

  1. Kunst ist, wenn ich für ein Kritzelbild 300 Euro verlangen kann?! - Ein Einkaufswagen als Symbol für die Frage nach Kunst und Konsum. Foto: Ernst-Hubert Bilke

WALDKIRCH. In Kooperation mit den Schulen des Elztals will das Georg-Scholz-Haus Kunstforum jungen Menschen die Gelegenheit geben, zeitgenössische Kunst vor Ort zu erleben. Mit den Klassen 6a und 9c des Geschwister-Scholl-Gymnasiums startete das kunstpädagogische Projekt. Bei der Begegnung mit Kunst setzte sich die Klasse 9c in der aktuellen Doppelausstellung mit Werken von Beate Spitzmüller und Robert Würth auseinander.

Mit einführenden Worten zu Georg Scholz, der sich während der NS-Zeit als sogenannter entarteter Künstler in Waldkirch zurückgezogen und 1938 für die Stadtkapelle die Kreuzwegbilder geschaffen hatte – und auch kurz Bürgermeister der Stadt war – begrüßten Volker Lindemann, Vorsitzender des Kunstforums, und Helga Bauer vom Vorstand, Katrin Bejenke-Wülfert und ihre Klasse im Georg-Scholz-Haus.

Luis Welker hielt ein Referat zur Person Beate Spitzmüller und zu ihren ausgestellten Werken, wie digital bearbeiteten Fotos und eine Serie von "Kritzelbildern". Er arbeitete die "Natur als tragende Rolle" in ihren Arbeiten heraus. Beate Spitzmüller lasse durch ihre eigene Sicht der "Dinge", der "Natur" diese ins "Geheimnisvolle" versetzen, und erschaffe so eine bestimmte künstlerische Atmosphäre. Es gelang ihm seine Mitschüler auch an die Serie von "Kritzelbildern" heranzuführen, die nur minimale Veränderungen des Liniengefüges von Bild zu Bild zeigen. Das war Ausgangspunkt für den workshop seiner Lehrerin, welche die Klasse aufforderte, in vorgegebenen drei Minuten mit dem Bleistift nur Punkte und Linien zu Papier zu bringen, um sich auf das im Referat erklärte Konzept einzulassen.

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Jonathan Siegel wendete sich Person und Werk von Robert Würth zu. Er ging auf die Literatur ein, die Würth zu seinen Werken inspirierte. Würth hat den Wald als Ereignisort von zeitlichen Veränderungen aufgefasst, wobei er die Komplementärkontraste der Farben Rot und Grün einsetzte. Würth überträgt alte, vertraute Teile der Symbolsprache aus der Literatur neu und unvertraut auf die Leinwand. Schneewittchen ruht bei ihm nicht in einem Glassarg, sondern in einer Kühltruhe. Für den Workshop dazu verteilte Katrin Bejenke-Wülfert verschiedene Objekte, wie einen Blumentopf oder ein Skizzenbuch, an Kleingruppen mit der Aufgabenstellung diese Reproduktion von Gegenständlichkeit wahrzunehmen. So war in einem Bild von Würth ein Blumentopf zu finden, von Würth verzerrt dargestellt wie durch eine Bildstörung bei der Übertragung von TV-Signalen.

Die Schülergruppe mit dem Skizzenbuch hatte eine Seite mit einer Art Einkaufswagen aufgeschlagen. Ihre doppeldeutige Interpretation des Einkaufswagens gipfelte in der Frage: "Was nimmt man hier mit"?, "Würde ich hier ein Bild kaufen?", "Was kann ich Sinnvolles aus der Ausstellung mitnehmen?", "Was ist überhaupt Kunst?".

Katrin Bejenke-Wülfert fand die Vorbereitung der 90-minütigen Kooperation und deren Ergebnis spannend: "Man kann mit allen Klassenstufen alles besprechen, es ist nur die Frage wie?" Verbindendes Element zur aktuellen Ausstellung war das Thema "Linoldrucktechnik", die im Unterricht behandelt wurde. "In Zukunft wird es ein fester Bestandteil des Begleitprogramms der Ausstellungen im Georg-Scholz-Haus sein, am Ende Werke zu präsentieren, die in solchen Workshops, wie mit der Klasse 9c, entstanden sind", erklärte Helga Bauer: "Die Ausstellung im Spiegel der Schülerinnen und Schüler".

Informationen: Sonntag, 22. Februar,

10 Uhr: Lesung der Schreibnacht-Texte in der Ausstellung; 11 Uhr: Finissage.

Öffnungszeiten der Ausstellung sind: jeden Donnerstag, 17 -20 Uhr, Freitag und Samstag 15-18 Uhr, Sonn- und Feiertage 10-13 Uhr

Ansprechpartner für die kunstpädagogische Kooperation mit Schulen findet man per Mail unter: h.e.m.bauer@t-online.de und bzinger@t-online.de

Autor: Katja C. Weber