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19. September 2013

Musik und Gemeinschaft erleben

90 Kinder aus den Musikvereinen der Region übten in St. Ulrich für ein gemeinsames Konzert am kommenden Sonntag.

  1. Hier wird fleißig geübt: 90 junge Musiker aus der Region bereiteten sich bei einem Probewochenende in St. Ulrich auf ein gemeinsames Konzert am kommenden Sonntag in Bollschweil vor. Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL. Ein ganzes Wochenende hatten rund 90 Kinder aus dem Bezirk 2 des Oberbadischen Blasmusikverbandes Zeit, sich im Bildungshaus Kloster St. Ulrich auf ihr großes Konzert am kommenden Sonntag vorzubereiten. Und diese Gelegenheit wurde genutzt: Das Publikum erwartet in der Bollschweiler Möhlinhalle eine bunte Folge schwungvoller Melodien.

"Nicht so schnell, hör’ auf die anderen und denk an den Rhythmus", mahnt Diego Rivara den jungen Schlagzeuger. Der gebürtige Argentinier ist einer der beiden Dirigenten, die die Proben mit den Kindern aus Ebringen und Schallstadt, die in einem gemeinsamen Jugendorchester zusammengefasst sind, sowie aus Horben, Merzhausen, St. Ulrich, Pfaffenweiler und Bollschweil übernommen haben. Er ist zuständig für die Kleinen ab sechs Jahren, die noch nicht so vertraut mit ihren Instrumenten sind – manche von ihnen spielen zum ersten Mal im größeren Verbund. "Das ist nicht immer einfach, aber bis zum Konzert bekommen wir das schon hin", zeigt sich Merzhausens Jugenddirigent zuversichtlich. Darin stimmt ihm Karin Horst, Vorsitzende des Bezirks 2 aus Pfaffenweiler, zu. Sie hat seit vielen Jahren Erfahrung mit Projekten dieser Art und weiß, welch erstaunliche Resultate in relativ kurzer Zeit erzielt werden können, wenn die Motivation stimmt.

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Ihr Mann Alexander, der mit den Großen probt, kennt die meisten von ihnen schon aus ihrer Anfängerzeit und kann sich nun darauf verlassen, dass sie seine Vorstellungen davon, wie die ausgesuchten Stücke zu interpretieren sind, umsetzen und auch die Feinheiten so herausarbeiten, wie er sich das vorstellt. Viele der Mädchen und Buben sind schon alte Hasen und spielen zum Teil in den Erwachsenenorchestern mit. "Dadurch entsteht eine Kontinuität, die sich sehr positiv auswirkt", stellen die Verantwortlichen fest. "Die Kinder werden nicht nur mit der Musik vertraut, sondern wachsen in eine Gemeinschaft hinein, die lange, manchmal ein Leben lang hält."

Die Übergänge zwischen den beiden Gruppen sind deshalb fließend, was das jeweilige Lebensalter betrifft. So können geübte Zehnjährige bereits in der Gruppe der Fortgeschrittenen spielen, während ihre Altersgenossen noch bei den Anfängern mitwirken. Das Gros stellen insgesamt die Zwölf- bis 14-Jährigen; die Ältesten sind 16 bis 17 Jahre alt.

Nicht viel älter sind auch die 15 Betreuer, die sich am Probenwochenende mit zwei Übernachtungen um den Nachwuchs kümmerten. Sie gehören durchweg regionalen Musikvereinen an, wissen, wie aufregend es ist, zum ersten Mal vor großem Publikum zu spielen und helfen ihren Schützlingen über viele Unsicherheiten hinweg.

"So schön wie hier hatten wir es noch nie"

Alle waren begeistert von der Unterbringung und dem Komfort, den das Bildungshaus Kloster St. Ulrich bietet. "So schön wie hier hatten wir es noch nie", so die einhellige Meinung. Höchstes Lob gab es auch für die Verpflegung.

"Bei unserem ersten Treffen mit Zeltlager und gemeinsamem Grillen ging es nur ums Kennenlernen, musiziert wurde erst ab dem zweiten Jahr", erinnert sich Karin Horst. Das war vor nun 14 Jahren; seitdem gibt es jedes Jahr ein Treffen mit gemeinsamem Musizieren. Das dabei erarbeitete Programm wird dann in einem Konzert an dem jeweils gastgebenden Ort präsentiert. Darüber, wo das Bezirksjugendtreffen 2013 stattfinden sollte, war man sich bei der konstituierenden Sitzung der Bezirksmitglieder im vergangenen Herbst schnell einig: in St. Ulrich.

Die Idee hatte die Trachtenkapelle St. Ulrich, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiert. Der Vorsitzende Roman Gutmann setzte sich unverzüglich mit dem Bildungshaus in Verbindung und bekam die Zusage. Der Zeitpunkt – Ende der großen Ferien und vor dem offiziellen Bildungsprogramm – war günstig. Die Zahl der vorhandenen Betten reichte zwar für 90 Teilnehmer eigentlich nicht, aber man improvisierte: Es wurden Isomatten und Matratzen ausgelegt, so dass alle einen Schlafplatz fanden. "Dafür sind wir der Trachtenkapelle und der Leitung des Hauses sehr dankbar", betonten die beiden Organisatorinnen Karin Horst und Sonja Amann, Bezirksjugendleiterin aus Horben, "aber auch allen anderen, die dieses Probenwochenende mit ermöglicht haben, beispielsweise finanziell". Als Ausgleich für die anstrengende Probenarbeit wurden Ausflüge unternommen.

Info: Das Bezirksjugendkonzert findet am kommenden Sonntag, 22. September, um 15 Uhr in der Möhlinhalle in Bollschweil statt. Der Eintritt ist frei.

Autor: Anne Freyer