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28. März 2011
Grüne im Glück und CDU im Abwind
Im westlichen Breisgau verliert die CDU stark und wird in March sogar von den Grünen überflügelt / Geteiltes Bild bei SPD.
BREISGAU. Auch in den Gemeinden zwischen Freiburg und Kaiserstuhl gaben die Bürger ihr Wahlrecht bei der gestrigen Landtagswahl viel stärker in Anspruch genommen als vor fünf Jahren. Sie bescherten dabei den Grünen starke Zugewinne und der CDU deutlich über dem Landesschnitt liegende Verluste. In March führte dies zu einem historischen Resultat: Die Grünen wurden hier, wie im benachbarten Freiburg, sogar stärkste Partei.
"Das ist wirklich ein Novum" staunte Adalbert Faller, grüner Kreis- und Gemeinderat, nachdem er mit dem Auszählen der Stimmen in den Hugstetter Halle fertig war. Über 34 Prozent für die Grünen, bei gut 27 Prozent für die CDU, die damit die SPD um nur einen Prozentpunkt hinter sich ließ, das habe er so "nicht ansatzweise erwartet" zeigte sich auch der CDU-Ortsvereinsvorsitzende Matern Marschall von Bieberstein überrascht. Offenbar müsse man die March doch mehr dem städtischen Umfeld zurechnen, was die politische Prägung betreffe. Auch in den anderen Orten legten die Grünen durchweg stark zu und verdoppelten ihre Stimmenanteile gegenüber der Wahl vor fünf Jahren. Nur in Bötzingen blieben sie mit 21,2 Prozent unter dem landesweiten Wert und liegen hier auch hinter der SPD, die hier mit 27,1 Prozent noch ihr bestes Ergebnis einfuhr. Auch die Union schnitt hier mit 37,8 Prozent noch am besten ab.Werbung
"Wir haben starke Verluste" befand der Bötzinger CDU/-Ortsvorsitzende Roland Näger. Für ihn ist klar, "das Unglück in Japan war das Glück der Grünen". Wichtig sei aber auch, dass mit Patrick Rapp der neue CDU-Kandidat im Wahlkreis Breisgau das Direktmandat holen konnte. Dass es für Bernhard Schätzle im Freiburger Westwahlkreis – zu dem erstmals auch March, Umkirch und Gottenheim zählten – knapp werden würde, habe er erwartet, meinte Näger. Überrascht sie er aber sehr, das es nun neben Schätzle auch Klaus Schüle im Wahlkreis Freiburg-Ost nicht geschafft habe.
Ihr bestes Resultat holte die CDU mit 40,6 Prozent zwar in Merdingen, aber nach Verlusten von fast zwölf Prozentpunkten. Die SPD kam hier mit 21,2 Prozent wie in Umkirch mit 26,7 Prozent fast exakt auf die Werte der letzten Wahl, während es in den anderen Gemeinden Rückgänge der Stimmenanteile gab, am stärksten in Gottenheim mit einem Minus von vier Prozentpunkten auf noch 26 Prozent. Der Eichstetter Alexander Lüth, der für Gaby Rolland als SPD-Zweitkandidat im Wahlkreis Freiburg-West angetreten war, sah den Ausgang der Wahl als Bestätigung seiner Eindrücke vom Wahlkampf der letzten drei Wochen: "Es gab ganz klar eine Stimmung zum Wechsel, die Leute waren an den Infoständen sehr gesprächsbereit".
Die FDP blieb einzig in ihrer Hochburg Eichstetten mit 8,5 Prozent halbwegs stabil. Andernorts stürzte sie ab und blieb nur in Merdingen mit 5,1 Prozent noch knapp über der 5-Prozentmarke. "Es sind vor allem die hohen Verluste der FDP, weshalb es nicht mehr für schwarz-gelb reicht" befand Marschall von Bieberstein im Blick auf das Landesergebnis.
Keinen Erfolg hatte die Linke, die bis auf Merdingen überall weniger Stimmenanteile einfuhr als ihre Vorläufer der WASG bei der Wahl 2006. Ganz offenbar hatten manche ihrer Sympathisanten sich für Grüne oder SPD entschieden, um den Wechsel in Stuttgart herbeizuführen.
Autor: Manfred Frietsch
