Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

03. April 2012

Mal feinfühlige, mal kraftvolle Töne

Trachtenkapelle Bollschweil feiert gelungene Premiere: Zum ersten Mal gab das Orchester ein Osterkonzert in der Pfarrkirche.

  1. Für Frühlingsgefühle sorgte die Trachtenkapelle Bollschweil bei ihrem Kirchenkonzert. Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL. Den Frühling mit Musik begrüßen – das ist eine gern geübte Tradition bei der Trachtenkapelle Bollschweil. Wegen der Belegung der Möhlinhalle mit dem Stück "Frau Pilatus" war der Auftritt kurzerhand in die Kirche St. Hilarius verlegt worden. So kam das festlich gestimmte Publikum, das sich zahlreich in der Kirche eingefunden hatte, in den Genuss nicht nur der ausgezeichneten Akustik in diesem Raum, sondern auch eines Kirchenkonzerts der beschwingten Sorte.

Hanspeter Moll wies in seiner Begrüßung auf das Novum des ersten Kirchenkonzerts in Bollschweil in vorösterlicher Zeit hin und stimmte so gebührend auf einen erlesenen Musikgenuss ein – und zwar zu ungewohnter Stunde: am frühen Abend, den die Sonne mit ihren letzten Strahlen durch die bunten Kirchenfenster noch verschönte. Auf das Programm hatte Dirigent Carl-Philpp Rombach lauter Tonwerke gesetzt, die nicht nur seinem und des Ensembles hohem Qualitätsanspruch entsprachen, sondern sich als sehr passend für diese ungewöhnliche Spielstätte erwiesen.

Zum Auftakt gab es "A little Concert Suite" von Alfred Reed, die sich durch eine große Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten und der dadurch ausgelösten Gefühle auszeichnet: von der schwungvollen "Intrada" über die melancholische "Siciliana" und das heitere "Scherzo" bis zur übermütigen "Gigue". Sieghaft und very british" kam der Krönungsmarsch "Crown Imperial" daher, von William Walton 1937 zur Inthronisation von König Georg VI. komponiert. Endgültig berühmt wurde der Marsch durch die weltweit ausgestrahlte Krönung seiner Tochter und heute noch amtierenden britischen Monarchin Elisabeth II am 2. Juni 1953 in der Londoner Westminster Abbey, woran Patricia Schneider als Moderatorin erinnerte. Aber auch in der Kirche St. Hilarius machte er sich sehr gut und beeindruckte durch seine feierliche Getragenheit.

Werbung


Ganz anders die romantische Ballade "Salut d’amour" von Edward Elgar, Britte auch er. Von ihm wurde berichtet, dass er nach diesem Stück nie wieder etwas komponiert hat, denn es war der letzte Gruß an seine große Liebe nach ihrem frühen Tod. Eine bewegende Geschichte, die die Trachtenkapelle feinfühlig in Töne umzusetzen und das Publikum lange Zeit nach ihrer Entstehung zu ergreifen wusste. Heiter, ja geradezu übermütig hingegen der Tanz "Shepherd’s Hey", geschaffen von Percy Grainger, Sohn eines aus London nach Australien ausgewanderte Briten. Im Laufe seines Lebens kam er viel herum, aber immer wieder auf das englische Volkslied zurück, dem er hier einmal mehr ein Denkmal setzte. Da sah man förmlich die Röcke der Mädchen beim Tanz auf der Tenne fliegen und teilte sich ungefiltert die heitere Stimmung eines Festes auf dem Lande mit. Der erklärte Antisemit Grainger dürfte allerdings beim letzten Stück im Programm im Grabe rotiert haben – es war nämlich die Komposition "Shirim" von Piet Swerts aus der Abteilung Klezmer, zu Recht immer wieder Ausdruck der jüdisch-christlichen Verbundenheit auch und gerade in der Musik. Das gab einem jungen Talent Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen: Eva Maria Ruf, 14 Jahre jung. Sie hatte nicht nur den letzten Regionalwettbewerb im Fach Flöte bei "Jugend musiziert" gewonnen, sondern auch gegen eine riesige Konkurrenz den dritten Platz beim Landeswettbewerb belegt. Nun zeigte sie mit einem hinreißenden Solo, warum – das ganze Ensemble und das Publikum freuten sich mit ihr über ihren Erfolg.

Ohne Zugabe kam die Trachtenkapelle auch diesmal nicht davon; sichtlich gerne erfüllte sie den Wunsch mit dem Gospel "Nobody knows", Gelegenheit für ein homogenes Saxophon-Sextett, als Formation zu glänzen, bevor es beschwingt in den noch besonnten Frühlingsabend hinausging.

Autor: Anne Freyer