Wurzeln schlagen

Sarah Trinler

Von Sarah Trinler

So, 03. Juni 2018

Binzen

Der Sonntag In Binzen gibt es bald einen Hofkindergarten – Kinder lernen Umgang mit Tier und Natur.

Hühner füttern, Beete anlegen und bei der Kartoffelernte helfen – das können Kinder ab September im neuen Hofkindergarten in Binzen erleben. Die Initiatorinnen wollen Fantasie, Kreativität und Eigeninitiative der Kinder stärken und Natur als Ganzes erlebbar machen.

Kinder brauchen eigentlich keine Zimmer voller Spielsachen oder künstlich angelegte Spielplätze, die besten Spielmöglichkeiten bietet die Natur selbst. Dieser Meinung sind Lara Hell und Larissa Schweizer, die das Projekt "Hofkindergarten" zum Leben erweckt haben. "Ich liebe es, einfach in der Natur zu sein", sagt die Erzieherin Lara Hell, deren Traum es schon lange war, einen eigenen Kindergarten zu gründen. Während ihrer Arbeit in Kindertagesstätten hat der 30-Jährigen eines zunehmend gefehlt: der direkte Bezug zu Natur und Umwelt. Sie möchte Kindern einen respektvollen Umgang mit der Natur vermitteln und Fantasie, Kreativität und Eigeninitiative der Kinder stärker ansprechen. Während ihres Bundesfreiwilligendienstes auf einem Bauernhofkindergarten und ihrer Weiterbildung zur Bauernhofpädagogin hat sich ihr Wunsch noch verstärkt. Als Lara Hell dann die Kindheitspädagogin Larissa Schweizer kennenlernte, die die gleiche Vision hatte, stand der Plan fest: Sie möchten einen Hofkindergarten gründen.

Ab September wird es einen solchen für Kinder ab zwei Jahren auf dem Areal der Gärtnerei Berg in Binzen geben. Es ist der erste seiner Art in den Landkreisen Lörrach und Waldshut. "Mit dem großen Gemüsebetrieb und den 450 Hühnern haben wir hier viele Möglichkeiten mitzuwirken", sagt Hell. Im Umgang mit den Tieren lernen Kinder bereits im frühen Alter, Verantwortung zu übernehmen. Durch die Pflege eines eigenen Beetes erfahren sie unmittelbar das Wunder des Wachstums aber auch die Notwendigkeit der Sorgfalt.

"Natürlich wird es bei uns auch pädagogische Inhalte wie in einem ganz normalen Kindergarten geben", betont Hell. Beispielsweise werden auch Schulanfängerprojekte oder Kreativangebote sowie Rollenspiele durchgeführt. Darüber hinaus werden eigene Beete angelegt, die Hühner versorgt oder in Kleingruppen die Gärtnerei besucht. Die Kinder bekommen die Möglichkeit, beim Säen, Pflegen und Ernten von Obst und Gemüse dabei zu sein. Für zusätzliche Kreativangebote wird derzeit ein Gartenhaus renoviert und möbliert, ein Sanitärbereich wird in einem Bauwagen eingerichtet, in dem es auch einen Wickeltisch und einen Ruhebereich geben wird.

Da die Kindergartengruppe, die den Namen "Die Gartenkinder" tragen soll, für 15 bis 20 Kinder konzipiert ist, könne der Tagesablauf flexibler gestaltet werden als in großen Einrichtungen, erklärt Hell. Dennoch gebe es natürlich gleichbleibende Tagesstrukturen wie Morgenkreis, Frühstück und ein gemeinsamer Abschluss.

Die Mitarbeit auf dem Hof findet in enger Absprache mit den Demeter-Gärtnern Mira und Stefan Berg statt, die den seit knapp fünf Jahrzehnten bestehenden Familienbetrieb Anfang 2016 übernommen haben. Sie waren von Anfang an begeistert von der Idee, ihren Hof durch die Kinder zu beleben. Die eingezäunte Fläche – eine klare Abgrenzung von der Gärtnerei ist eine der Vorgaben für eine Betriebserlaubnis – , die vom Kindergarten gepachtet wird, wurde bislang vom Binzener Verein Helios Terra als Lehr- und Schaugarten genutzt. Mira Berg, die nicht nur Landwirtin sondern auch Musik- und Tanzpädagogin ist, war so überzeugt von dem Konzept, dass sie gleich in die Projektarbeit miteingestiegen ist. Ab September wird sie für einige Stunden pro Woche im Kindergarten mitarbeiten. Hell, die die Leitung übernehmen wird, und Schweizer suchen noch zusätzlich nach einer Pädagogischen Fachkraft in Teilzeit.

Was nun so unkompliziert klingt, war anfangs alles andere als einfach. Hell und Schweizer hatten die Hoffnung, als Kindergarten im Gemeindeverbund Vorderes Kandertal in den kommunalen Bedarfsplan mitaufgenommen zu werden. Hierfür stellten sie ihre Projektidee den Bürgermeistern vor. Obwohl diese davon angetan waren, wurde in den jeweiligen Gemeinderäten die Bezuschussung abgelehnt. Im Vorderen Kandertal gebe es keinen Bedarf für einen zusätzlichen Kindergarten, so die Begründung. Nun bekommt der Hofkindergarten gesetzliche Landeszuschüsse, die allerdings geringer sind als eine volle kommunale Unterstützung. Jedoch konnten die Initiatorinnen die Gemeinde überzeugen, für in Binzen wohnende Familien die Elternbeiträge mit demselben interkommunalen Kostenausgleich zu bezuschussen, wie dies bei außerhalb der Wohnortgemeinde betreuten Kindern gängig ist. Familien aus anderen Gemeinden – auch außerhalb des Kandertals – können in ihrer Wohnortgemeinde eine Förderung des Betreuungsplatzes beantragen. Als Einrichtungsträger fungiert übrigens die gemeinnützige Genossenschaft Kita Natura, ein bundesweiter Träger für Natur-, Wald- und Bauernhofkindergärten.
Der Hofkindergarten nimmt ab sofort Anmeldungen für Kinder ab zwei Jahren entgegen.
E-Mail: diegartenkinder@kita-natura.de, Tel. 0176/57856289. Die geplanten Öffnungszeiten des Kindergartens sind von 8 bis 14 Uhr

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