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02. Juli 2015

Wissenschaft

Warum sexuelle Fortpflanzung den Seesternen nicht gut tut

Schwedische Wissenschaftler haben entdeckt, dass sich klonende Seesterne langsamer altern als diejenigen, die sich sexuell reproduzieren. Die Erkenntnis könnte irgendwann auch einmal Menschen helfen.

  1. Geklonte Seesterne leben länger. Foto: dpa

Die Wissenschaftler untersuchten verschiedene Arten von Seesternen. Solche die sich klonal, also durch das Klonen, und solche, die sich sexuell fortpflanzen. Einige Seesterne klonen sich, indem sie sich im erwachsenen Alter in zwei oder mehr Teile aufspalten. Dann wächst der fehlende Rest an jedem der Teile wieder nach.

Die schwedischen Forscher wollten herausfinden, ob Seesterne, die sich klonen, gesünder sind und Zeichen von verlangsamten Altern aufweisen. Dies im Vergleich zu Seesternen, die sich sexuell reproduzieren. Weil Seesterne sich im Gegensatz zum Menschen auf sowohl klonale wie sexuelle Weise reproduzieren können, bieten sie sich für einen Vergleich an.

Sowohl im Mittelmeer als auch im Atlantik wurden dazu Populationen des Seesterns Coscinasterias tenuispina untersucht. Im Mittelmeer klonten sich diese Seesterne vermehrt. Im Atlantik war die sexuelle Reproduktion verbreiteter. Die kürzlich im renommierten Fachmagazin Heredity veröffentlichten Resultate bestätigten, dass sich klonende Seesterne langsamer altern als diejenigen, die sich sexuell fortpflanzen.

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Den Grund dafür machen die Forscher in der Länge der sogenannten Telomere aus. Das sind DNA-Bestandteile, die sich am Ende der Chromosomen befinden. Ihre Aufgabe ist es, genetische Daten zu schützen und die Zellteilung zu ermöglichen. Zudem sollen sie mit bislang ungeklärten Mechanismen das biologische Altern, auch bei Menschen, und mit ihm die Entwicklung von Krankheiten wie Krebs beeinflussen. Jedes Mal, wenn sich eine Zelle teilt, verlieren die Telomere ein kleines Stück ihrer Länge. "Je älter wir werden, desto kürzer werden die Telomere", erklärt Studienmitarbeiterin Helen Nilsson Sköld von der Universität Göteborg. "Wie genau sie das Altern beeinflussen, weiß die Wissenschaft heute leider noch nicht", sagt die Forscherin. "Wir haben aber in der Studie einen deutlichen positiven Zusammenhang zwischen der Länge der Telomere und der Üblichkeit, sich zu klonen, statt sich sexuell fortzupflanzen, gefunden", so Sköld. Zudem waren die Telomere im neuen heranwachsenden Teil des sich klonenden Seesterns sogar etwas länger als in dessen alten Gewebeteil. "Da hat also eine Verjüngung auf Telomer-Niveau stattgefunden", sagt sie.

Das sei vermutlich eine Erklärung für den besseren Gesundheitszustand von Seesternen, die sich klonen. Bereits zuvor hatten andere Forscher ähnliche Prinzipien anhand von Plattwürmern festgestellt. "Wir haben nun deren Resultate in einer ganz anderen Tiergruppe bestätigt", sagt Sköld. Letztlich zeige die Seesterne-Studie, dass Lebewesen, die sich sexuell reproduzieren, danach einfach altern. Die Jugend lebt in den Nachkommen fort. Beim Klonen von Seesternen im Erwachsenenalter verbleibt diese Verjüngung, vereinfacht gesagt, im gleichen Lebewesen. Zwar könne man Menschen nicht durch Klonen verjüngen, aber wenn die Forschung irgendwann die genauen Funktionsweisen der Telomere versteht, könnte da ein Mechanismus liegen, den man zur Verjüngung von Menschen adaptieren könne. Aber das liege noch in weiter Zukunft, so die Wissenschaftlerin.

Autor: André Anwar