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22. November 2011
"Dieser Beruf macht total viel Spaß"
Barbara Sonner aus St. Ulrich hat die Meisterprüfung im Fach Hauswirtschaft gemacht – als Beste im ganzen Regierungsbezirk.
BOLLSCHWEIL-ST. ULRICH. Mal ganz ehrlich: Unter einer Hauswirtschaftsmeisterin stellen sich viele ein ewig putzendes Hausmütterchen mit akkurat gestärkter Rüschenschürze vor. Auch Barbara Sonner ist Hauswirtschaftsmeisterin – passt aber so ganz und gar nicht in dieses Klischee. Das merkt sofort, wer die 36-Jährige auf dem Heinehof in St. Ulrich besucht. Die vierfache Mutter hat erst vor kurzem ihre Meisterprüfung im Fach Hauswirtschaft abgelegt – und war mit der Note 1,8 die beste Absolventin im gesamten Regierungsbezirk Freiburg.
"Hauswirtschafterin – das ist der Beruf, der mir total Spaß macht", sagt eine strahlende Barbara Sonner. 2006 hat sie die Lehre als Hauswirtschafterin abgeschlossen und gemerkt: "Da gibt es noch Vieles, was mich interessiert, was ich vertiefen möchte." Und so reifte über die Jahre die Entscheidung, sich zum Meisterkurs auf der Hochburg in Emmendingen anzumelden. Kein ganz leichtes Unterfangen, denn Barbara Sonner ist nicht nur Mutter von vier Kindern im Alter zwischen zwei und 17 Jahren, sondern sie ist auch Bäuerin und in der hofeigenen Gastronomie für den Service und vieles mehr zuständig. Der Wunsch nach dem Meistertitel bedeutete, 15 Monate lang montags von 9 bis 17 Uhr die Schulbank zu drücken. Nur mit dem Schulbesuch war es aber nicht getan: Jede freie Minute hat Barbara Sonner zum Lernen und zum Ausarbeiten ihres Meisterprojekts genutzt, oft ist sie bis nachts am Schreibtisch gesessen. Daneben liefen die Arbeiten in der Landwirtschaft, der Gastronomie und im Haushalt weiter. Da mussten Mann und Kinder ganz schön zurückstecken. "Für die Familie war die Situation nicht einfach", erzählt die frischgebackene Meisterin, "doch alle haben toll zu mir gehalten."Werbung
Wie stolz die Sonner-Kinder auf ihre erfolgreiche Mama sind, zeigte sich an dem Plakat, welches sie am Balkon des Wohnhauses aufgehängt hatten. "Der Heinehof hat seine Meisterin – Herzlichen Glückwunsch" stand da in großen Buchstaben geschrieben. So konnten auch die vielen Besucher des Heinehofs sehen, was Barbara Sonner geleistet hat. Und nicht nur das: Die Gäste profitieren auch ganz konkret von Sonners Schulbesuch.
Als Meisterprojekt hat sie ein Winterprogramm für die Hofgastronomie erarbeitet und so aus der nur saisonal geöffneten Strauße eine Gastwirtschaft gemacht, die das ganze Jahr über besucht werden kann. In der gemütlichen Gaststube finden nun in den Wintermonaten zusätzlich zum normalen Betrieb Gänseabende statt, es wird zum Schlachtfest und zum Rindfleischmenüabend eingeladen und am Wochenende gibt es die Möglichkeit zum Bauerfrühstück. "Ich habe mir die Frage gestellt, wie wir Gäste zu uns locken, uns attraktiver machen können", sagt Barbara Sonner. So ist sie auf die Idee des Winterprogramms gekommen, hat es ausgearbeitet, durchgerechnet und Preise festgelegt, Fotos für die Werbung geschossen, Flyer gedruckt, sich passende Dekorationen für die Abende überlegt und sich – ganz wichtig – mit der Personalführung auseinandergesetzt. Denn zum ersten Mal haben die Sonners nun auch eine festangestellte Kraft in ihrem Betrieb.
"Das, was ich im Meisterkurs gelernt habe, kann ich zu 100 Prozent umsetzen – und das ist das Schöne", erklärt die 36-Jährige. Manches, was sie während ihrer Ausbildung und im Meisterkurs gelernt hat, habe sie – rein instinktiv – schon immer so gehandhabt. "Aber manches konnte ich verbessern", sagt Barbara Sonner und nennt ein kleines, aber anschauliches Beispiel: Wer Waschmittel falsch dosiert, schadet nicht nur der Wäsche, sondern auch Umwelt und Geldbeutel. "Wichtig ist, dass man neugierig auf Neues ist und man muss fähig sein, andere Sichtweisen anzunehmen."
Barbara Sonner hat sich mit dem Meistertitel etwas Gutes getan: "Es war die richtige Entscheidung, ihn zu machen." Die Strecke bis dorthin vergleicht sie mit einer Bergtour: Der Weg ist anstrengend, manchmal geht einem die Puste aus und man würde am liebsten umdrehen – "doch auf dem Gipfel angekommen, ist man einfach glücklich."
Autor: Tanja Bury


