Christian Steinwachs

Freiburger Physiker: "Erst der Anfang eines neuen Zeitalters"

Michael Heilemann

Von Michael Heilemann

Sa, 20. Februar 2016 um 00:00 Uhr

Bildung & Wissen

Christian Steinwachs, Assistent am Physikalischen Institut der Universität Freiburg, hat die erste Messung von Gravitationswellen via Liveschaltung in die USA mitverfolgt.

Zu hören waren nur aufsteigende Klickgeräusche, doch dahinter verbarg sich eine wissenschaftliche Sensation: 100 Jahre nach Einstein wurden Gravitationswellen erstmals direkt gemessen. Christian Steinwachs, Assistent am Physikalischen Institut der Universität Freiburg, konnte dies via Liveschaltung in die USA mitverfolgen. Mit ihm sprach Michael Heilemann.


BZ:
Abgesehen davon, dass Einsteins Vorhersage nun bewiesen ist: Wie bedeutsam ist diese Entdeckung?
Steinwachs: Die Bedeutung des direkten Nachweises ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Doch dies ist erst der Anfang eines neuen Zeitalters der Gravitationswellenastronomie. Zum ersten Mal ist auch das Verschmelzen zweier Schwarzer Löcher beobachtet worden. Vorher war es zweifelhaft, ob es solch ein Verschmelzungsszenario überhaupt gibt.

BZ: Was ist der nächste Schritt?
Steinwachs: Aus dem Gravitationswellensignal lassen sich direkte Informationen über die Quelle – etwa Masse und Eigendrehimpuls der Schwarzen Löcher – erhalten. Es ist geplant, noch mehr Interferometer wie Ligo zu einem Netzwerk zusammenzuschließen, so dass es möglich wird, die genauen Orte der Quellen der Gravitationswellen zu lokalisieren und gewissermaßen zu kartographieren.

BZ: Sind neue Erkenntnisse zu den Anfängen des Universums zu erwarten?
Steinwachs: Auch in der Kosmologie sind Gravitationswellen von großer Bedeutung. Das Standardmodell sagt voraus, dass sich das frühe Universum während einer Phase der Inflation in kürzester Zeit exponentiell ausgedehnt hat und dass dabei sogenannte primordiale Gravitationswellen entstanden sind. Die Hauptinformationsquelle in der Kosmologie ist bis dato der kosmische Mikrowellenhintergrund, der von Photonen herrührt, die circa 380 000 Jahre nach dem Urknall ausgesandt wurden. Weiter als zu dieser "Momentaufnahme" kann man sozusagen nicht in die Vergangenheit blicken, weil damals das Universum nicht durchsichtig war. Die Gravitationswellen würden einen tieferen Blick in die Vergangenheit, näher zu den Anfängen, gestatten.