Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. Oktober 2008

Ein Fest für die Sinne

"Kunst, Kultur und Kulinarisches" lockt 120 Besucher ins Bildungshaus Kloster St. Ulrich

  1. Ihre Skulptur „Klaus und Dorothee“ erklärte die Bildhauerin Michaela Karle beim großen Kulturtag im Bildungshaus Kloster St. Ulrich. Foto: Anne freyer

BOLLSCHWEIL-ST ULRICH. "Kunst, Kultur und Kulinarisches" genossen mehr als doppelt so viele Teilnehmer als erwartet in St. Ulrich. Die Katholische Landvolk Bewegung und das Bildungshaus Kloster St. Ulrich hatten gemeinsam zu diesem Kulturtag eingeladen. Die zweite Veranstaltung in der bisherigen "Landvolkshochschule" unter neuem Namen wurde ein voller Erfolg.

Mit 50 Anmeldungen hatten sie gerechnet, Norbert Mittnacht von der Katholischen Landvolk Bewegung, Peter Langenstein und Bernhard Nägele vom Bildungshaus – 120 Besucher kamen. Das bedeutete rasches Umdisponieren, etwa bei der Anordnung der Tische im großen Saal, denn niemand wurde abgewiesen. Und willkommen geheißen fühlten sich Gäste aus dem ganzen südwestdeutschen Raum – von Lahr bis Lörrach, vom Bodensee bis zum Rhein – den ganzen Tag über, wie sie begeistert kundtaten. Für alles war gesorgt, nicht zuletzt für die Unterhaltung der zahlreichen Kinder, für die es ein eigenes Programm gab. Auf der malerischen Wiese mit Blick auf St. Ulrich und in die herbstlich verfärbten Wälder, und das bei schönstem Spätsommerwetter, wurde getobt, gebastelt und gesungen. Darum kümmerten sich erfahrene Gruppenleiterinnen und das Jonglage-Duo Katja und Philipp, die auch im Saal zur guten Laune beitrugen.

Werbung


Der Genuss des üppigen Brunch-Büffetts, das Hauswirtschaftsleiterin Anita Müller mit ihrem Team gezaubert hatte, wurde noch gesteigert durch ein buntes Programm, das dem Motto "Kunst, Kultur und Kulinarisches" voll gerecht wurde.

Vom Kaiserstuhl war das "Vokalensemble InTakt" nicht nur mit einem breiten Spiritual- und Gospelrepertoire angereist. Die muntere Truppe singt außerdem A-cappella-Werke aus verschiedenen Epochen und unternimmt auch gerne Ausflüge in Pop und Rock. Ähnliche Vorlieben haben die "Stimmbänd Glottertal", die sich anschließend die Ehre gaben, elf sangesfreudige Herren zwischen 30 und 50 und "hörig" einer Frau: ihrer Dirigentin und Gesangslehrerin Gabriele Kniesel. In diesem Jahr feiern sie ihr zehnjähriges Bestehen.

Mundart-Konzert mit Frank Dietsche zum Abschluss
Stimmung machten auch das "Rindfleisch-Quintett" , fünf Elztäler in uriger Aufmachung, die nach eigener Aussage "selbst nicht so genau wissen, was sie spielen", aber auf jeden Fall gut ankommen. Am ehesten sind sie zwischen Guggemusik und alemannischer Volksmusik anzusiedeln, gewürzt mit einer kräftigen Prise "Schwarzwälder Blödsinn".

Wer das Bildungshaus und seine schönen Außenanlagen kennt, ist schon der Skulptur "Klaus und Dorothee" begegnet, die die Künstlerin Michaela Karle im Gedenken an das legendäre Gründerehepaar aus der Schweiz geschaffen hat. Für "Land schafft Leben" hatte sie weitere anrührende Skulpturen mitgebracht, die sie einem interessierten Publikum erläuterte. Im Haus gab es Bilder zu sehen, die der Grafiker und Designer Bernhard Stark in einem langen Prozess geschaffen hatte, nachdem er nach Bollschweil gezogen war. Seinen Bild-Text-Kompositionen, die bereits bei der Ausstellung im Alten Rathaus in Bollschweil auf reges Interesse stießen, liegt die "Beschreibung eines Dorfes" von Marie Luise Kaschnitz zugrunde.

Ein Vergnügen der Sonderklasse war das Konzert, das den Abschluss der Veranstaltung bildete: Frank Dietsche mit alemannischen Liedern zur Gitarre. Musikalisch in Jazz und Blues zu Hause und Weggefährte so mancher regionalen Größe auf diesem Gebiet, verbindet er seine treffsicher wiedergegebenen Beobachtungen in Prosa, Reimen und Liedern zu einem amüsanten Gesamtkunstwerk. Der frühere Lehrer aus dem Eggenertal (und Kenner seiner schönen Nachbarschaft zwischen Badenweiler und Kandern) wurde im Dezember 2000 durch die Regionalgrupppe der Muettersproch-Gesellschaft mit der Johann-Peter-Hebel-Medaille geehrt. Drei Jahre später erhielt Frank Dietsche den Europäischen RegioMundart-Preis der Kulturstiftung "Pro Europa".

Das in St. Ulrich versammelte Publikum hatte an der Darbietung, die sich für Südbadener durch hohen Wiedererkennungswert sowohl sprachlich als auch das Lebensgefühl betreffend auszeichnet, großen Spaß und machte sich sichtlich beschwingt auf den Heimweg.

Autor: Anne Freyer